Harthausen RHEINPFALZ Plus Artikel So intelligent soll das „Smarte Baugebiet“ im Wooggraben werden

Im Dezember war offizieller Spatenstich im Baugebiet „Südlich Wooggraben, Teilbereich Ost“, das von Dudenhofen kommend direkt am
Im Dezember war offizieller Spatenstich im Baugebiet »Südlich Wooggraben, Teilbereich Ost«, das von Dudenhofen kommend direkt am Ortseingang von Harthausen liegt.

Einige Erdhügel sind zu sehen, ein paar Bagger stehen herum – noch deutet nur wenig darauf hin, dass am Harthausener Ortseingang aus Richtung Dudenhofen kommend ein zukunftsweisendes Wohnquartier entstehen soll. Unter dem Label „Smart City“ sollen dort die Themen Wärme, Strom und Mobilität intelligent miteinander verbunden werden.

Die ersten Ideen für die „Smart City“ in Harthausen liegen bereits einige Jahre zurück. Eine Machbarkeitsstudie und viele Gespräche mit den Eigentümern der künftigen Baugrundstücke später wird klarer, was sich hinter dem Schlagwort verbirgt. Und es kann endlich mit konkreten Arbeiten losgehen: Im Dezember hat der offizielle Spatenstich stattgefunden. Bis zum Herbst, das ist der Wunsch der Verantwortlichen, soll das Baugebiet „Südlich Wooggraben, Teilbereich Ost“ erschlossen sein.

„Die Basis ist ein kaltes Nahwärmenetz für das Baugebiet“, erläutert Peter Vogel, Geschäftsführer von Vogel Clean Energy, der das Projekt koordiniert. Mittels Erdsonden wird die Wärme dabei aus dem Boden geholt. Eine Ringleitung zu den Haushalten sorgt dafür, dass das gesamte Wohngebiet aus einer zentralen Quelle bedient wird, ergänzt Bauingenieur Peter Hildebrand. In den Gebäuden kommen Wärmepumpen zum Einsatz. Im Sommer könne Wärme auch in den Boden zurückgepumpt und die Häuser passiv gekühlt werden. Probebohrungen seien keine nötig. „Die Region ist grundsätzlich für oberflächennahe Geothermie geeignet“, sagt Hildebrand. Bei dieser werden Löcher bis zu einer Tiefe von 100 Metern gebohrt. Ein vergleichbares Projekt gab es 2016 in Schifferstadt. Im Gegensatz zur Tiefengeothermie seien unerwünschte Begleiterscheinungen wie Erdbeben ausgeschlossen. Der große Vorteil sei, dass die Wärmequelle CO2-neutral und der Nutzer unabhängig von Preissteigerungen für Heizstoffe ist. Zudem werde der Bau des Nahwärmenetzes von der EU gefördert.

Stromtankstelle geplant

Doch das kalte Nahwärmenetz alleine macht das Baugebiet noch nicht zur Smart City. Diese zeichnet sich laut Peter Vogel dadurch aus, dass die Themen Wärme, Strom und Mobilität intelligent und mittels moderner Technik gekoppelt sind. Ziel ist laut Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU) dabei, ein energieautonomes Gebiet zu schaffen. Das sei aber nicht gleichbedeutend mit energieautark. „Es muss immer ein Netzbetreiber dabei sein“, sagt Peter Vogel. Die Grundstückseigentümer verpflichten sich laut den Verantwortlichen, eine Fotovoltaik-Anlage bei sich zu installieren. Mit der gewonnenen Energie könnten unter anderem die Wärmepumpen betrieben werden. Auch werde der Eigenverbrauch des gewonnenen Solarstroms höher sein als gewöhnlich. Zum Thema Mobilität sei eine Stromtankstelle mit der Möglichkeit zum intelligenten Laden geplant. Dazu liefen noch Gespräche mit den Pfalzwerken.

Und langfristig kann sich Peter Vogel noch weitere „smarte“ Elemente in dem Baugebiet vorstellen – beispielsweise digitalisiertes Car-Sharing, digital koordinierte Nachbarschaftshilfe oder irgendwann sogar einen autonom fahrenden Shuttlebus zum Bahnhaltepunkt in Heiligenstein. Ein einheitlicher Bauträger für alle Grundstücke hätte nach Einschätzung von Bauingenieur Hildebrand die Chance geboten, direkt noch weitere Synergieeffekte zu schaffen. „Aber dazu waren die Vorbehalte zu groß“, sagt er. Die Bauherren dürften auch nicht mit zu vielen Themen auf einmal überfrachtet werden, ergänzt Peter Vogel.

Ökologisch und modern

Das Baugebiet hat eine Größe von rund zwei Hektar – aufgeteilt auf 25 Grundstücke, die mit Einfamilienhäusern sowie zwei Doppelhäusern bebaut werden sollen. Ein Grundstück gehört der Ortsgemeinde. Erschlossen wird das Baugebiet von der Pfalzwerke Infrastruktur GmbH sowie – als bauausführendes Unternehmen – der Firma Eiffage Inra-Südwest GmbH aus Alzey. Die Herstellungskosten geben die Pfalzwerke mit rund 2,2 Millionen Euro an.

Baugebiete wie jenes, das in Harthausen geplant ist, seien immer mehr im Kommen. „Die Bundesregierung will, das künftig alle Baugebiete so sind“, ist Peter Vogel überzeugt. Sprich: Ökologisch soll es sein, dabei modern und neueste Technik nutzend. Wichtig sei dabei, dass auch ein individueller Charakter erhalten bleibe und jeder das Haus bauen könne, das er möchte. „Wir sind schließlich keine Kolchose“, sagt Vogel.

Bohrung für ein kaltes Nahwärmenetz 2016 in Schifferstadt: Auch in Harthausen ist ein solches Netz geplant.
Bohrung für ein kaltes Nahwärmenetz 2016 in Schifferstadt: Auch in Harthausen ist ein solches Netz geplant.
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