Rhein-Pfalz Kreis Schlichtheit sticht
Dannstadt-Schauernheim. Eine Mitra, ein Schretzel, ein Röschen – wie passt das bitte zusammen? Das Wappen von Dannstadt-Schauernheim ist ein bisschen mysteriös. Das aber immerhin aus wenig mysteriösem Grund: Es kombiniert die Symbole der beiden Ursprungsgemeinden miteinander.
Seit 1969 gibt es, zumindest auf dem Papier, kein Dannstadt und kein Schauernheim mehr, sondern nur noch Dannstadt-Schauernheim. Mit der Fusion wurde ein neues Wappen fällig, denn keiner der Orte wollte sein altes aufgeben. Dabei waren die beide noch ziemlich jung. Erst 1949 hatten der Heilige Martin, die Linde und die Rosen aus Dannstadt den Segen des Ministeriums des Inneren erhalten. Und das Schretzel – oder anders: Brötchen – von Schauernheim wurde sogar nur gewohnheitsrechtlich geführt, war also nie offiziell genehmigt worden. Das sollte die Dannstadter jedoch nicht dazu verleiten, mit den Fingern auf ihre Nachbarn zu zeigen, denn unter fachlichen Gesichtspunkten waren die ihnen ein Stück voraus. Als „heraldisch hervorragend“ bezeichnet Karl Heinz Debus, Autor von „Das große Wappenbuch der Pfalz“, das Schauernheimer Wappen: ein goldenes Schretzel auf Blau – schlicht, figurenarm und damit eine Augenweide für Heraldiker. Das Symbol, eine bekannte Brötchenform, ist dem seit 1784 belegten Gerichtssiegel des Orts entlehnt und hatte zuvor wohl bereits als Gemarkungszeichen gedient. Heraldisch nicht ganz so hervorragend war das Wappen von Dannstadt: In seiner Urform zeigte es den Heiligen Martin mit silberner Tunika, goldbesetzter Dalmatika, silbern besetzter Mitra, blauem Chormantel, einem silbernen Krummstab in der Rechten sowie einem roten Buch mit silbernen Beschlägen in der Linken – und das alles auf Gold. Für ein Wappen ist das eigentlich viel zu kompliziert. Noch dazu mögen Heraldiker lebende Figuren wie Heilige nicht. Sie bevorzugen einfache Symbole und geometrische Strukturen. Gleichwohl bekam Dannstadt seinen Heiligen Martin, den althergebrachten Schutzpatron des Orts, 1949 zugestanden. Die Figur geht nämlich auf ein Siegel zurück, das bereits 1600 existierte und ihr dadurch eine gewisse Legitimation gab. Für das offizielle Wappen wurde der Heilige Martin jedoch stark vereinfacht – nämlich ganz in Gold auf Schwarz gestellt. Er belegte auch nur eine Hälfte des Wappens, die andere zeigte eine grüne Linde und zwei roten Rosenblüten. Erstere ist laut Debus das Wahrzeichen des Orts, zweitere wurden auf ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde hinzugefügt. Sie sollen symbolisch für Adonisröschen stehen, die außerhalb der Schweiz offenbar nur im Dannstadter Naturschutzgebiet „Gräberfeld“ vorkommen. Im 1977 genehmigten gemeinsamen Wappen sind das Schretzel, die Mitra des Heiligen und eine Rose als Symbole geblieben. |yns