Rhein-Pfalz Kreis „Schon immer ein Hang zu schönen Dingen“

Der Designer Leander Riedl mit Entwürfen. Produziert wird in Deutschland, beliefert werden Kunden weltweit.
Der Designer Leander Riedl mit Entwürfen. Produziert wird in Deutschland, beliefert werden Kunden weltweit.

«Dudenhofen.» Die Materialien kommen aus Deutschland, werden in Frankfurt verarbeitet und in die ganze Welt geliefert: Der Dudenhofener Leander Riedl designt für seine Kunden exklusive Hand- und Aktentaschen sowie Geldbeutel aus Leder. Individuelle Stücke kosten auch schon mal 4000 Euro.

Leander Riedl sitzt am Esstisch in seiner Wohnung in Dudenhofen. Dort zeichnet der 27-Jährige, der an der Universität Mannheim Unternehmensjura studiert, seine Entwürfe. Er habe als Kind viel und gern gezeichnet. „Ich hatte immer einen Hang zu Design und zu schönen Dingen“, erzählt Riedl. Das Kreative sieht er als Ausgleich zu seinem Studium. Er selbst habe viele hochwertige Ledersachen besessen und wissen wollen, woher das Leder kommt, ob es Designer gibt, die ihr Leder aus Deutschland beziehen, es hier verarbeiten lassen und ein schönes Design anbieten, erzählt Riedl von den Anfängen seiner Marke. „Diese Kombination gab’s nicht“, musste er feststellen. Er suchte in Deutschland eine Gerberei und einen Feintäschner – in Neu-Ulm und Frankfurt wurde er fündig. Nachdem ihm der Feintäschner in Frankfurt einen Geldbeutel nach seinem Entwurf hergestellt hatte, wurde Riedl immer wieder von Freunden und Bekannten auf das Stück angesprochen. Und so kam es, dass er Mitte 2014 die Marke „Leander Riedl“ gründete. Ein Jahr später eröffnete sein Onlinestore mit einer Kollektion für Männer und Frauen. Das Leder bezieht Riedl aus der Alpenregion, in einer Manufaktur in Frankfurt wird es verarbeitet. Die ersten Kunden seien Banker, Unternehmer und Anwälte gewesen. Der Durchbruch kam 2016, als das Lifestyle-Magazin „Monocle“ eine kleine Geschichte über die Marke veröffentlichte. „Davor war es ein Hobby, danach fragten Kunden aus New York, Singapur, Seattle, London und Paris an“, erzählt der 27-Jährige. Besonders gefreut haben ihn die ersten Kunden aus Paris. Es sei eine tolle Bestätigung, wenn Kunden aus Paris sich für sein Produkt und gegen eine der etablierten örtlichen Luxusmarken entscheiden, sagt Riedl. Jedes zweite Produkt entwirft er auf Wunsch. Als Beispiel nennt er eine New Yorkerin, die mehrere Handtaschen, Clutches (eine Handtasche ohne Henkel) und Geldbörsen bei ihm bestellt habe. „Sie erklärte mir per Skype und Whatsapp, was ihre Vorstellungen sind und erzählte von den Problemen, die sie am Flughafen oder im Taxi mit ihrer aktuellen Handtasche hat“, erinnert sich Riedl. Der Kundin habe er einen Design-Entwurf und später einen Prototyp geschickt, den sie testen durfte. Das hat natürlich seinen Preis: „Ich mache nicht: So viel darf es kosten, sondern das ist das Beste“, sagt Riedl, der Wert auf Qualität legt. 2017 wurde er für den „German Design Award – excellent product design“ nominiert. Für ihn sei das die größte Bestätigung und ein Ritterschlag gewesen, sagt Riedl, der dies auch als Anerkennung für seine Kunden sieht. „Weil sie mir ihr Vertrauen gegeben haben, als mich noch niemand kannte“, sagt er. In seine Kollektion hat er auch Schmuckstücke aufgenommen. Die Edelsteine beziehe er aus Idar-Oberstein, wo sie geschliffen und verarbeitet werden – auch hier designt Riedl viele Stücke auf Wunsch. Außergewöhnlich sei eine Anfrage aus Dubai gewesen, erzählt Riedl: Die eine Seite eines Geldbeutels sollte Krokodilleder glänzend rot und die andere Seite glänzend blau sein. Im Inneren kam ein Familienemblem in Gold hinzu. Zwei Tage vor Weihnachten kam ein Kunde aus Pforzheim: Aus einer Rochenhaut wollte er seiner Frau eine Clutch anfertigen lassen. Es klappte. Der 27-Jährige, der aus Villingen-Schwenningen kommt, lebt mit Frau und Tochter in Dudenhofen. Für die Ortsgemeinde haben die gute Autobahnanbindung und die ländliche Umgebung gesprochen. Riedls Frau arbeitet bei SAP Walldorf, er muss zur Uni in Mannheim und oft zur Manufaktur nach Frankfurt.

x