Rhein-Pfalz Kreis Schnauferl auf Pfalz-Tour
Wer heute und morgen mit deutlich über 100 Jahre alten Wagen mit 15 Stundenkilometern unterwegs ist, hat bei vorhergesagten 36 Grad keinen nennenswerten Fahrtwind zu erwarten. Trotzdem sind die 27 Fahrer urtümlicher Autos gespannt auf das dritte „ASC Ein- und Zwei-Zylinder-Kriterium“ durch die Pfalz. Start und Ziel ist an beiden Tagen das Weinhaus Sonnenberg in Weisenheim am Berg. Heute fahren die Schnauferl auch durch Dirmstein.
Veranstalter der Tour ist die Landesgruppe Tradition des Allgemeinen Schnauferl-Clubs (ASC) Deutschland, die für Baden-Württemberg, die Pfalz und Saar zuständig ist. Mangels geschlossener Karosserie ist ordentlicher Sonnenschutz bei den Automobilisten gefragt, erklärt der Organisator und ASC-Zuständige für Vorkriegsfahrzeuge, Wolfgang Presinger. Sein amerikanischer Covert, Baujahr 1904, wird ebenfalls unterwegs sein, nicht jedoch mit ihm am Steuer. Er selbst fährt modern und klimatisiert inklusive Hänger mit und wird immer bereit sein, einen liegen gebliebenen Wagen notfalls huckepack zu nehmen. So, verladen auf einem Hänger, kommen auch alle Oldtimer an den Start nach Weisenheim am Berg. Am heutigen Freitag geht es von Weisenheim aus über Fußgönheim, Bockenheim und Dirmstein. Morgen führt die Tour durch Deidesheim, Duttweiler und Ellerstadt, wo gegen 15 Uhr eine Kaffeepause im Weingut Vollmer eingelegt wird. Mehrfach kommt es unterwegs zu Zwischenstopps. „Die Bezeichnung Schnauferl kommt von einem Ventil, das schnaufende Geräusche von sich gegeben hat“, erklärt Renate Baier, zuständig für die Geschäftsstelle der Mannheimer Landesgruppe Tradition. Bereits zum dritten Mal veranstaltet die Landesgruppe das „ASC Ein- und Zwei-Zylinder-Kriterium“. Das älteste Automobil – ein Benz Velo – stammt diesmal aus dem Jahr 1896. Die Automobile dürfen ganz normal auf der Straße fahren, nur für die Autobahn sind sie nicht zugelassen. „Sie fahren aber höchstens mit Tempo 30 bis 40. Wenn es bergauf geht, sind sie noch mal deutlich langsamer“, sagt Baier. Da die Schnauferl nicht in einer Kolonne fahren dürften, müsse man für eine Strecke von 20 Kilometern etwa eine Stunde einkalkulieren. „Wir müssen uns ganz normal an alle Regeln im Straßenverkehr halten – auch an Ampeln. Bis alle am Zielort sind, kann es schon etwas dauern.“ Am Freitagvormittag machen die 27 Oldtimer gegen 10.30 Uhr auch für eine Stunde Rast im Kirchgarten in Fußgönheim. Neugierige Passanten haben dort die Möglichkeit, Fragen zu stellen, kündigt Baier an. „So viele Oldtimer sieht man natürlich nicht jeden Tag auf der Straße“, weiß die Schnauferl-Dame. „In den Pausen kommen oft Leute zu uns, die Fragen zu den Oldtimern haben. Die beantworten wir immer gerne.“ Die einzige Frage, die die Fahrer nicht so gerne hörten, sei die nach den Kosten. Der heutige Wert eines solchen Gefährts lasse sich nur schwer schätzen, erläutert Renate Baier. „Das kann man schlecht sagen, aber eine sechsstellige Summe ist es sicherlich. Die meisten Oldtimer sind im Familienbesitz und werden weitervererbt.“ Kaufen könne man solche Fahrzeuge in der Regel nicht.