Rhein-Pfalz Kreis Scharf, süß und verführerisch
«Dannstadt-Schauernheim.» So viele Fahrräder wie am Samstag haben noch nie vor dem Bauernmarkt in Schauernheim gestanden. Lag es etwa daran, dass anlässlich der 1250-Jahr-Feier des Orts Ober-, Unter- und Hintergasse diesmal zu einer Festmeile mit mehr als 90 Ausstellern umgewandelt waren?
Eduard Strzelski hat sein Wort gehalten: „Ich komme wieder“, versprach der Schwarzwälder vergangenes Jahr, als er mit seinem Sortiment an Reb-, Garten- und Blumenscheren sowie original Schweizer Schleifgeräten erstmals am Schauernheimer Bauernmarkt teilnahm. Und auch dieses Jahr freute sich der Badener über guten Kundenzuspruch. „Ich bin zufrieden“, bilanzierte auch Peter Schmid. Der Mutterstadter ist in der Region bekannt dafür, getopfte Chilis in allen Schärfegraden anzubieten. Stark gefragt waren bei ihm mehrfarbige Pflanzen mit vollem Behang. An seinem Stand fand sich Gerd Hammel ein. Der Dannstadter Chilifreund hatte zum allerersten Mal den Weg „iwwer die Brick“ auf den Markt gefunden, wie er offenherzig bekannte. Seit 15 Jahren reist dagegen der Ziegenhof Theiß aus dem westpfälzischen Albessen an. Aus der Milch seiner 70 Ziegen stellt der Familienbetrieb mit eigener Käserei 17 verschiedene Käsesorten her. Premiere in Schauernheim hatte die schnell ausverkaufte Amarenakirschrolle aus Frischkäse, Amarenakirschen und schwarzen Walnüssen. Schwarze Walnüsse in Kräuter- und Gewürzsirup als Beilage zu Wild- und Fleischgerichten bot Gesine Schloßberger. Doch bei den Kunden der Württembergerin waren eher Apfel-Chili-Chutney und Apfel-Champagner-Gsälz mit Vanille, ein süßer Brotaufstrich, angesagt. Schloßberger war das erste Mal auf dem Markt dabei, wird aber wohl nicht wiederkommen, hielt sich doch die Kauflust in Grenzen, wie sie fand. Einigermaßen zufrieden war dagegen Petra Wadlinger. Die Maxdorferin bot eine große Palette an Hanfprodukten feil. Vegane Aufstriche auf Hanfbasis wie „Räuberschmaus“ mit Gurken, Kapern und Tomaten und eine griechische Hirtenbrotzeit mit Salbei, Karotten und weißen Bohnen fanden etliche Abnehmer. „In Schauernheim ist es immer heiß wie die Hölle!“, sagt Andreas Marschall und lacht. Seit sechs Jahren ist er als Aussteller hier. Schon am frühen Nachmittag waren Reh-, Esel- und Wildschweinsalami des Moselaners aus dem lothringischen Romelfing ausverkauft. Neben 15 Salamisorten hatte er auch Serrano-, Andalusischen und Ibérico-Schinken von schwarzen, freilaufenden Eichelmastschweinen im Angebot. „Felsenbirne, Löwenzahnblüten und Pfälzer Feigen mit Rotwein: ausverkauft!“, vermeldete erfreut Alena Horejs. Aufgrund der warmen Frühjahrswitterung konnte die Frau aus Birkenheide sogar schon Brombeeren als fruchtigen Aufstrich anbieten. Handliche Mini-Käselaibe in 20 Geschmacksrichtungen, darunter Brennnessel und Bockshornklee, offerierte Marieluise Böhm-Spiegel aus Zweibrücken. Unter einer anthrazitgrauen Wachsschicht verbarg sich etwas geheimnisvoll ein vorzüglich mundender Trüffelkäse. Der Käse stammt Böhm-Spiegel zufolge vom niederländischen Familienzweig, der 60 Kühe artgerecht hält. An der Schauernheimer Veranstaltung nahmen dieses Mal auch Dannstadter Vereine teil. „Wir haben es locker und leicht über die Brücke geschafft“, sagt Gunter Berg und lacht. Sein Schützenverein SV 1957 Dannstadt machte mit einem Verpflegungsstand mit. Kartoffelspiralen, Lachs- und Heringsbrötchen kamen gut an. „Wir möchten nächstes Jahr wieder teilnehmen“, erklärte der Vorsitzende. „Wir sind sehr zufrieden.“ Dem positiven Resümee schloss sich Organisator Eugen Kuss an, der „so viele Besucher wie noch nie“ feststellen konnte.