Rhein-Pfalz Kreis Schätze unter dem Hammer

Alte Spielsachen oder Militaria-Artikel – der eine sammelt um des Sammelns Willen, dem nächsten geht es um die Wertsteigerung, für den Dritten sind es Handelsobjekte. Bei den Versteigerungen des Wormser Auktionshauses Lösch werden sie alle fündig. In diesem Jahr besteht das Haus 30 Jahre. Genauso lang gibt es auch die Spielzeugauktion. Zum Jubiläum soll eine hochwertige Märklin-Spur-0-Eisenbahn unter den Hammer kommen.
Beim Betreten des Auktionshauses im Wormser Vorort Pfeddersheim fällt die Dekoration auf, eine Augenweide alter Sammlerstücke wo man hinguckt. Läuft eine Auktion, ist es mucksmäuschenstill im Saal. Stück um Stück werden die Lose oder Objekte aufgerufen, nochmals im Bild gezeigt. Das Tempo ist flott. Höchste Konzentration ist von Auktionator wie Ersteigerer gefordert. Stefan Finck hat kurz mit seinem Nachbarn geredet, schon hat er das Stück, auf das er gewartet hatte, verpasst. Bereits am Donnerstag ist er mit seinem Freund aus Lüneburg angereist. Eisenbahnen und Modellautos interessieren ihn – am Ende dieses Samstags verlässt er mit 17 ersteigerten Sammelobjekten für rund 1400 Euro Worms. Er handelt damit, obwohl er eigentlich gar nicht arbeiten müsse, erzählt er freimütig. Von anderen Ersteigerern weiß er, „die meisten Stücke landen im Internet“. Ein Vater-Tochter-Gespann aus Nürnberg betreibt ein Spielwarengeschäft, das schon „ein kleines Museum ist“, erzählen sie. Drei reparaturbedürftige Ritterburgen nehmen die beiden mit. Ein älterer Herr – auch er will seinen Namen nicht nennen – ist erstmals aus Würzburg angereist. Bayerische Orden hat er im Visier. „Sie spiegeln ein Stück Militärgeschichte“, erklärt er. Interessant für ihn sei der Zeitraum 1806 bis 1918, was seinem Forschungs- und Wissensgebiet entspreche. 4000 Euro sei er bereit, auszugeben. „Man muss aus der Situation heraus entscheiden und darf nicht zögern“, sagt er. Seine Sammelleidenschaft sieht er als „Sucht, die aber eher heilbar ist als Drogensucht“. Es bieten aber nicht nur Ältere oder nur Männer. Geschäftsführerin Soraya Enser sagt: „Oft geht die Sammelleidenschaft vom Vater auf Sohn oder Tochter über.“ Wer mitbieten will, kann dies schriftlich mit maximalem Gebot für einen Katalogartikel oder direkt im Saal mit Bieterkarte tun, die er sich gegen Kaution leihen muss. Die Karte wird einfach hochgehalten. Das Gebot bestätigt der Auktionator, die Steigerung erfolgt in Zehn-Prozent-Schritten. Telefonbieter müssen schriftlich ihren Bieterwunsch für das betreffende Stück anmelden. Sie werden dann vom Auktionshaus bei Aufruf angerufen. „Das Interesse, liebgewordene Dinge versteigern zu lassen, ist sehr groß“, sagt Geschäftsführerin Soraya Enser. Jedes neu dem Auktionshaus angebotene Stück werde von Fachleuten begutachtet, der Schätz- und gleichzeitig Startpreis für die Auktion festgelegt, für den gebührenpflichtigen Katalog beschrieben und im eigenen Fotostudio fotografiert. Danach kommt es in eines der vielen Regale oder in eine Vitrine. Herausgenommen wird es am Auktionstag, um dem Ersteigerer gegen Barzahlung überreicht zu werden, und bei Vorbesichtigungen. Dazu besteht drei Wochen vor dem Versteigerungstermin Gelegenheit. „Das beugt späteren Reklamationen vor“, so Enser. Obwohl ausgeschlossen, seien diese bei versteckten Mängeln innerhalb von 14 Tagen möglich. Nicht immer ist der Auktionsalltag gleich. Chefin Enser erinnert sich an eine Militaria-Auktion, bei der eine russische Ordensammlung viel russische Sammler anlockte. Bei den Bietergefechten hätten diese jedoch nicht die Bieterkarten genutzt, sondern dem Auktionator gleich ihr Gebot abseits der Zehn-Prozent-Schritte zugerufen. „Das war schon sehr unterhaltsam.“ (cei) Info —111. Spielzeug-Auktion, Freitag, 4., 9 bis 18 Uhr, und Samstag, 5. Dezember, ab 9 Uhr, 44. Militaria-Auktion, Samstag, ab etwa 14 Uhr, Auktionshaus Lösch, Weinbrennerstraße 20, Worms-Pfeddersheim. — Infos im Internet unter www.auktionshaus-loesch.de sowie www.lot-tissimo.com und www.the-saleroom.com.