Schifferstadt Sozialdemokratisches Urgestein Ulrich Schwind gibt Ratsmandat ab
„Die Politik hat mir immer Spaß gemacht, auch wenn wir nichts ganz Großes gewonnen haben“, sagt Ulrich Schwind. Über Jahrzehnte hinweg engagierte sich der Sozialdemokrat unermüdlich für die SPD in Schifferstadt. Obwohl er stets auf der Oppositionsbank saß und als Bürgermeisterkandidat nicht siegte, beeindruckt sein Einsatz für sozialdemokratische Werte — auch in der Basisarbeit auf der Straße.
Im Stadtrat und in den Ausschüssen trug Schwind leidenschaftlich sozialdemokratische Anträge und Ideen vor. „Was hab ich mich mit Hans Pruschina gefetzt“, sagt er schmunzelnd im Gespräch mit der RHEINPFALZ zu den Auseinandersetzungen mit dem langjährigen CDU-Fraktionschef. Trotz harter Diskussionen sei der Umgang stets respektvoll geblieben, meint Schwind. Mehr als einmal sei man zum Tagesabschluss fraktionsübergreifend einen trinken gegangen. „Das Spannende an der Lokalpolitik: Du musst mit den Leuten auskommen, denn man trifft sich immer wieder“, erklärt er. Über die unterschiedlichen Standpunkte hinweg ließen sich aber auch gemeinsame Interessen finden. „Der CDU-Bürgermeister Josef Sold war Jazz-Fan wie ich. Wir haben uns oft über Konzerte und Platten ausgetauscht“, erinnert sich Schwind.
Schwind, 1952 in Speyer geboren, ist ein alteingesessener Schifferstadter. Nach seiner Ausbildung zum Kessel- und Behälterbauer bei der BASF qualifizierte er sich weiter zum Kesselschmiede-Meister. Die Metallbranche führte ihn zur Politik, zunächst zur IG Metall. „In der Lehrwerkstatt war es selbstverständlich, dass man in die Gewerkschaft ging“, sagt Schwind.
1976 trat Ulrich Schwind in die SPD ein. Seine spätere Frau Karin studierte in Heidelberg, er arbeitete in Ludwigshafen. Deshalb zog das junge Paar nach Mannheim. Dort war Schwind für die SPD aktiv. Nach zehn Jahren wechselte die Familie 1990 nach Schifferstadt. Bei den Kommunalwahlen 1994 verpasste er knapp den Einzug in den Stadtrat, rückte jedoch ein Jahr später für Karl Pleli nach.
2003 Bürgermeister-Kandidat
1996 verstarb plötzlich Bernd Johann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Schwind wurde zum Nachfolger gewählt, eine Position, die er 15 Jahre lang innehatte. Danach wollte er in die zweite Reihe und war bis 2023 stellvertretender Vorsitzender. Im Jahr 2003 kandidierte Schwind für das Amt des Bürgermeisters, verlor aber gegen FWG-Mann Klaus Sattel.
Als politischen Tiefpunkt in der Stadtgeschichte empfindet Schwind die Pleite der Stadtsparkasse, durch die die Stadt über Nacht ein Defizit von 35 Millionen Euro erlitt. Ursache waren leichtfertig vergebene Kredite und eine unzureichende Kontrolle durch den Verwaltungsrat. Deprimierend war für den Sozialdemokraten auch der von einer absoluten CDU-Mehrheit eingefädelte und umgesetzte Kauf der ans Rathaus angrenzenden Immobilie Großen Kapellenstraße 3. „Da habe ich gesehen, was Macht bedeutet“, sagt Schwind und schüttelt den Kopf.
Als wichtigsten Ausschuss, dem er angehörte, sieht er den Bauausschuss an. Ein wichtiges Projekt der Zukunft sei die Bebauung des Schindkautgeländes. „Bezahlbarer Wohnraum hat für uns Sozialdemokraten seit je her Priorität“, betont er. Positiv sieht er die einstimmigen Ratsbeschlüsse zu den Kindergärten: „Der Bedarf ist da, da sind sich alle einig.“
Schwind hat viele Fraktionen und Gruppierungen kommen und gehen sehen. Aber der Einzug einer Partei in den Stadtrat, die in Teilen rechtsradikal sei und zu deren Führungsspitze ein Nazi angehöre, bereitet dem eingefleischten Sozialdemokraten „körperliche Schmerzen“, sagt er im RHEINPFALZ-Gespräch.
Bewusster Zeitpunkt des Rückzugs
Den Zeitpunkt seines Rückzugs aus dem Rat habe er bewusst gewählt: „Ich wollte die Haushaltsberatungen und den Beschluss noch mitmachen, damit ich mich mit gutem Gewissen zurückziehen kann“, sagt er. In seiner letzten Sitzung lobt Schwind die Zusammenarbeit der demokratischen Parteien – was zu demonstrativem Stöhnen des AfD-Fraktionsvorsitzenden führt. Schwind geht darauf nicht ein und dankt der Verwaltung und der Bürgermeisterin und den Beigeordneten, mit denen immer eine gute Zusammenarbeit möglich war. Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) überreichte ihm eine Dankesurkunde. Das Mandat von Ulrich Schwind übernimmt Sandra Wolke.