Rhein-Pfalz Kreis Scheune fürs Wohnen umbauen

Wenn mehr Wohnraum im Ortskern entsteht, dann wächst der Verkehr. Durch die Umgehung sei das Gebiet aber bereits entlastet worde
Wenn mehr Wohnraum im Ortskern entsteht, dann wächst der Verkehr. Durch die Umgehung sei das Gebiet aber bereits entlastet worden, meint das Bauamt. Unser Bild zeigt das Türmchen 2012.

Sowohl im Eulerweg als auch in der Hinterstraße überlegen Grundstücksbesitzer, ihre Scheunen umzubauen, damit man darin wohnen kann. Der Rhein-Pfalz-Kreis hat angekündigt, dass er keine Baugenehmigung gibt. Doch der Bauausschuss der Ortsgemeinde will den Weg dafür freimachen und den Bebauungsplan ändern.

In der Hinterstraße 97 möchte ein Bauherr die Scheune zum Wohnen für sich und seine Kinder umbauen und ist mit einer Bauvoranfrage an die Gemeinde herangetreten. Wenn sich die Umnutzung in das Umfeld einfügt, kann nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs eine Ausnahme gemacht werden. Da dies die einzige Scheune in der Nachbarschaft sei, die zum Wohnen dienen soll, füge sich der Umbau eigentlich nicht ein, erklärt das Bauamt der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim in der Sitzungsvorlage. Es könne aber eine Ausnahme gemacht werden, weil die Nutzungsänderung „städtebaulich vertretbar“ sei. „Lambsheim soll sich in diese Richtung entwickeln können“, plädierte Bärbel Röder (SPD) im Ausschuss. „Lambsheim ist kein Bauerndorf mehr. Wenn die Scheunen nicht erhalten werden, dann brechen sie irgendwann zusammen.“ Für Offenheit sprach sich auch die Bauamtsleiterin Sabine Josy aus, die bereits mit den Vertretern des Rhein-Pfalz-Kreises über die Bauvoranfrage diskutiert hat. Denn der Kreis wollte laut Bauamt keine Ausnahme zulassen. Er handhabe das rigoros, weil er befürchte, dass dadurch zu viele Autos dort unterwegs seien und dort parkten. Durch die Umgehungsstraße sei der Ortskern bereits entlastet worden, argumentiert hingegen Josy. Dadurch könne das Straßennetz diesen Verkehr aufnehmen. Außerdem müsse man unbedingt darauf achten, dass auf den Grundstücken ausreichend Stellplätze vorhanden seien. „Die müssen dann aber auch genutzt werden“, meinte Ortsbürgermeister Herbert Knoll. „Es nützt nichts, wenn in den Garagen die Hobelbank steht und die Leute auf der Straße parken. Niemand fährt mehr in den Hof.“ Grundsätzlich begrüßten die Lokalpolitiker aber die innerörtliche Entwicklung. Einstimmig gab der Ausschuss sein gemeindliches Einvernehmen für eine Nutzungsänderung. Dass zwingend zwei Parkplätze eingerichtet werden, will der Ausschuss auch bei dem zweiten – schon etwas konkreteren – Bauvorhaben im Eulerweg 14 vorschreiben. Die Bauherren argumentierten, die Bausubstanz der Scheune sei so gut, dass sie dort kostengünstiger Wohnraum herstellen können, als wenn sie das Gebäude abreißen und ein Haus errichten würden. Allerdings liege die Scheune in einer Zone, in der laut Bebauungsplan nur Nebengebäude errichtet werden dürfen, erklärte Bauamtsleiterin Josy. Und auch hier hat der Kreis bereits eine Absage für eine Ausnahme signalisiert. Allerdings kann die Gemeinde den Plan ändern, und der Ausschuss hat einstimmig bei einer Enthaltung der FDP beschlossen, den Prozess anzustoßen. Zuvor sollen die Nachbarn angeschrieben werden, ob sie etwas Ähnliches vorhaben. Dann könnten die Kosten für die Planänderung verteilt werden.

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