Rhein-Pfalz Kreis Schirmträger sucht Hutpilz
«Schifferstadt.» Schon Liedermacher Ulrich Roski besang in „Des Pudels Kern“ die Freuden des Pilzesammelns. Bei sturzbachartigen Regengüssen hat sich die Teilnehmeranzahl der Pilzexkursion der Rucksackschule des Forstamts Pfälzer Rheinauen am Freitag zwar recht schnell reduziert, doch die Dagebliebenen erhielten von Förster Volker Westermann einen sehr informativen Einblick in die heimische Pilzfauna und ihre Rolle im Ökosystem des Walds.
Die guten dürfen ins Körbchen – und die schlechten? Ja, von denen lässt man am besten die Finger. Vom Knollenblätterpilz zum Beispiel. Wer in den Wald zum Pilzesammeln geht, sollte dieses Exemplar auf jeden Fall kennen. Und meiden. Denn der Geselle ist giftig. Das war nur eine Information, die Förster Volker Westermann den Teilnehmern der Pilzexkursion mitgab. Vom Treffpunkt an der Marienkapelle zwischen Schifferstadt und Waldsee aus starteten die Teilnehmer auf eigene Faust zum Suchen, nach einiger Zeit sammelte man sich wieder beim Förster, der die Funde identifizierte und ihre Genießbarkeit und typischen Erkennungszeichen erläuterte. Trotz des überschaubaren Angebots an klassischen Speisepilzen wie Steinpilz oder Maronenröhrling auf dem Waldboden fanden sich viele interessante Pilze. Giftige, wie der Knollenblätterpilz, aber eben auch genießbare, darunter vereinzelt auch leckere wie Parasol, Pfifferling und Semmelstoppelpilz. Etwas fürs Auge machen farbenfrohe, doch leider ungenießbare Exemplare wie der Tintenfischpilz her. Dieser feuerrote Geselle hat sich von Australien und Neuseeland aus seit dem 20. Jahrhundert auch hier ausgebreitet. Eine Gefahr für das heimische Ökosystem stellt er nicht dar. Schon in seiner Jugendform als Hexenei verströmt er einen extrem unangenehmen Gestank, der auch Pilzunkundige abschreckt. Auch der Schwefelritterling ist giftig und verströmt ein durchdringendes Schwefelaroma. Andere häufige Arten wie der Speitäubling gingen den Pilzfreunden ebenfalls in den Korb, doch obwohl ungiftig, würde kaum jemand auf die Idee kommen, den unangenehm scharf schmeckenden Vertreter zu sich zu nehmen. Pilze wie der bizarr geformte Tiegelteuerling dürften nicht jedem ein Begriff sein. Ausgewachsen erinnert der Fruchtkörper an ein Vogelnest mit einem Ei in der Mitte, das die Sporen enthält. Großes Gelächter erntete ein Vertreter aus der Gattung der Rüblinge, der nicht durch besondere Unhöflichkeit auffällt, wie von einem Teilnehmer vermutet, sondern durch seinen langen, knorpeligen Stiel, der bis weit ins Erdreich hinabreicht. Doch nicht nur die Essbarkeit oder Giftigkeit der Fruchtkörper wurden von Westermann vermittelt, sondern auch ihre Funktion im Wald. Das Myzel, quasi das Wurzelgeflecht der Pilze, ist noch bei Weitem nicht völlig erforscht. Doch man weiß heute, dass Pilze chemische Botschaften zwischen Waldbäumen übertragen, also so etwas wie das Internet des Waldes sind. Bis zu 20 Kilometer Wurzelgeflecht finden sich in einem Kubikzentimeter Waldboden. Einige hoch spezialisierte Arten schaffen es sogar, die sehr langsam verrottenden Nadelbaumzapfen zu Humus umzusetzen.