Rhein-Pfalz Kreis Sicherer Hafen für Firmendaten
2010 haben sich die Tore zum ersten Datacenter von Pfalzkom Manet in Mutterstadt geöffnet. Seitdem sind jede Menge Unternehmen mit ihren Servern, ihrer Software und Backup-Daten in das Gebäude eingezogen. So viele, dass der Bau eines zweiten Centers beschlossene Sache ist.
Alles ein bisschen größer und teurer – bei den Planungen für das zweite Datacenter in Mutterstadt kleckert die Pfalzkom nicht, sie klotzt. Zum Vergleich: Das 2010 eröffnete erste Center bietet auf 700 Quadratmetern Platz für Firmen, die ihre Hard- oder Software ganz oder teilweise aus dem eigenen Haus auslagern wollen. Für das etwa einen Kilometer entfernte „Datacenter Rhein-Neckar II“ sind viermal 650 Quadratmeter vorgesehen in vier komplett voneinander getrennten, jeweils mit einem eigenen Brandschutzsystem ausgestatteten Serverräumen. 18 Millionen Euro wird Pfalzkom Manet, eine 100-prozentige Tochter der Pfalzwerke Aktiengesellschaft, investieren. Am Ende steht laut kaufmännischem Geschäftsführer Uwe Burré das größte und modernste regionale Datenzentrum des Landes im Mutterstadter Industriegebiet, direkt neben dem großen Umspannwerk und der Netzleitstelle der Pfalzwerke. Laut Burré sind das zwei gute Argumente für den Standort: Einerseits die sichere Stromversorgung durch direkte Nachbarschaft zu Hoch- und Höchstspannungsleitungen. Andererseits die Anbindung an das von der Pfalzkom ausgebaute Glasfasernetz für die schnelle, selbst verschlüsselte Datenübertragung. Weil jedoch im Südwesten Mutterstadts bei Schneeschmelze und Starkregen das Grundwasser ansteigt, muss auf Hochwasserschutz geachtet werden. Das heißt, in den vergangenen Monaten wurde das Gelände zunächst mit über 15.500 Kubikmeter Füllmasse aus einem Steinbruch fit gemacht. Ende des ersten Quartals soll es mit den Bauarbeiten losgehen, im Herbst soll es fertig sein. Im Optimalfall will Pfalzkom Manet bis dahin die ersten Mieter gewonnen haben. Die Chancen dafür stehen nach Einschätzung der Geschäftsführer gut. Nach einer in Auftrag gegebene Studie denken laut Burré „67 Prozent der mittelständischen Firmen in der Metropolregion darüber nach, Dienstleistungen von Rechenzentren in Anspruch zu nehmen“. 15 Prozent planten diesen Schritt in den nächsten zwei Jahren und 20 Prozent könnten sich eine Zusammenarbeit mit einem lokalen Rechenzentrum gut vorstellen. Für die Pfalzkom, deren erstes Datacenter zu 85 Prozent ausgelastet ist, war das so etwas wie ein Handlungsauftrag. „Viele mittelständische Firmen gehen dazu über, ihre digitalen Daten auszulagern oder wenigstens ein externes Backup anzulegen, weil sie erkennen, dass das nicht nur sicher ist, sondern auch Kosten spart“, erklärt Jürgen Beyer, technischer Geschäftsführer von Pfalzkom Manet. Wer seine Hardware im Rechenzentrum unterbringe, müsse keine eigenen Serverfarmen mit speziellem Brandschutz, Klimatisierung und hohen Stromkosten unterhalten. Der Firma spielt auch die Safe-Harbor-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2015 in die Karten. Darin befanden die Richter, dass personenbezogene Daten europäischer Unternehmen beispielsweise nicht in den USA gespeichert werden dürfen, weil die Datenschutzbestimmungen dort hiesigen Ansprüchen nicht genügen. „Das heißt, viele deutsche Firmen müssen sich eine neue Heimat für ihre Server suchen – ein sichererer Hafen sind lokale Rechenzentren, für die das europäische Datenschutzrecht gilt“, sagt Burré.