Rhein-Pfalz Kreis Schnell in die Falle gegangen
« Böhl-Iggelheim/Speyer.» Gerade erst fünf Minuten ist die Messanlage an diesem Morgen an der L 528 Richtung Böhl-Iggelheim am Wanderparkplatz aufgebaut, da geht schon einer ins Netz. Die erste Tempo-Überschreitung in der 70er-Zone wird aufgezeichnet. Mit 93 Kilometern pro Stunde ist der Autofahrer eindeutig zu schnell. Er bleibt nicht der einzige in den nächsten 45 Minuten.
9 Uhr an der Landstraße 528. Polizeioberkommissar Werner Pohl und Polizeikommissar Stefan Paschek sind wieder im Einsatz. Täglich sind sie für Tempo-Messungen in der Vorderpfalz unterwegs. Auf Landstraßen passieren am häufigsten schlimme Unfälle, sagen sie. Die L 528 gilt aufgrund ihrer Einmündungen sowie der vielen Radfahrer und Jogger als Gefahrenstelle. „Hier wird aus diesem Grund oft die Geschwindigkeit überprüft“, sagen die Beamten. Sie gehören zum Geschwindigkeits- und Abstandsmesstrupp des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Schifferstadt. Die Messung geht schnell: Binnen weniger Sekunden kommen die Details an dem im Wagen installierten Computer an – mit Bild und genauer Geschwindigkeitsangabe. Eine solche Überprüfung ist wichtig, steht für die Experten fest. 2017 starben rund 3180 Menschen bei Verkehrsunfällen in Deutschland, das sind ungefähr neun pro Tag. Dieses Jahr waren es bis einschließlich Mai schon wieder fast 1100 Tote auf deutschen Straßen. „Viele Fahrer denken, man müsste nur an Kindergärten oder an Schulen die Höchstgeschwindigkeit einhalten“, sagt Paschek. Dem sei natürlich nicht so. Diese Gebote gelten immer und überall. Sein Kollege Pohl berichtet, dass viele Betroffene als Grund für die Geschwindigkeitsüberschreitung Hektik angeben, unter der sie gestanden hätten. „Wären sie früher losgefahren, gäbe es diesen Grund nicht“, mahnt Paschek. Bei einigen Autos komme es vor, dass man sie nicht einmal beim Fahren wahrnimmt, bis sie von der Kamera erfasst werden, so schnell seien sie unterwegs. Gelegentlich warnen Fahrer den Gegenverkehr, der das Messgerät auf diese Weise früher entdeckt, ihr Gegenüber. Die beiden Polizeibeamten wissen das. „Würden sie sich immer so solidarisch verhalten“, kommentiert Paschek lakonisch, „dann gäbe es weitaus weniger Unfälle.“ Unfälle gibt es bei diesem Einsatz an der L 528 keine. Dafür aber ein Ergebnis. Von 155 gemessenen Fahrern in der Messzeit von 45 Minuten sind 23 über dem Grenzwert. Spitzenreiter ist ein Fahrer, der mit Tempo 107 unterwegs ist – statt erlaubter 70. Zur Sache —Das Messgerät (ES 3.0): Es besitzt Sensoren, die auf Licht und Schatten reagieren und ein Signal geben, wenn ein Auto zu schnell war. Dieses Signal löst eine Kamera aus. Um bei mehreren Autos zu erkennen, welches zu schnell ist, zeigt es eine Fotolinie, wo sich das Auto im Bild befindet. Die Bilder werden in der Bußgeldstelle Speyer ausgewertet. — Bußgelder: Ab einer Überschreitung von bis zu zehn Kilometern pro Stunde (km/h) sind zehn Euro fällig, ab 21 km/h zu schnell gibt es Punkte in der Verkehrssünderkartei, ab 41 km/h über Limit gilt Fahrverbot – ebenso, wenn man zweimal im Jahr mit 25 km/h zu schnell erwischt wird.