Rhein-Pfalz Kreis Schneeball aktiv fliegt raus

Für Schneeball aktiv bietet das gemeindliche Grundstück künftig kein Zuhause mehr.
Für Schneeball aktiv bietet das gemeindliche Grundstück künftig kein Zuhause mehr.

«Dannstadt-Schauernheim.» 30 Jahre lang haben Clara Krempel und ihre Mitstreiter vom Verein Schnellball aktiv auf einem ehemaligen Bauernhof in der Deidesheimer Straße im Ortsteil Assenheim ehrenamtliche, internationale Jugendarbeit geleistet. Damit ist spätestens am 31. Dezember 2019 Schluss. Dann nämlich läuft der Überlassungsvertrag aus, dessen Kündigung der Verbandsgemeinderat am Montag beschlossen hat.

Zehn Minuten: So lange haben die Ratsmitglieder für ihre Entscheidung gebraucht, um unter drei Jahrzehnte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen den Schlussstrich zu ziehen. Bürgermeister Stefan Veth (CDU) erinnerte an die Ortsbegehung des Bauausschusses im Mai, bei der sich die Mitglieder dieses Gremiums einen Eindruck von den zwei Häusern, der Scheune und dem Garten des einstigen Bauernhofs verschafft hätten. Dabei habe die Vorsitzende Clara Krempel Gelegenheit gehabt, über den Verein und seine Arbeit zu informieren. Er bescheinigte Krempel großes Engagement, sei aber trotzdem dafür, den Vertrag zu kündigen, der sich Ende 2019 sonst automatisch um zwei Jahre verlängern würde. Als Gründe nannte Veth den schlechten Zustand der Gebäude, mit Ausnahme der Scheune, und den damit verbundenen erheblichen Renovierungsbedarf sowie die Notwendigkeiten der Ortsgemeinde Hochdorf-Assenheim. Die verfüge nach dem Abriss des maroden Alfons-Legner-Hauses über keine Räumlichkeiten für ihre Jugendarbeit mehr. Und: Die Jugendpflege der Verbandsgemeinde teile sich im Rathaus in Dannstadt einen Raum mit der Rentenberatungsstelle und den Schiedsleuten, was nicht optimal sei. Daher würden auch hierfür neue Räume gesucht. Vor diesem Hintergrund habe er sich bei den Vorberatungen mit den Vorsitzenden der Ratsfraktionen – Johannes Kupper (CDU), Uwe Schölles (SPD) und Marc Hauck (FDP) – darauf verständigt, dem Rat Folgendes zu empfehlen: Der Überlassungsvertrag mit Schneeball aktiv wird binnen Jahresfrist gekündigt und das Gremium soll im Laufe des nächstes Jahres ein Nutzungskonzept für die Immobilie erarbeiten, bei dem die Interessen der Hochdorf-Assenheimer berücksichtigt werden. Mit dieser Vorgehensweise waren die Ratsmitglieder bei einer Enthaltung einverstanden. Clara Krempel fällt es auch am Morgen danach noch schwer, diesen Beschluss zu verdauen. Zumal es für sie nicht die erste Erfahrung dieser Art ist. Nachdem der vor 35 Jahren gegründete Verein ein altes Schulhaus im Donnersbergkreis wiederhergerichtet hatte, sei er ebenfalls gegangen worden. „Am allerenttäuschendsten finde ich, dass nicht einmal die Ratsmitglieder, die mir über die Jahre immer wieder gesagt haben, wie toll unser Engagement sei und dass sie hofften, es gehe noch lange weiter, gestern Abend die Stimme erhoben haben. Niemand hat auch nur eine Frage gestellt, es gab nicht mal eine Diskussion“, versucht sie, ihre Gefühlslage im Gespräch mit der RHEINPFALZ in Worte zu kleiden. Daneben kritisiert sie die aus ihrer Sicht falsche Darstellung der Situation durch Bürgermeister Veth. Dass die Gebäude marode seien, stimme nicht. „Das waren sie, als wir sie vor 30 Jahren von der Gemeinde übernommen haben, nachdem sie zwölf Jahre leer gestanden hatten.“ Seitdem habe der Verein sie jedoch schrittweise auf Vordermann gebracht. „Wir wollten dabei alles richtig und für die Ewigkeit machen, deshalb hat es länger gedauert“, sagt sie. Mit den Provisorien hätten aber alle gut leben können. Darüber hinaus habe Schnellball aktiv das nötige Geld stets erst einmal mühsam sparen müssen. Auch den Umgang mit dem Verein findet sie unfair. Das Angebot, miteinander zu reden und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, sei nicht angenommen worden. Es gehe ihr vor allem um die Jugendlichen, betont Krempel. „Ihnen wird eine Chance genommen. Wir haben hier einen anderen Ansatz verfolgt als die kommunale Jugendpflege, haben auch Kinder betreut, die bis zu 70 Prozent beeinträchtigt waren.“ Zudem seien immaterielle Werte entstanden. „Die können wir nicht einfach in Container packen.“ Veths Entschuldigung nach dem Ratsbeschluss, dass die Dinge sich so entwickelt haben, nimmt ihm Krempel nicht ab. Überhaupt traue sie den Politikern in der Verbandsgemeinde nicht mehr über den Weg. Doch so leicht gebe der Verein nicht auf: „Wir wollen uns nicht unterkriegen lassen.“

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