Dudenhofen
Sanierung der Ganerbhalle wird teurer
Bislang ist der Rückbau des Bauwerks aus den 1970er-Jahren gut vorangegangen: In der Sporthalle selbst sind die Decke und auch der Boden bis auf den Estrich demontiert, wovon sich die Mitglieder des Kreis-Bauausschusses bei einem Vor-Ort-Termin überzeugen konnten. Der Sanitärtrakt ist in den Rohbauzustand versetzt worden. Und dabei ist Überraschung Nummer eins im wörtlichen Sinn ans Tageslicht gekommen: Weil der alte Boden unter den Duschen an einigen Stellen undicht war, ist Wasser ins Erdreich gelangt. Dieses hat Wurzeln der Bäume, die vor der Halle stehen, quasi „magnetisch angezogen“, wie Architekt Christopher Diehl und Steffen Brandl vom Ingenieurbüro „Kohl und Frech“ erläuterten und anhand der aus dem Boden geholten Wurzeln auch demonstrierten. Diese sind teilweise sogar in die Abwasserleitungen hineingewachsen, sodass ein Teil der Stränge entgegen den ursprünglichen Planungen komplett erneuert werden muss. Landrat Clemens Körner (CDU) rechnet inklusive Nebenkosten mit Mehrkosten in Höhe von rund 50.000 Euro. Außerdem dürften sich die Arbeiten, die ansonsten laut den Verantwortlichen im Zeitplan liegen, um wenige Wochen verzögern.
Alte Technik
Überraschung Nummer zwei versteckt sich in einem Nebenraum und betrifft den Steuerungsschrank für die fünf Lüftungsanlagen der Ganerbhalle. Dieser sollte eigentlich nach der Sanierung weiterverwendet werden. Doch nachdem er zwischenzeitlich abgeschaltet war und dann zum Beheizen der Halle wieder in Betrieb genommen werden sollte, stellte sich laut Brandl heraus, dass zwei von drei zentralen technischen Komponenten defekt waren. Ersatzteile für das Gerät, dessen älteste Bestandteile noch aus der Erbauungszeit der Halle stammen, gibt es nicht mehr. Die Empfehlung der Planer ist daher, neue Technik inklusive neuer Kabel anzuschaffen. Gegenüber der ursprünglichen Kostenkalkulation würde das voraussichtlich 70.000 bis 75.000 Euro Mehrkosten bedeuten.
Die letzte Überraschung steckt in den ausziehbaren Tribünen. Die haben einen PVC-Belag, der auf eine Holzkonstruktion geklebt ist. Nun hat sich gezeigt, dass die Konstruktion beim geplanten Austausch des Belags in Mitleidenschaft gezogen wird. Weiteres Problem: Der Klebstoff ist schadstoffbelastet, er enthält Asbest. Solange der Asbest gebunden ist, sei das kein Problem, wurde dem Ausschuss erläutert. Beim Entfernen des PVC-Belags werde er aber freigesetzt. Was also tun? Der Einbau einer komplett neuen Tribüne schied rasch aus. Er würde fast 400.000 Euro kosten. Auch Demontage und Neuaufbau der gesamten Holzkonstruktion hätten nach der Experten-Schätzung mit mehr als 200.000 Euro einen stolzen Preis. Hinzu kommt: Eine Förderung gibt es nur für die Schadstoffsanierung. Denn der Zuschuss hängt an der Nutzung als Schulsporthalle, die Tribüne wird aber hauptsächlich für den Vereinssport gebraucht.
Kosten teilen
Der ebenfalls anwesende Manfred Scharfenberger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, wollte daher wissen, was es kosten würde, die Schadstoffe zwar zu entfernen, aber die Tribüne ansonsten weitgehend im jetzigen Zustand zu lassen. Das würde laut Diehl darauf hinauslaufen, den PVC-Belag fachgerecht herauszunehmen und neuen zu verlegen, was wohl mit rund 50.000 Euro zu Buche schlagen würde, die teilweise vom Land übernommen würden. Den Rest, schlug der Landrat vor, könnten sich Kreis und Verbandsgemeinde teilen.
Alle nötigen Mehrkosten verursachenden Maßnahmen wurden vom Bauausschuss abgesegnet. Noch offen ist, ob das Dach eine Fotovoltaikanlage erhält. Das könnte laut Körner an statischen Problemen scheitern.
