Frankenthaler Umland RHEINPFALZ Plus Artikel So sind unsere Schulen digital aufgestellt

Ein Interaktives Whiteboard, das mit dem Internet verbunden ist und wie ein Computer funktioniert, steht heute in vielen Klassen
Ein Interaktives Whiteboard, das mit dem Internet verbunden ist und wie ein Computer funktioniert, steht heute in vielen Klassenzimmern. Im Frankenthaler Umland allerdings (noch) nicht.

Die Corona-Pandemie hat vorallem eins ans Licht gebracht: In vielen Bereichen ist die Digitalisierung noch längst nicht da, wo wir sie gerne hätten und brauchen. Wie sieht das in den Schulen im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis aus? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie viel Geld geben die Gemeinden für die Digitalisierung aus?
Die Mitglieder des VG-Rats Lambsheim-Heßheim haben in der letzten Sitzung des vergangenen Jahres für zusätzliche 200.000 Euro für die technische Ausstattung der vier Grundschulen in Beindersheim, Heßheim, Lambsheim und Großniedesheim votiert. Das Geld soll in gleichen Teilen auf die vier Einrichtungen verteilt und in diesem Jahr ausgegeben werden. Einen entsprechenden Antrag hatten zuvor SPD und Grüne gestellt. Hinzu kommen die Zuschüsse aus Förderprogrammen, auf die die VG-Verwaltung zurückgreifen kann. Erst vor ein paar Tagen kam darüber ein weiterer Förderbescheid, teilt VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) mit. Für rund 7500 Euro können die Medienbeauftragten bis Ende Februar also weitere Tablets bestellen.

Rund 130.000 Euro für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Rheinschule und Pestalozzi-Grundschule hat die Verwaltung in Bobenheim-Roxheim im Haushaltsplan 2021 veranschlagt. Davon sollen unter anderem auch weitere Tablets angeschafft werden.

Wo gibt es noch klassische Tafeln und wo interaktive Whiteboards?
In der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim gibt es nur in der Grundschule in Großniedesheim noch ausschließlich klassische Kreidetafeln. Wie VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) auf Anfrage mitteilt, kommen sowohl in der Karl-Wendel-Grundschule in Lambsheim als auch in der Albrecht-Dürer-Grundschule in Beindersheim jeweils vier interaktive Whiteboards zum Einsatz. In der Grundschule in Heßheim gibt es fünf solcher moderner Tafeln, die ans Internet angeschlossen sind und über deren Touchscreen Lehrer ihre Präsentationen oder Videos zeigen und mit speziellen Stiften auch darauf schreiben können.

Solche Whiteboards gibt es auch in Bobenheim-Roxheim: Laut Fachbereichsleiter Frank Unvericht gibt es an der Pestalozzi-Grundschule bereits sieben solcher Tafeln, eine weitere sei für das Reserveklassenzimmer bereits beantragt. Für die Rheinschule ist die Bestellmenge größer: 13 Whiteboards hat die Verwaltung beantragt, weil es dort bisher noch keine gibt. Die klassischen Kreidetafeln habe man in den vergangenen drei Jahren erneuert, damit sie auch weiterhin genutzt werden können.

Wie viele Tablets und Laptops stehen zur Verfügung?
In der VG Lambsheim-Heßheim gibt es laut Bürgermeister Michael Reith (SPD) bereits an allen Schulen Laptops und Tablets. Über das Sofortausstattungsprogramm des Landes habe die Verwaltung zu Beginn der Corona-Pandemie und der Homeschooling-Phase insgesamt 50 iPads mit Ladekoffer, Schutzhülle und Tastatur bestellt. Verteilt wurden sie prozentual nach der Schülerzahl. so gingen 23 Tablets nach Lambsheim, 15 nach Beindersheim, acht nach Heßheim und vier nach Großniedesheim.

Tablets aus den Landes- und Bundesprogrammen gibt es auch für Bobenheim-Roxheimer Schüler: 70 Endgeräte gibt es bereits an der Pestalozzi-Grundschule, teilt Fachbereichsleiter Frank Unvericht mit. 22 davon stammten aus dem Sofortausstattungsprogramm des Landes, Zuschüsse für 13 weitere iPads seien über den „Digitalpakt Schule“ beim Land beantragt und bestellt.

An der Rheinschule kommen 69 Tablets zum Einsatz, der Großteil davon (37) stamme aus dem Sofortausstattungsprogramm. „Für weitere Bestellungen gibt es keine Fördermittel mehr. Falls nochmals Mittel bereitgestellt werden, wird die Beschaffung weiterer Geräte erfolgen.“ Das werde aber bis 2024 dauern. Dauern wird wohl auch die Lieferung weiterer Tablets. Laut Unvericht wurde eine weitere Lieferung der Schüler-Tablets verschoben: um ein Jahr von Dezember 2020 auf Ende dieses Jahres.

Gibt es für jeden Schüler ein Gerät?
„Nein, derzeit gibt es nicht für jedes Grundschulkind ein Endgerät“, teilt VG-Bürgermeister Michael Reith mit. Die Situation soll sich aber möglichst bald entspannen: Über das Landesprogramm „Digitalpakt Schule“ habe er bereits eine Forderung nach Fördermitteln für weitere Endgeräte gestellt. Auch über das Budget der Verwaltung, die rund 200.000 Euro in ihrem Haushalt bereitgestellt hat, sollen weitere angeschafft werden.

