Beindersheim / Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Seniorenbeirat will mobiles Impfteam ins Dorf holen

Über 80-Jährige können sich aktuell einen Termin im Impfzentrum geben lassen. Das Problem: Nicht jeder ist so mobil wie die 81-j
Über 80-Jährige können sich aktuell einen Termin im Impfzentrum geben lassen. Das Problem: Nicht jeder ist so mobil wie die 81-jährige Kielerin auf diesem Foto, die sich ihre Impfdosis abholt.

Seit Ende Dezember sind im Rhein-Pfalz-Kreis mobile Teams unterwegs, um über 80 Jahre alte Heimbewohner gegen eine Corona-Infektion zu impfen. Seit Montag können auch Termine für das Impfzentrum in Schifferstadt gemacht werden. Nicht jeder Senior aber kann die Fahrt auf sich nehmen. Der Beindersheimer Seniorenbeirat hat einen Plan, wie es trotzdem gehen könnte.

Fast 30 Kilometer über die Autobahn führt der Weg von Beindersheim ins Impfzentrum des Rhein-Pfalz-Kreises in der neuen Kreissporthalle in Schifferstadt. Doch was für Berufspendler und Vielfahrer ein Katzensprung ist, gleicht so manchem Senior einer Weltreise. Ohne Fahrer und bequemen Wagen – wenn man denn beides hat – lässt sich das für viele Ältere nur bei guter Gesundheit machen. Und auch über die kann sich nicht mehr jeder freuen. Bei allen guten Nachrichten rund um den Impfstoff stellt sich für einige Senioren deshalb die Frage: Wie kann ich mich impfen lassen, wenn das mobile Impfteam nicht zu mir kommt, ich aber auch nicht nach Schifferstadt fahren kann?

Bürgerbus wegen Hygieneregeln unpraktisch

Das fragt sich auch Bruno Lüttinger, der in Beindersheim Vorsitzender des Seniorenbeirats ist. „Wir haben hier mindestens rund 20 Menschen, die älter als 80 Jahre alt sind, sich impfen lassen wollen, aber nicht aus dem Haus oder dem Dorf können“, berichtet er. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen sei ihnen die Fahrt nach Schifferstadt ins Impfzentrum in der Kreissporthalle und zurück nicht mehr zuzumuten. Aber auch logistisch sei das nicht für jeden alten Menschen einfach zu stemmen beziehungsweise mehr als fragwürdig, meint Lüttinger, der auch das Fahrerteam des Bürgerbusses der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim leitet. „Den könnten wir natürlich nutzen, aber wegen der Hygieneregeln könnten höchstens zwei Leute gleichzeitig mitfahren, und dann wären wir ja einen Monat lang unterwegs.“

Statt die Senioren zum Impfzentrum zu bringen, hofft Lüttinger deshalb, den Impfstoff zu den Senioren bringen zu können. „Es muss doch die Möglichkeit geben, diese Leute in Beindersheim zu impfen“, schreibt er in einem Brief, der unter anderem an VG-Bürgermeister Michael Reith (SPD) gegangen ist. Lüttinger schlägt vor, ein mobiles Impfteam einzuladen, etwa ins Sängerheim, ins evangelische Gemeindezentrum oder in die Grundschule. „Dort haben wir ausreichend Platz, das wäre also kein Problem“, meint er.

Team soll in alle sechs Gemeinden kommen

Reith findet die Idee gut und schreibt an die RHEINPFALZ: „Diesen Vorstoß unterstützen wir in vollem Umfang.“ Bei der Kreisverwaltung in Ludwigshafen, deren Gesundheitsamt für den Kreis sowie für die Städte Speyer, Frankenthal und Ludwigshafen zuständig ist, habe er deshalb bereits angefragt. Er will sogar noch einen Schritt weiter gehen und das mobile Impfteam auch in die fünf anderen Gemeinden der VG holen – sofern es denn überhaupt kommt.

Kreis wartet auf Ideen vom Land

Wie Kreissprecherin Kornelia Barnewald in Erinnerung ruft, liegt die „Planungshoheit“ in Sachen Impfen beim Land Rheinland-Pfalz. Auf die Terminvergabe über die Hotline 0800 5758100 oder die Internetseite www.impftermin.rlp.de sowie über die mobilen Impfteams habe die Kreisverwaltung keinen Einfluss. Aber: „Das Land weiß über die Problematik Bescheid, und der Druck ist da“, sagt Barnewald, die mit dem Impfkoordinator des Kreises, Tilo Meinke, Rücksprache gehalten hat. Beide vermuten, dass noch im Laufe dieser Woche erste Lösungsvorschläge von der Landesregierung kommen könnten.

Barnewald betont aber auch: Der organisatorische Aufwand für so ein Vorhaben sei nicht zu unterschätzen. Auch in Turnhallen oder Sängerheimen müssten die Hygieneregeln eingehalten werden. Es müsste regelmäßig alles desinfiziert werden, vielleicht müssten sogar Abteile für die Impflinge eingerichtet werden. Und: Auch für Transport und Lagerung des Impfstoffs müsse gesorgt werden. Ob das im Fall der Fälle der Kreis, die VG oder jede Ortsgemeinde übernehmen müsse, sei ebenfalls noch offen.

Bruno Lüttinger ist zunächst aber zufrieden und hofft auf eine schnelle Ansage der Landesregierung. „Das wäre doch prima, wenn das jetzt sogar für alle Gemeinden klappen würde.“

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