Fußgönheim RHEINPFALZ Plus Artikel Sonne und Wind nutzen: Auf dem Weg zur Energiewende

So viel Fläche wie möglich möchte die Gemeindeverwaltung für das Projekt einer Fotovoltaikanlage auf ihrer Gemarkung zur Verfügu
So viel Fläche wie möglich möchte die Gemeindeverwaltung für das Projekt einer Fotovoltaikanlage auf ihrer Gemarkung zur Verfügung stellen.

Die Energiewende fängt im Kleinen an, heißt es oft. Und gerade in Zeiten der Energiekrise kann man da nicht aktiv genug sein. In Fußgönheim will die Verwaltung nicht hintenanstehen. Gemeinsam mit der Firma Gaia soll das Projekt in den kommenden Jahren angegangen werden. Womöglich geht es aber noch schneller.

Seit 1999 plant, projektiert und realisiert die Lambsheimer Firma Gaia nach eigenen Angaben auf ihrer Internetseite Windkraft- und Fotovoltaikanlagen. Jetzt soll auch auf der Gemarkung der Gemeinde Fußgönheim etwas entstehen, das bei der Energiewende hilft. Doch für den Bau einer Fotovoltaikanlage müssen einige Voraussetzungen gegeben sein, wie Marie-Christin Leonhard im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläutert. Sie ist Projektleiterin Fotovoltaik-Freifläche bei Gaia. Die Firma ist im vergangenen Jahr mit einem Vorschlag für ein Projekt an die Gemeinde Fußgönheim herangetreten und hat ihre Vorstellungen bereits der Verwaltung und den Vertretern des Bauausschusses präsentiert.

Passende Fläche gesucht

Die Grundvoraussetzung ist selbstverständlich erst mal eine geeignete Fläche. Die hat Marie-Christin Leonhard schon ausgedeutet. „Potenzialfläche“ heißt diese, ist nach Angaben von Gaia acht Hektar groß und liegt im Nordwesten der Fußgönheimer Gemarkung, eingegrenzt von der A650, dem Erlenbach und dem Floßbach. Der entscheidende Faktor ist dann die Wirtschaftlichkeit. Je kleiner die Fläche, desto kritischer ist eine lange Kabeltrasse, meint Leonhard. Oder andersrum: Je größer die Fläche, desto länger könnte die Kabeltrasse sein, um die Anlage wirtschaftlich betreiben zu können. Bei acht Hektar dürfe die Leitung maximal vier Kilometer lang sein. Es sei daher wirtschaftlicher, bei der Fläche für die Fotovoltaikanlage größer zu denken, erläutert Leonhard. Weshalb sie auch zwei Alternativen ins Spiel bringt: Alternative eins wäre 17 Hektar groß. Der Vorteil: Das gesamte Areal ist im Besitz der Gemeinde. Alternative zwei wäre etwa 18 bis 20 Hektar groß. Allerdings ist hier nicht die gesamte Fläche in kommunaler Hand.

Entgegen kommt der Planung, dass der Korridor, in dem eine Fotovoltaikanlage von der Autobahn ab in eine Fläche hinein eine Vergütung gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhält, von ursprünglich 110 Metern auf mittlerweile 500 Meter erweitert worden ist, erklärt Marie-Christin Leonhard. Berücksichtigt werden müsse außerdem, ob die Fläche zum Beispiel in einem Vorranggebiet in Sachen Hochwasserschutz eine Rolle spielt, und wie der Boden beschaffen ist. Sei dieser etwa sehr weich, könne man zum Beispiel mit einem Betonfundament für die nötige Standfestigkeit der Anlage sorgen.

Angenommen, die Anlage könne tatsächlich auf der 18 bis 20 Hektar großen Fläche errichtet werden, könnten bis zu 22 Millionen Kilowattstunden pro Jahr ins Netz gespeist werden. Wenn man davon ausgeht, dass ein durchschnittlicher Haushalt pro Jahr 3000 Kilowattstunden Strom verbraucht, könnte man damit über 7330 Haushalte mit Strom beliefern. Doch bis es soweit ist, dauert es noch ein bisschen. Denn erst braucht es einen entsprechenden Ratsbeschluss, damit Gaia überhaupt tätig werden darf.