In Bobenheim-Roxheim gibt es das Problem auch. An der Rheinschule sind aktuell 245 Schüler, Tablets gibt es bisher nur 69. Für die 136 Schüler der Pestalozzi-Grundschule stehen 70 Tablets zur Verfügung.

Wo gibt es Glasfaser?
Für die Grundschulen Beindersheim, Großniedesheim und Heßheim wurde bereits vor längerer Zeit ein Vertrag über einen Glasfaseranschluss mit der Deutschen Glasfaser Wholesale GmbH geschlossen, teilt VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) mit. Ein entsprechender Vertrag sei auch für die Karl-Wendel-Grundschule in Lambsheim mit der saarländischen Firma Inexio geschlossen worden. Einen schnellen Glasfaseranschluss gibt es bisher aber nur in der Grundschule in Großniedesheim. „In den restlichen Grundschulen steht dies noch aus“, teilt Reith mit.

Etwas unkonkreter sind die Glasfaser-Pläne in Bobenheim-Roxheim. Wie Fachbereichsleiter Frank Unvericht mitteilt, verfügen die beiden Grundschulen aktuell über einen DSL-Anschluss mit bis zu 250 Mbit. Im Zuge der Umbau- und Ausbauarbeiten an beiden Schulen sei zwar ein Glasfaseranschluss geplant, allerdings müsse man abwarten, ob ein Anbieter den Ausbau des Netzes durchführe.

Läuft das WLAN stabil?
Die Grundschule Beindersheim verfügt in der VG Lambsheim-Heßheim bisher als einzige Einrichtung über ein stabiles WLAN-Netz, teilt VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) mit. In den anderen Grundschulen bestehe noch kein stabiles WLAN-Netz. Zum Teil habe man sich dort jedoch mit Internetkabeln beholfen, die für eine stabile und schnellere Verbindung ins Internet sorgen sollen.

Aus Bobenheim-Roxheim heißt es: „Bis zur Herstellung der digitalen Grundinfrastruktur im Rahmen des Digitalpakts Schule lief das WLAN nicht stabil. Es kam in der Vergangenheit immer wieder zu Unterbrechungen der Verbindung.“ In der Pestalozzi-Grundschule habe man aber im Dezember 2020 eine neue digitale Infrastruktur in Betrieb nehmen können. „Die Messungen im Testbetrieb waren gut“, teilt Fachbereichsleiter Frank Unvericht mit. Jedoch wolle man einen Test unter realen Bedingungen nach den Corona-bedingten Schulschließungen abwarten. Und auch an der Rheinschule geht es voran: Im ersten Halbjahr 2021 soll dort die digitale Infrastruktur verbessert werden.

Welche Schule hat eigene Server?
Jede Grundschule in der VG Lambsheim-Heßheim hat laut Bürgermeister Michael Reith (SPD) einen eigenen Schulserver. Betrieben würden diese von einem Speyerer Unternehmen. Auf den Servern liege die aktuelle Schulsoftware.

Auch in den Bobenheim-Roxheimer Schulen gibt es noch Server. Sie sollen laut Frank Unvericht aber im Zuge der Verbesserung der digitalen Infrastruktur zurückgebaut werden.

Welche Software wird genutzt?
In den Schulen der VG Lambsheim-Heßheim kommt vor allem die Plattform Sdui zum Einsatz. Wie VG-Bürgermeister Reith mitteilt, werden über Sdui (selbstgedrehte) Videos und Material hochgeladen, Videokonferenzen gehalten und mit den Eltern kommuniziert. Für die Videos wird teilweise Powerpoint benutzt und zum Erstellen der Arbeitsblätter verwenden viele Lehrer den Worksheetcrafter. Die Computer laufen auf Basis von Windows 7 (Großniedesheim, Heßheim, Lambsheim) und Windows 10 (Großniedesheim, Beindersheim, Lambsheim). Die Anwendung Big Blue Button, über die beispielsweise auch die VG-Verwaltung ihre Gremiensitzungen abhält, wurde ebenfalls eingerichtet, aber noch nicht benutzt. In Bobenheim-Roxheim kommen ebenfalls Sdui und die Software Windows 10 zum Einsatz.

Wie steht es um die Medien-Kompetenzen der Lehrkräfte?
In Beindersheim an der Albrecht-Dürer-Grundschule etwa gab es laut Medienbeauftragtem Patrick Schneider noch keine Weiterbildungen für das ganze Kollegium, sondern vereinzelte Fortbildungen. Wenn der Erweiterungsbau der Grundschule fertig sei, und die vier neuen Interaktiven Whiteboards eingetroffen sind, stünde zudem eine technische Fortbildung für die Lehrer an. Außerdem möchte das Kollegium eine Weiterbildung zum Thema „Nutzung/Einführung der Tablets“ machen.

In der Rheinschule in Bobenheim-Roxheim haben laut Frank Unvericht bis jetzt sechs Lehrkräfte spezielle iPad-Schulungen gemacht. Der Rektor nehme ebenfalls an Fortbildungen vor allem im Bereich Geräteadministration teil. Zusammen mit einer Lehrkraft muss er die Tablets auch verwalten. Dafür sei im April ein Studientag geplant, teilt Unvericht mit.

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