Rhein-Pfalz Kreis Sie seh’n den Sternenhimmel

Stare beim Start. Die Reise in den Süden beginnt.
Stare beim Start. Die Reise in den Süden beginnt.

Schade, jetzt ist mein Herbstlexikon schon beim Buchstaben Z angelangt. Ich hoffe, Euch hat das Lesen der Geschichten so viel Spaß gemacht, wie mir das Schreiben. Und ich habe dabei auch viel Neues gelernt. Zum Abschluss möchte ich Euch etwas über ganz besondere Tiere erzählen, die einen Winter- und einen Sommerwohnsitz haben: Zugvögel.

Ich muss zugeben, ich bin ganz schön beeindruckt. Ich selbst bin froh, wenn ich mich in meiner eigenen Umgebung rund um meinen Biberbau einigermaßen zurechtfinde. Ihr Menschen könnt ja im Auto das Navi programmieren, wenn Ihr Euch auf den Weg irgendwohin macht, und früher habt Ihr auf Straßenkarten geguckt. Aber Zugvögel – die haben all das nicht. Und finden ganz von allein den Weg nach Afrika, ohne unterwegs ins Meer zu plumpsen. Ist das nicht toll? Woher die Vögel den Weg kennen und wieso sie überhaupt wegfliegen, wenn es bei uns Herbst ist, wollte ich von Thomas Dolich wissen. Er arbeitet bei der BASF, ist aber schon seit vielen, vielen Jahren Hobby-Ornithologe, also Vogelkundler. Er wohnt in Neuhofen und engagiert sich bei der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz. Wir haben ganz lange gesprochen, weil er über Zugvögel eine Menge spannender Dinge erzählen kann. In Deutschland, hat er mir erklärt, leben ungefähr 250 Brutvogelarten. Die Hälfte von ihnen sind Standvögel und die andere Hälfte Zugvögel. Es gibt Kurz-, Mittel- und Langstreckenzieher. Jedes Jahr, wenn es kühler wird, machen sich die Zugvögel auf den Weg. Sie wissen in ihrem Inneren, dass sie den kalten Winter bei uns in der Pfalz nicht überleben würden, weil sie zum Beispiel nicht genug Nahrung finden. Also fliegen sie nach Südeuropa, etwa nach Spanien, oder gleich nach Afrika, wo es viel wärmer ist. Nun könnte man ja meinen, dass es schlau wäre, gleich ganz dort zu bleiben. Aber sie kommen nach dem Winter zurück, weil sie im Süden auch nicht immer leben könnten. Manche Vögel sind schnell, andere etwas langsamer. Manche überfliegen ohne Unterbrechung das Mittelmeer oder die Sahara. „Das Sonnenlicht und ihre innere Uhr weisen ihnen den Weg“, sagt Dolich. „Die Nachtzieher orientieren sich am Sternenhimmel und am Magnetfeld der Erde.“ Die Zugrichtung und die Zugstrecke seien in den Genen festgelegt. Faszinierend, nicht wahr? Dolich, der 58 Jahre alt ist, beschäftigt sich schon seit seiner Jugend mit Zugvögeln. Aber manche Dinge sind auch für ihn immer noch rätselhaft. Zum Beispiel hat er keine richtige Antwort auf die Frage, wie genau die Sache mit dem Flug in Formationen funktioniert. Ihr habt bestimmt schon mal einen Staren- oder Gänseschwarm gesehen, und manche Vogelarten fliegen auch ein V. Wie genau die Tiere sich verständigen, wer auf welcher Position fliegt, wird wohl immer ein kleines Geheimnis bleiben. Manches hat sich seit Dolichs Jugend auch verändert. So bleiben manche Vögel, die früher zum Überwintern weggeflogen sind, nun hier, weil der Klimawandel mildere Winter beschert. Übrigens: Der warme Süden – das sind manchmal auch wir hier in der Pfalz. Bei uns überwintern manche Vogelarten aus Skandinavien, also zum Beispiel aus Schweden.

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