Dudenhofen
Seit mehr als 70 Jahren beim MGV Cäcilia
71 Jahre – Corona verhinderte seine Ehrung zum runden Jubiläum im vergangenen Jahr durch den Verein – singt Josef Reeb beim MGV Cäcilia Dudenhofen, versäumt noch immer nur bei Krankheit eine Probestunde und engagierte sich auch hinter der Bühne. Vor einigen Tagen wurde er bei der Generalversammlung wieder in den Beirat gewählt.
Bei seiner Unterschrift auf dem Mitgliedsantrag im Januar 1950 war das Singen von Volks- und Kirchenliedern erstmal nicht die Hauptsache. Mit 16 wollte Josef Reeb vor allem dazugehören, Gemeinschaft erleben. Der heute 87-Jährige erzählt: „Wir sind zu fünft als Gruppe eingetreten. Von den vier anderen aus meiner ehemaligen Schulklasse waren bereits die Eltern MGV-Mitglied.“ Über Alternativen – zum Beispiel Liedertafel, Kirchenchor oder ein Sportverein – habe er nicht mal nachgedacht. Zu der Zeit zählte der Männerchor etwa 80 Stimmen, sagt er, aktuell seien es im gemischten Chor noch 21. Nur eine Konstante war von Dauer: „Es waren immer wenige Jugendliche.“
Keine Proben geschwänzt
„Seppl“, wie er von allen genannt wird, ging in einem Speyerer Geschäft in die Friseurlehre, arbeitete als Gehilfe, übernahm dann mit zwei seiner Schwestern vom Vater den Friseurladen in der „Gummerschemer Gass“ in Dudenhofen. Eine seiner fünf Schwestern wurde ebenfalls MGV-Mitglied, eine bei der Liedertafel. Sohn und Tochter habe er gar nicht erst versucht, zu überreden. Die Proben – früher mittwochs, heute dienstags – wegen anderer Termine, Müdigkeit, oder Lustlosigkeit zu schwänzen, kam ihm in all den Jahren nicht in den Sinn. Er sagt: „Ich bin es gewöhnt, ich brauche das.“
In Erinnerung sind ihm besonders die Vereinsjubiläen. 1853 gegründet, feierte der MGV, bald nachdem Josef Reeb dabei war, seinen „Hundertsten“, zu dem Ministerpräsident Peter Altmeier das Wappenschild des Landes spendierte. Aus der Fest-Vorschau zitiert: „Alles bisher Gesehene und Gehörte überstrahlen soll das Freundschaftssingen am 25. und 26. April in der Festhalle und im Zelt mit nicht weniger als 45 Gesangvereinen.“ 25 Jahre später waren es 57. 1983 ein Novum: „Erstmals gaben sich die drei örtlichen Gesangvereine die Ehre, zu einem gemeinsamen Liederabend einzuladen.“
Eine Anekdote aus der Geschichte des MGV. Anlässlich der Gemeinderatswahl 1894 spaltete sich der Verein „aus politischen Gründen in eine schwarze und eine weiße Fraktion“. Die Weißen sammelten sich im Pfarrcäcilienverein und trugen eines Nachts Klavier, Fahne und Liederbücher des Dirigenten aus dem Schulsaal ins Wirtshaus. Wer als Schwarzer die Singstunden der Weißen besuchte, wurde mit dem Entzug des Mitgliedsbuches gebrandmarkt.
Jede freie Minute geholfen
Für das Programm zum 150. des MGV 2003 war Reeb als zweiter Vorsitzender mitverantwortlich. 32 Jahre hatte er das Amt inne. 1992 etablierte der MGV einen Frauenchor, in dem auch Reebs verstorbene Frau Theolinde sang, 1994 den „Modern Choir“. Zwischen 1997 und 1999 half er „in jeder freien Minute“, wie er im Gespräch anfügt, mit vielen anderen, auch gemeinsam mit den Kollegen der Liedertafel, das Sängerheim zu bauen. 1999 ernannte ihn der MGV zum Ehrenmitglied.
Die Frage, wie es ihm während des Corona-Jahres ohne Singstunde erging, übergeht Reeb, erwidert als Antwort: „Vor 14 Tagen haben wir wieder mit regelmäßigen Proben angefangen.“ So lange es gesundheitlich möglich ist – Reeb kocht sich außer sonntags selbst und für seinen Enkel – will er weiter dabeibleiben: „Das Singen gehört zu meinem Leben, es ist ein wesentlicher Teil davon.“