Für Windräder zu dicht besiedelt

Angenommen, der komme im ersten Quartal dieses Jahres noch zustande, könnte im zweiten Quartal 2023 das Bauleitverfahren beginnen. Mit einer Baugenehmigung rechnet Leonhard für das dritte Quartal 2024. Und dann könnte die Anlage tatsächlich schon Anfang 2025 in Betrieb gehen. Bei einer kleineren Anlage, etwa auf acht Hektar, könnte es schneller gehen, da aufgrund der Privilegierung von Fotovoltaik-Freiflächenanlagen im Korridor hier kein Bebauungsplan mehr notwendig ist.

In Sachen Windenergie könnte sich in Fußgönheim womöglich etwas drehen, wie Matthias Borrmann, Projektleiter bei der Gaia, erläutert. Allerdings ist dieses Projekt wohl nicht ganz so einfach zu realisieren. „Die Verbandsgemeinde Maxdorf ist relativ dicht besiedelt. Und der Abstand eines Windrads zur Wohnbebauung muss 900 Meter betragen“, erläutert Borrmann. Die Folge: „97 Prozent der Flächen in der Verbandsgemeinde scheiden damit aus.“

Allerdings gebe es eine Fläche südöstlich von Fußgönheim, auf der Platz für zwei Windräder wäre. Da befürchtet Borrmann aber, dass die Anlagen zu hoch seien. Die Nabenhöhe betrage 165 Meter, der Rotordurchmesser 160 bis 175 Meter. Die Gesamthöhe sei am Ende 255 Meter. Allerdings gebe der Bebauungsplan „Im Hellgärtel“, der für einen Teil der für Windenergieanlagen geeigneten Fläche in Fußgönheim gilt, eine Maximalhöhe von 140 Metern vor. Dieser Bebauungsplan müsste also aufgehoben werden und eine Sonderbaufläche Windenergie (ohne Höhenbegrenzung) im neuen Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde dargestellt werden, damit Windenergieanlagen hier errichtet und wirtschaftlich betrieben werden können, meint Borrmann.

Gaia möchte das Projekt in Fußgönheim gemeinsam mit der Gemeinde aber gerne weiterverfolgen. Denn nach dem „Windenergie-an-Land-Gesetz“ müsse jedes Bundesland ohnehin seinen Beitrag zum Aufstellen von Windkraftanlagen leisten und Flächen bereitstellen. In Rheinland-Pfalz seien das bis 2027 1,4 Prozent der Fläche des Landes und bis 2032 dann 2,2 Prozent, erläutert Borrmann. „Es wird also Vorgabe des Landes sein, sich da zu bewegen.“

Finanziell lohnend

Selbstverständlich könnte sich der Einsatz der Gemeinde auch finanziell auszahlen. Bei der Fotovoltaikanlage bleiben laut Marie-Christin Leonhard neben der Pachteinnahme für die gemeindeeigene Fläche 0,2 Cent pro Kilowattstunde bei der Gemeinde hängen. Das könnte sich bei der Fläche von 17 Hektar auf über 40.000 Euro pro Jahr summieren. Ähnlich sei die Vergütung auch bei der Windkraft. Hier bekämen die umliegenden Gemeinden in einem 2,5-Kilometer-Radius auch 0,2 Cent pro Kilowattstunde. Das wären laut Borrmann bei einer Jahresleistung von 12,5 Millionen Kilowattstunden 25.000 Euro pro Windrad im Jahr, die auf die Gemeinden entsprechend der Gemarkungsfläche aufgeteilt würden.

Bei der Gemeindeverwaltung liegt die Priorität bei der Fotovoltaikanlage, wie Bürgermeister Jochen Schubert (FWG) erläutert. „Die ist wohl schneller umzusetzen“, sagt der Ortschef. Das Votum in den Gremien sei bislang gewesen, so viel Fläche wie möglich für die Fotovoltaikanlage zur Verfügung zu stellen. Bis es zur Entscheidung im Gemeinderat komme, dauere es allerdings noch etwas. „Es fehlen noch ein paar Daten.“

Windräder können ganz schön hoch sein. Zu hoch für Fußgönheim.
Windräder können ganz schön hoch sein. Zu hoch für Fußgönheim.
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