Speyerer Umland
Senioren in Corona-Zeiten: Gesellige Termine werden vermisst
Wer der älteren Generation angehört, ist naturgemäß Teil der Corona-Risikogruppe. Gleichzeitig leben viele Ältere alleine und leiden so besonders unter den Kontaktbeschränkungen. Muss deshalb befürchtet werden, dass Senioren im Speyerer Umland vereinsamen, schlecht versorgt sind und gar depressiv werden? Klaus Günter Hört, der Vorsitzende des Waldseer Seniorenbeirats, schätzt die Gefahr auf dem Dorf eher gering ein. „Die älteren Mitbürger sind hier gut vernetzt“, sagt er. „Waldsee ist eine große Familie. Ich habe keine Resignation herausgehört, höchstens ein bisschen Bedauern.“ Und: Die meisten Menschen besäßen – anders als in der Stadt – eigene Häuser und Gärten, hätten so Bewegungsfreiheit.
Schlimmeres erlebt
„Depressive Seniorinnen oder Senioren sind uns nicht bekannt“, sagt auch Reimund Gebhard, Vorsitzender des Dudenhofener Seniorenbeirats, nach Rücksprache mit seinen Mitstreitern vor Ort. „Gleichwohl haben die älteren Bürger eine gewisse Angst selbst zu erkranken oder dass in der Familie jemand erkrankt“, ergänzt der 69-Jährige allerdings. Ab einem gewissen Alter neige man dazu, die Umstände schrecklich zu finden, aber dann eben sich doch damit abzufinden und das Beste daraus zu machen, glaubt er. „Viele ältere Mitbürger berichten, dass sie schon viel schlimmere Zeiten erlebt haben. Die Nachkriegszeit, in der viele groß geworden sind, war gewiss auch nicht leicht und von vielen Entbehrungen geprägt“, sagt er.
Gleichwohl fehlten den Menschen die geselligen Termine, wie der Waldseer Hört berichtet, der selbst bedauert, dass er auf die Feier zu seinem 70. Geburtstag verzichten musste. „Unser Bürgerfrühstück wird sehr vermisst“, hat er beobachtet. Ähnliches berichtet der Seniorenbeauftragte Gustav Freye aus Schwegenheim, wo das regelmäßige Café Treffpunkt seit Beginn der Pandemie nicht mehr stattfinden konnte. Das Seniorenwandern im Schwegenheimer Wald hat Freye vor einigen Wochen, als die Infektionszahlen noch niedrig waren, einmal wieder angeboten. Prompt kamen fast 20 Schwegenheimer zum Corona-konformen Mitwandern. „Die Leute waren froh, wieder Kontakt zu haben“, sagt Freye. Doch seit Beginn der zweiten Corona-Welle ist dieses Freizeitvergnügen auch schon wieder vorbei.
Regeln werden befolgt
Trotz aller Beschwernisse: Die Älteren befolgten die Corona-Regeln ganz überwiegend, berichten die Seniorenvertreter einmütig. „Außer dass manchmal vielleicht eine Nase über der Maske hervorschaut, die aber schnell verdeckt wird, sobald man die Leute darauf anspricht“, wie Reimund Gebhard und die Dudenhofener Seniorenbeiratsmitglieder beobachtet haben. Die Infrastruktur in Dudenhofen mache den Bürgern die Versorgung leicht. Im Gegensatz zu früher gingen die meisten alleine einkaufen. Und weil sich die Senioren bis jetzt so vernünftig verhielten, täten sie das sicherlich auch über die Weihnachtsfeiertage, wenn die Ansteckungsgefahr besonders groß sein dürfte, so die Prognose der Seniorenvertreter aus dem Speyerer Umland.
Und wer sagt eigentlich, dass nur Jüngere per Videochat Kontakte pflegen können. „Vermehrt stellen wir fest, dass viele Seniorinnen und Senioren sich der modernen digitalen Medien bedienen“, sagt Gebhard. Der „Digital-Treff 60+“ des Dudenhofener Seniorenbeirats sei gut angenommen worden, bis er Corona-bedingt eingestellt werden musste. Dafür gebe es eine Hotline, wenn es mal mit der Technik klemmt.
Wem die momentane Situation doch einmal aufs Gemüt schlägt, dem rät Klaus Günter Hört folgendes: „Rausgehen an die frische Luft und ums Quadrat laufen. Das hebt die Stimmung.“ Reimund Gebhard und der Dudenhofener Seniorenbeirat empfehlen, so oft wie möglich Kontakt aufzunehmen mit der Familie, mit Bekannten, mit Freunden. „Die Gespräche bauen auf und helfen über kleine Tiefpunkte hinweg. Wir vom Beirat sprechen so oft es geht Seniorinnen und Senioren an – beim Einkaufen oder auf der Straße“, berichtet Gebhard. „Ein freundliches Wort kostet nichts und tut letztendlich sehr gut.“
Und worauf freuen sich die Senioren am meisten, wenn die Pandemie eines Tages vorbei sein sollte: „Ich freue mich darauf, wenn man den Leuten wieder die Hand schütteln oder sie auch mal in den Arm nehmen kann“, sagt Gustav Freye. Dass sich die Menschen wieder näher kommen können, sei der Wunsch von vielen, so sein Eindruck, der sich mit dem von Klaus Günter Hört und Reimund Gebhard deckt.
Hört hat die Zeit der Reisebeschränkungen zwar genutzt, ihm noch unbekannte Ecken der Pfalz zu erkunden – zum Beispiel die Mehlinger Heide. „Aber ich würde mich auch gerne mal wieder ins Flugzeug setzen und fortfliegen“, sagt er. Und Gebhard hofft ebenfalls, ein derzeit ruhendes Hobby wieder aufnehmen zu können: „Ich persönlich vermisse sehr das Hallenbad, in dem ich vor der Pandemie fast täglich meine Runden geschwommen bin.“