Rhein-Pfalz Kreis Schienen werden geschmiert

Schienenschmiereinrichtungen und Schienenstegdämpfer werden ab dem dritten Quartal 2018 auf ihre Wirkung gegen das Kurvenquietsc
Schienenschmiereinrichtungen und Schienenstegdämpfer werden ab dem dritten Quartal 2018 auf ihre Wirkung gegen das Kurvenquietschen vorm Grünstadter Bahnhof getestet.

Zwar steht die Freigabe der Finanzierung des auf den Grünstadter und Freinsheimer Gleisen geplanten Praxistests der neuen Techniken durch das Eisenbahnbundesamt noch aus. Offensichtlich ist das Okay für die Aktion aus dem bundesweiten Innovationsprojekt „I-LENA“ aber nur ein Frage der Zeit. Anders lässt sich nicht erklären, dass ein Pressesprecher der DB Netz AG auf Anfrage der RHEINPFALZ mitgeteilt hat: „Nach Freigabe der Finanzierung durch das Eisenbahnbundesamt beginnt ab dem zweiten Quartal die Planung und Ausschreibung der Bau- und Messleistung. Damit die von den jeweiligen Herstellern kostenfrei zur Verfügung gestellten Techniken innerhalb des dritten Quartals 2018 eingebaut werden können, wird voraussichtlich ab Anfang des dritten Quartals mit den ersten Referenzmessungen ohne Lärmschutzmaßnahmen begonnen. Im Anschluss werden dann auch die akustischen Messungen stattfinden.“ Die Frage, welche neue Technologien genau getestet werden sollen, lässt der Pressesprecher offen. Allerdings wird er zumindest so konkret, dass „im Bereich Grünstadt und Freinsheim zwei Schienenschmiereinrichtungen und Schienenstegdämpfer auf ihre Wirkung gegen das Kurvenquietschen getestet werden“. Nicht nur die Grünstadter Bürgerinitiative gegen das Kurvenkreischen der neuen Lint-Züge wird es gerne hören, dass sich in Sachen Lärmschutz etwas tut. Auch Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) zeigte sich zufrieden, dass die Bahn nach den Protesten demnächst diesen Praxistest in Sachen Lärmschutz machen will. Allerdings habe er die Umsetzung des „I-LENA-Projekts“ nach Gesprächen mit den Verantwortlichen bereits im ersten Quartal des Jahres 2018 erwartet, sagt Wagner. Die Abkürzung I-LENA steht für „Initiative Lärmschutz-Erprobung neu und anwendungsorientiert“. Damit wird seit April 2016 Herstellern von Lärmschutztechnologien ermöglicht, ihre neuesten Entwicklungen auf Teststrecken der DB auszuprobieren. Die Kosten für Erprobungszulassung, Auf- und Abbau der neuen Technologien, für Messungen und gutachterliche Bewertungen trägt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Auswahlkriterien sind neben eines anwendungsreifen Prototyps insbesondere Lärmminderungspotenzial, Wirtschaftlichkeit und gute Bedingungen für akustische Messungen. Das ist laut Bahnsprecher in Grünstadt und Freinsheim durch die freie Schallausbreitung gegeben. „Dass die Deutsche Bahn an beiden Standorten eine Versuchsanlage zur Eindämmung des Lärms aufbauen will, ist eine Gemeinschaftsleistung der Anwohner und der kommunalen Verantwortlichen“, wertet CDU-Bundestagsabgeordneter Johannes Steiniger das „I-LENA-Projekt“ als Erfolg für die Anwohner in Grünstadt und Freinsheim. Auch Steinigers Anfrage zu der Erprobungsphase hat die Bahn positiv beantwortet. „Für das Ergebnis sehr hilfreich“ sei insbesondere die von ihm initiierte Hinzuziehung des Lärmexperten Professor Markus Hecht von der TU Berlin gewesen. In dessen, vor einem halben Jahr durchgeführten Untersuchung war herausgearbeitet worden, dass die hohen Lasten auf den starren Achsen der neuen Lint-Züge fürs Kreischen und Quietschen verantwortlich sind. Dadurch schleift Metall über Metall, und die Räder des vor zwei Jahren auf den Strecken unserer Region eingeführten Zuges geraten in hochfrequente Schwingungen. Das Kurvenkreischen resultiert demnach aus der Unfähigkeit der Lint-Züge, enge Gleisbögen, wie die in Grünstadt, bei Trockenheit so zu durchfahren, dass nicht Metall auf Metall reibt. Die Räder auf der gemeinsamen Achse legen auf der Innen- und Außenseite des Kurvenbogens unterschiedliche Wege zurück. Die neuen Lint-Modelle der Firma Alstom sind dadurch zwar lauter als die Vorgänger, die Fahrzeuge erfüllen allerdings die EU-weit geltenden Grenzwerte. Trotzdem hatten sich Vertreter der Bahn nach den Protesten der vom Quietschen betroffenen Bürger zusammengesetzt, um nach Lärmschutzlösungen zu suchen. Die in der Hecht-Expertise geschilderten wirksamsten Gegenmaßnahmen wären auch die mit Abstand teuersten gewesen und waren schnell tabu: etwa der Austausch der neuen Lint-Züge oder die Ausweitung der Gleisbögen, weil der Radius in Grünstadt schon enorm vergrößert werden müsste. Zudem hatten Tests auf den Grünstadter Gleisbögen bewiesen, dass es auch nichts bringt, wenn die Züge langsamer fahren. Das Schmieren der Schienen und Dämpfen der Räder dagegen könnte laut Hecht das Quietschen zumindest lindern. Angesichts der Kosten der bislang eingesetzten Technik von 240.000 Euro pro Gleis hatten die Bahn-Vertreter jedoch abgewunken. Das Innovationsprojekt dagegen kostet die Bahn erst einmal nichts, sie baut lediglich die neue Technologie ein. Die Kosten für Messungen, Genehmigungsverfahren und den Rückbau trägt das Verkehrsministerium; den Prototyp stellt die Herstellerfirma zur Erprobung im Realbetrieb zur Verfügung. Wie’s nach dem Test der neuartigen Schienenschmiereinrichtungen und Schienenstegdämpfer weitergeht, steht in den Sternen. Das hängt natürlich von der dann in der Praxis gemessenen Wirkung aufs Kurvenquietschen ab. Und von den Kosten. „Sollten die neuen Anlagen den gewünschten Effekt der Reduktion des Kurvenkreischens und -quietschens haben, muss alles dafür getan werden, dass nach dem Versuchszeitraum eine feste Anlage eingebaut wird“, sagt Steiniger.

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