Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Sebastianus-Fest: „Diese Messe ist etwas Herausragendes“

Die Katholische Kirche feiert die Sebastianus-Messe in der Kirche St. Maria Magdalena Roxheim.
Die Katholische Kirche feiert die Sebastianus-Messe in der Kirche St. Maria Magdalena Roxheim.

Seit etwa 1660 begehen die Roxheimer Katholiken alljährlich das St.-Sebastianus-Fest, selbst während Kriegszeiten. Im Laufe der Jahre sind einige Traditionen verschwunden und neue dazugekommen.

Zugrunde liegt ein Gelübde, das die Menschen mit dieser Feier seither einlösen; denn das Dorf blieb damals von der verheerenden Rinderpest verschont, die in der nördlichen Pfalz und dem südlichen Rheinhessen grassierte. In großer Angst um die überlebenswichtigen Haustiere wandte man sich an Sebastianus, Märtyrer der letzten römischen Christenverfolgung zwischen 303 und 311. Er gilt unter anderem als Schutzpatron für derartige Seuchen.

Für die Roxheimer Katholiken war der 20. Januar, kalendarischer Gedenktag dieses Heiligen, bis zur Aufhebung der Konfessionsschulen 1969 ein richtiger Feiertag: Die Kinder hatten schulfrei, und berufstätige Erwachsene nahmen Urlaub. Das Hochamt leitete in der Regel der Herr Dekan persönlich, unterstützt von einer Reihe weiterer Geistlicher. Die Ansprache, die bei dieser Gelegenheit ruhig etwas länger sein durfte, hielt ein zusätzlich geladener Festprediger.

„Damals endlose Schlangen an den Beichtstühlen“

Fällt der 20. Januar auf einen Werktag, findet die Feier inzwischen am folgenden Wochenende statt. Dass sie trotz leerer gewordener Kirche nach wie vor Zuspruch hat, freut die 97-jährige Ludmila Bauer, die vom heiligen Sebastianus schon im Religionsunterricht der Ordensschwestern an der Volksschule lernte. Damals, erinnert sie sich, war der Sebastianustag hier ein wichtiger Beichttag: „Um das Fest würdig begehen zu können, standen die Gläubigen in endlosen Schlangen an den Beichtstühlen. Da war die Hilfe der Gastpriester sehr willkommen.“ Andererseits findet Bauer es „so schade, dass immer weniger Eltern die Sebastianus-Tradition an ihre Kinder weitergeben.“

Einen außergewöhnlichen Bezug zu dieser Tradition hat Norbert Uhl. Der Architekt ist Urenkel des Ehrenbürgers Otto Karch (1849-1929), der als Lehrer einst das Roxheimer Sebastianuslied getextet und komponiert hat, das auch in diesem Jahr wieder zu Ehren kommen wird. Uhl: „Seit Kindesbeinen bin ich unserer Kirche verbunden, doch diese Gelübdemesse ist etwas Herausragendes und beeindruckt mich jedes Jahr aufs Neue.“ Aus der Stimme des 59-Jährigen, der in seiner Freizeit Foto-Chronist der kirchlichen Ereignisse Bobenheim-Roxheims ist, klingt bereits die Vorfreude.

Jährliches Wiedersehen der „Ehemaligen“

Zur Sebastianus-Messe gehört noch eine moderne „Zusatztradition“, die in diesem Jahr zum 45. Mal zum Tragen kommt: Der Ministrantendienst wird seit 1979 von ehemaligen Messdienern versehen, jungen Damen und Herren, die inzwischen bereits einem Studium oder Beruf nachgehen, oft schon eine Familie gegründet haben und eigens zu diesem Zweck ihren liturgischen Ruhestand unterbrechen. Auch die einstige Obermessdienerin Isabell Jauch wäre gerne wieder mit von der Partie. „Leider ist nicht sicher, ob ich in diesem Jahr kommen kann“, bedauert die 26-jährige Physik-Doktorandin, die aus ihrer Wirkungsstätte Leonberg anreisen müsste. Sie will aber alles versuchen; denn Sebastianus ist ein alljährliches Wiedersehen der „Ehemaligen“, die es sich als Ehre anrechnen, dem Hochamt mit Weihrauch und Fahnen einen erhebenden Rahmen zu verleihen.

Am Sonntag, 21. Januar, zelebriert der Bobenheim-Roxheimer Pfarrer Markus Hary um 10.30 Uhr in der Kirche St. Maria Magdalena Roxheim die feierliche Sebastianus-Messe, mitgestaltet vom 1897 gegründeten Kirchenchor St. Cäcilia. Das entspricht sogar der früheren Tradition, der zufolge der Dekan der Feier vorsteht. Denn Hary ist Leiter des Dekanats Speyer, dem auch die Bobenheim-Roxheimer Pfarrei Heiliger Petrus angehört.

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