Rhein-Pfalz Kreis Sanierung, Wahl und Polder

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Altrip. Für die Gemeinde Altrip ist es ein Jahr der Veränderung gewesen. Nach 1645 Jahren der Eigenständigkeit gehört der Ort nun zur Verbandsgemeinde Waldsee. Die Eingewöhnungsphase läuft noch. Dabei stehen auch 2015 wieder zahlreiche Projekte auf der Aufgabenliste der Verwaltung.

Amtsblatt – Verbandsgemeinde Waldsee – Ortsgemeinde Altrip. An den Kopf der ersten Seite des Altriper Amtsblatts muss man sich erst mal gewöhnen. Und wer im Altriper Rathaus anruft, bekommt zuerst mal den Terminus „Verbandsgemeinde Waldsee“ zu hören. Es hat sich 2014 einiges geändert für Altrip. Nach der Verwaltungsreform ist der Ort nun Teil der Verbandsgemeinde Waldsee – gemeinsam mit Waldsee, Otterstadt und Neuhofen. Ortsbürgermeister Jürgen Jacob, der bei der Wahl zum Verbandsbürgermeister dem Waldseer Otto Reiland (CDU) in der Stichwahl den Vortritt lassen musste, ist auch heute noch nicht von der Fusion überzeugt. „Wir haben die Gesetzesvorlage befolgt“, sagt er nüchtern. Die Arbeit gehe weiter, die Probleme werden nicht anders. Bei den Altripern sei das Echo zur Fusion noch geteilt. Einigen sei es egal. Diejenigen, die im Ort verwurzelt seien, täten sich noch schwer. „Ob die Fusion eine Verbesserung bringt, wird die Zukunft zeigen“, sagt Jacob. Ob im Personalbereich die erhofften Einsparungen gemacht werden? Der Ortsbürgermeister hat da Zweifel. Ganz oben steht 2015 weiterhin der Kampf gegen den geplanten Rheinpolder. Nach dem Erfolg vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg hat die Gemeinde über ihren Rechtsanwalt Beschwerde beim Compliance Comittee der UN Economic Commission for Europe in Genf eingereicht. Der Streitpunkt ist noch der gleiche: Die Beschwerde bezieht sich auf die deutschen Präklusionsvorschriften – die Rügerechte von Gemeinden und Bürgern in umweltrelevanten Planungsverfahren sowie Rechtsschutzhemmnisse für Bürger und Gemeinden im Verwaltungsprozess. Doch nicht nur die Bemühungen, den Polder zu verhindern, haben die Verwaltung 2014 beschäftigt. Der Kanalschaden in der Maxstraße, Folgen des Hochwassers, sei behoben worden. 920.000 Euro hat das die Gemeinde laut Jacob gekostet. Auch in der Schlossgasse sei die Kanalisation saniert worden. „Hier ist die Schlussrechnung noch offen.“ Derzeit wird der Ludwigsplatz saniert. „Der kann allerdings erst fertiggestellt werden, wenn’s wieder wärmer ist.“ Die Sanierung des Wertstoffhofs ist erledigt. „Die Altriper Seenplatte ist Geschichte“, berichtet Jacob und lächelt. Die Bürger könnten jetzt wieder trockenen Fußes ihren Grünschnitt abliefern. Der Flächennutzungsplan wurde beschlossen und mit ihm der Bebauungsplan für das Neubaugebiet Junkergewanne. Letzterer ist jetzt rechtskräftig. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Gemeinde Erschließung und Vermarktung der Bauplätze vorantreiben kann. 32 Grundstücke gibt es in der Junkergewanne zu verkaufen. „Und das wird auch für lange Zeit das letzte Neubaugebiet bleiben, das wir ausweisen“, sagt Jacob. Die Gemeinde sei groß genug. Knapp 8000 Einwohner hat sie jetzt. Für den symbolischen Preis von einem Euro hat die Gemeinde 2014 die katholische Kita Regino übernommen. Genauer gesagt, ist die Verwaltung jetzt für Gebäude und Gelände zuständig. „Das Personal bleibt bei der Kirche“, erläutert Jürgen Jacob. Die Katze im Sack habe man da aber nicht gekauft. „Das Gebäude ist gut in Schuss.“ Vom Regino-Zentrum kann man das dagegen nicht mehr uneingeschränkt behaupten. „Der Zahn der Zeit hat daran genagt“, sagt der Bürgermeister. Fenster und Dach seien vor allem zu machen. Die Sanierung des 1976 eingeweihten Zentrums schlägt mit 1,2 Millionen Euro zu Buche. Die Hälfte davon sei allerdings durch Landeszuschüsse gedeckt. Auch der Neuhofener Altrhein ist alles andere als in einem Topzustand. „Der See ist immer noch gesperrt. Und so schnell wird die Sperrung auch nicht aufgehoben“, sagt der Bürgermeister. Die Blaualgenbelastung des Gewässers ist zu hoch. „Das wird uns massiv beschäftigen“, befürchtet Jacob und spricht von einer ökologischen Katastrophe. „Die Verfehlungen der Vergangenheit kommen jetzt zum Vorschein.“ Auch beim Altrheinarm Prinz Karl Wörth geht es um Wasser. Ein Durchstich vom Rhein soll das Gewässer mit Frischwasser aus dem Strom versorgen und für Tier- und Pflanzenwelt wieder attraktiver machen. „Die Bauarbeiten sollen im Februar starten und dauern wohl sechs Monate“, sagt Jacob. Vorantreiben will die Verwaltung auch die nächste Wärmeinsel. Nach Rathaus, Maxschule und Bürgerhaus soll nun der Bereich um die Grundschule profitieren. Das könnten auch das katholische Gemeindezentrum und das Altenheim in der Nachbarschaft. „Dafür brauchen wir allerdings verbindliche Zusagen“, betont Jacob. Mit der Umsetzung soll 2016 begonnen werden. Ob Jürgen Jacob dann noch für alles in der Verantwortung steht? Am 8. März 2015 steht die Wahl des Ortsbürgermeisters in Altrip an. Dieser wird dann seinen Job ehrenamtlich ausführen. „Und hat 70 Personen unter sich, die bei der Gemeinde arbeiten“, sagt Jacob. Und: In zwei Stunden täglich nach Feierabend sei diese Aufgabe nicht zu meistern. Ob er noch mal antritt? Jürgen Jacob lächelt vielsagend...

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