Rhein-Pfalz Kreis Schrauben für den guten Zweck

91-83533363.jpg

MUTTERSTADT. Mit Fahrrädern kennt Calvin Späh sich aus. Schon seit Jahren fährt er Mountain Bike und schraubt immer mal selbst daran herum, wenn etwas repariert werden muss. In den vergangenen Monaten jedoch hat der 17-Jährige sich vor allem damit beschäftigt, alte und kaputte Fahrräder wieder flott zu machen. Und zwar für einen guten Zweck: Sie werden Flüchtlingen zur Verfügung gestellt.

Der Schüler aus Mutterstadt ist ein Boy Scout. Dass er dem US-Pendant der Pfadfinder angehört, hat einen einfachen Grund: Calvin ist Deutsch-Amerikaner und hat von 1999 bis 2013 in Greensboro, North Carolina gewohnt. Dort wurde er Mitglied der Boy Scouts of America, die auch einen Stamm – die Troop 69 – in Kaiserslautern haben. Und wie bei den deutschen Pfadfindern ist eines der obersten Ziele der Boy Scouts, anderen zu helfen. Innerhalb der Organisation muss man sich Stufe für Stufe hocharbeiten. Calvin fehlt noch die höchste Stufe, der Eagle Scout. „Man muss die letzte Stufe abschließen, bevor man 18 ist“, sagt der 17-Jährige, der am 27. Mai volljährig wird. „Dafür muss man ein Projekt durchführen, bei dem man anderen hilft.“ Aber nicht allein. Es geht dabei auch darum, andere anzuleiten und Führungsqualitäten zu beweisen. Die Idee für das Projekt war schnell gefunden. Doch die Umsetzung hat ein wenig Zeit gebraucht. Lachend gibt er zu: „Ich bin ein bisschen langsam vorgegangen.“ Im Herbst habe er die ersten Fahrräder zum Reparieren bekommen – von der Gemeinde sowie von Freunden und Bekannten. Zuerst wollte er diese mit neuen Ersatzteilen wieder einsatzbereit machen. „Ich bin in verschiedene Fahrradläden gegangen und habe nach Teilen gefragt, aber sie hatten keine oder wollten mir keine geben“, erzählt er. Die Reaktionen seien dabei sehr unterschiedlich gewesen. In einem Laden hätten die Mitarbeiter seine Anfrage sogar recht unfreundlich abgelehnt. Der Schüler nimmt es gelassen: „Da kann man nichts machen. Manche möchten nicht helfen.“ Ein anderes Geschäft habe bereits ähnliche Projekte unterstützt. Und wieder ein anderes sei bereit gewesen, ihm Ersatzteile für den Einkaufspreis zu überlassen. „Ich habe dann mit meinem Vater überlegt, dass wir alte Fahrräder nehmen und Teile von ihnen verwenden.“ Fündig wurde Calvin bei einer Werkstatt in Ludwigshafen-Oggersheim. Deren Inhaber spendete mehrere alte Räder und Ersatzteile, so dass endlich geschraubt werden konnte. Zuerst mit Schulfreunden daheim in Mutterstadt. Und dann mit den Boy Scouts in Kaiserslautern. Insgesamt zwölf Helfer kamen dort zusammen. „Es waren mehr, als wir gedacht hätten, und die haben auch gut mitgemacht“, erzählt Vater Christoph Späh. Als Chef die Gruppe anzuleiten, war für Calvin kein Problem. Dabei haben ihm seine Erfahrungen als Tutor für eine jüngere Klasse in den USA geholfen. Drei Wochen lang wurde repariert. Und aus 15 alten Rädern wurden neun, die wieder fahrbereit sind. Bis auf eines, an dem er noch etwas nachschauen muss, hat Calvin die Fahrräder bereits der Gemeinde übergeben. Dass das Ergebnis seines Eagle Scout Projekts Flüchtlingen zugutekommt, freut den Deutsch-Amerikaner. „Ich find’s gut, dass hier in Deutschland etwas getan wird. Ich leiste nur meinen Teil davon.“ Calvin hat beide Staatsangehörigkeiten, da seine Mutter Jill Amerikanerin ist, und so kann er sich später frei entscheiden, wo er leben und arbeiten möchte. „Seit ich hier bin, identifiziere ich mich mehr mit Deutschland“, sagt er. Und fügt hinzu: „Es gefällt mir hier ein bisschen besser.“ Wenn er nicht mit den Boy Scouts zeltet oder mit dem Mountain Bike im Pfälzerwald unterwegs ist, unternimmt er in seiner Freizeit gerne etwas mit Freunden oder seinen Geschwistern Phyllis (14) und Oliver (elf Jahre). An der Integrierten Gesamtschule Mutterstadt möchte Calvin das Abitur machen. Im Sprachunterricht hat er zwar manchmal Schwierigkeiten, dafür klappt es mit Biologie, Chemie und Erdkunde umso besser. Ob er später einen Beruf in diesen Fachrichtungen erlernen möchte, weiß er noch nicht. Wenn es mit dem Eagle Scout klappt, könnte ihm das allerdings zumindest in Amerika helfen, einen Studienplatz zu bekommen. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber bis zum 18. Geburtstag sind ja auch noch knapp drei Wochen Zeit.

Mehr zum Thema
x