Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Soll das Biotop vernetzt oder die Landwirtschaft gefördert werden?

Blickrichtung Waldsee und Neuhofen: Der Acker zwischen den bewaldeten Flächen soll zum Biotop werden.
Blickrichtung Waldsee und Neuhofen: Der Acker zwischen den bewaldeten Flächen soll zum Biotop werden.

Sollte ein gemeindeeigenes Grundstück, das derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, in ein Biotop umgewandelt werden? Die grüne kommunale Liste in Waldsee hätte das gerne so und hat einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat gestellt. Doch aus anderen Fraktionen kommt Kritik – auch mit Verweis auf die Weltpolitik.

Kleine Waldgebiete und Biotope gibt es rund um Waldsee zwar schon ein paar, doch liegen sie verstreut und sind getrennt durch anderweitig genutztes Gelände. Die grüne kommunale Liste (gkL) in Waldsee sieht nun die Chance, zwei solcher Gebiete miteinander zu verbinden: Vom Wald westlich und nördlich der Schlicht geht nämlich ein zirka 20 Meter breiter Hecken- und Baumstreifen nordöstlich der Drecklache bis zu einem rund 100 Meter breiten Wäldchen am Bärenpfuhl. Ein paar hundert Meter weiter östlich beginnt wieder ein Waldstück, das sich über den Kleinen Koller bis zum Altrhein zieht. Zwischen beiden bewaldeten Gebieten liegt die Fahrwiese, ein rund 100 Meter breites und 450 Meter langes Grundstück, das der Gemeinde Waldsee gehört. Es ist derzeit an einen Landwirt verpachtet und wird als Ackerfläche genutzt.

„Beim Blick auf die Karte fällt auf, dass in diesem Areal ein Potenzial zur Vernetzung bestehender Waldflächen liegt“, findet Helmut Klauß, Fraktionssprecher der gkL. Die Lücke im Bereich der Fahrwiese verhindere, dass das Potenzial voll genutzt werde. Angesichts des anhaltenden Flächenverbrauchs und des damit einhergehenden fortschreitenden Verlusts an Artenvielfalt seien Projekte zur Vernetzung bestehender Naturräume von herausragender Bedeutung für den Naturschutz. Das sehe auch die Untere Naturschutzbehörde so, mit der die gkL-Fraktion bereits gesprochen hat.

Täglich 73 Fußballfelder

Die gkL schlägt deshalb vor, den Pachtvertrag für die Fahrwiese zu kündigen und nach dessen Auslaufen dort Bäume und andere Gewächse zu pflanzen. Regulär würde der Pachtvertrag bei einer Kündigung im November noch zwei Jahre laufen. Der Pächter sei aber bereit, schon früher auf die Fläche zu verzichten. Klauß plädierte in der jüngsten Ortsgemeinderatssitzung dafür, die Fläche bis zum Herbst des kommenden Jahres noch einmal landwirtschaftlich zu nutzen und beispielsweise Sonnenblumen zu pflanzen und parallel ein Konzept für die geplante Biotopvernetzung zu entwickeln. Dieses könne dann in einem Jahr praktisch angegangen werden.

Wolfgang Kühn (SPD) sprach sich deutlich gegen den Antrag der gkL aus: Dadurch würden 45.000 Quadratmeter Ackerfläche verloren gehen, die der Landwirt ohne eine Kündigung durch die Gemeinde weiterbewirtschaften würde. Er erinnerte daran, dass in Deutschland täglich landwirtschaftlich Flächen in der Größe von 73 Fußballfeldern verschwinden. Die Konsequenz sei, „dass die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr mit deutschen Produkten erfolgt“. Der Import zum Beispiel von Kartoffeln aus Ägypten ist für Kühn nicht nur unter Klima- und Umweltgesichtspunkten der falsche Weg. Auch angesichts der aktuellen politischen Krisen sprach er sich dafür aus, dass Deutschland sich selbst versorgen kann. Nicht nur die Meinung der Unteren Naturschutzbehörde, auch die der Landwirte sollte bei dem Thema gehört werden.

Aufwertung rechtfertigt Einsatz

Ähnlich sah es die CDU und verwies zusätzlich darauf, dass dieser Fall anders gelagert sei, als wenn Ackerflächen für dringend benötigten Wohnraum aufgegeben würden. Die FWG sah zwar ebenfalls die Gefahr durch den Verlust landwirtschaftlicher Flächen, erkannte im gkL-Antrag aber auch eine Aufwertung des Gebiets. Armin Raquet von der gkL-Fraktion fand: „Die Aufwertung, die diese Fläche durch die Biotopvernetzung erfährt, rechtfertigt den Einsatz.“ Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) sah keinen Zeitdruck bei der Kündigung und plädierte daher dafür, das Konzept für die Biotopvernetzung zuerst weiter auszuarbeiten und dann weiterzusehen. Mit diesem Vorschlag konnte auch gkL-Sprecher Klauß „gut leben“.

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