Dannstadt-Schauernheim
Schwere Brandstiftung: Angeklagter schweigt
Ihr Mandant wolle sich nicht zu der Anklage äußern und auch keine Angaben über sich und seinen Lebenslauf machen, teilte Rechtsanwältin Katja Kosian nach Verlesen der Anklage mit. Zeugen, die dabei waren, als es in den beiden Häusern anfing zu brennen, gibt es nicht. Die Kammer versucht nun, durch Befragen von Polizeibeamten und durch Gutachten von Sachverständigen herauszufinden, wie der Brand entstanden ist und ob überhaupt die Möglichkeit besteht, dass jemand anderes das Anwesen angezündet haben könnte.
„Für mich sah das wie Vorsatz aus“, sagte ein Beamter des Kommissariats für Brandermittlungen der Kriminalpolizei Ludwigshafen, der sich das Anwesen am Tag nach dem Brand angeschaut hatte. „Warum?“, wollte Richter Florian Ammerich-Dahlem wissen. Das Feuer sei an mehreren Stellen in den beiden Häusern ausgebrochen, diese Stellen seien vollständig voneinander getrennt, das sei „sehr dubios“, lautete die Antwort. Die Kriminaltechniker hätten allerdings nichts gefunden, was das Feuer ausgelöst haben könnte. Zwar seien in der Küche des vorderen Hauses auf der Herdplatte Filtertüten gelegen, doch sei es unwahrscheinlich, dass diese Auslöser für eine Brandstelle im Wohnzimmer des vorderen Hauses gewesen waren.
Im Wohnzimmer habe es vor allem im Bereich eines Sofas gebrannt. Kosian verwies darauf, dass in der Nähe des Sofas eine Musikanlage mit mehreren Kabeln gestanden habe. Der Kripobeamte bezweifelte, dass der Brandherd darauf zurückzuführen sei. Immer wieder fragten die Juristen nach Details. Fotos von dem Anwesen, die nach dem Brand gemacht worden waren, wurden angeschaut. Etwa um herauszufinden, ob es wirklich keine Verbindung zwischen den einzelnen Brandstellen gab.
„Ich kann mich nicht mehr erinnern, das ist zu lange her“, antwortete eine Polizeibeamtin auf viele Fragen. Die Polizei war von der Feuerwehr über den Brand informiert worden. Danach war die Polizeibeamtin mit einem Kollegen an den Brandort gefahren. Die Polizistin versuchte trotz der Erinnerungslücken, Fragen zu beantworten. Der Mann habe auf sie nicht gewirkt wie jemand, dessen Haus brennt, sagte sie. „Was für Emotionen muss man zeigen, wenn das Haus brennt?“, erkundigte sich Kosian. „Nicht so gelassen“, lautete die Antwort. Der 36-Jährige habe widersprüchliche Angaben gemacht, nannte die Polizistin als einen weiteren Punkt, der ihr merkwürdig vorgekommen sei. Erst habe er gesagt, dass der Brand vielleicht durch offene Kabel ausgelöst worden sei, dann habe er den Backofen als mögliche Brandursache genannt.
Die Polizistin berichtete, sie habe über das Polizeisystem herausgefunden, dass der 36-Jährige vorbestraft ist, wegen psychischer Probleme in einer Klinik war und er als „verwirrte Person“ Ursache für Einsätze der Polizei gewesen sei.
Da mehrere Fragen offen blieben, wurden die Polizisten beauftragt, weitere Ermittlungen zu tätigen. Unter anderem soll gemessen werden, wie hoch ein Zaun im hinteren Bereich des Grundstücks ist. Das soll zur Klärung der Frage beitragen, ob jemand über den Zaun geklettert und den Brand gelegt haben könnte. Der Prozess wird am Donnerstag, 19. Januar um 9.30 Uhr fortgesetzt.