Rhein-Pfalz Kreis Rund um die Uhr flüssig

Eine eigene Bank nur für Weinflaschen? Alltäglich ist es nicht, was Christian König derzeit in der Wachenheimer Langgasse 1 auf die Beine stellt. Der 65-Jährige ist seit Kurzem Geschäftsführer der Weinbusiness GmbH Wachenheim und war bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden im erweiterten Vorstand der Sparkasse Rhein-Haardt tätig. Bei der zukünftig von ihm geleiteten Winebank Pfalz handelt es sich bundesweit um einen der ersten Standorte eines Franchise-Konzepts, das es dem jeweiligen Winebank-Kunden ermöglicht, seinen privaten Wein unter perfekten Bedingungen zu lagern und mit Gästen vor Ort zu probieren. Das jedoch muss man sich leisten können. Das kleinste von 320 Fächern in insgesamt 252 Tresoren im 350 Quadratmeter großen Gewölbekeller kostet 39 Euro pro Monat. „Günstiger als ein Monat im Fitness-Studio“, sagt König augenzwinkernd. 40.974 Flaschen können im Keller des in Wachenheim als Haus Rettinger bekannten Gebäudes untergebracht werden. Zu neuem Glanz verholfen hat diesem denkmalgeschützten Wohnsitz eines früheren Bürgermeisters ein einstiger Bank-Kollege Königs. Thomas Distler ist Vorstandsmitglied der Sparkasse Rhein-Haardt und mit seiner Frau Inhaber der Weinbusiness GmbH. König war bis Anfang 2013 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Dürkheimer Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten. Die Affinität zum Wein und die berufliche Verbundenheit mit Distler ließ die beiden hellhörig werden, als die Zeitschrift „Kapital“ im Jahr 2011 über die Winebank berichtete. Der Unternehmer Christian Ress, Geschäftsführer des im Rheingau gelegenen VDP-Weinguts Balthasar Ress, hat die erste Winebank in Eltville eröffnet und daraufhin mit drei Partnern ein Franchise-Unternehmen gegründet. Neben dem Standort im Rheingau existiert heute eine weitere Winebank in Hamburg. Tendenz steigend: In Mainz, Basel und Frankfurt realisieren Unternehmer gerade ebenfalls Winebanks. Europäische Metropolen wie München, London, Paris und Zürich seien ein langfristiges Ziel. „Manche haben eben zu Hause keinen Keller, in dem sie ihren Wein aufheben können. Wir sprechen ein kaufkräftiges Publikum an und rentabilisieren relativ günstige Kellerflächen“, so Ress. Die Winebank verspricht eine konstante Temperatur je nach Bedarf zwischen 10 und 16 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von rund 65 Prozent. Der Franchise-Vertrag mit der Weinbusiness GmbH Wachenheim bringt ihm und seinen Partnern einmalig 29.000 Euro ein und eine jährliche Gebühr, unter anderem für die Unterstützung bei Planung und Bau, ein Start-Up-Management, Rückgriff auf Verwaltungssysteme, digitale Vermarktung und Kommunikation sowie Unterstützung beim Betrieb. Bei voller Belegung aller Fächer erwartet die Weinbusiness GmbH Wachenheim für die Winebank Pfalz einen Umsatz von bis zu 390.000 Euro pro Jahr. Ab März sollen sich Privatleute wie Unternehmer zwischen teuren Möbeln, besonderer Beleuchtung und dezenter Musik bei einem guten Tropfen wohlfühlen. Regelmäßig sind auch exklusive Veranstaltungen geplant. Die Winebank Pfalz hat schon zwölf Kooperationspartner unter bekannten Winzern gefunden. In dieser vinophilen Community mit Gästen wie Günther Jauch oder Markus Schneider soll ein Netzwerk-Gedanke entstehen – „eine Win-Win-Situation“, wie König sagt. Zutritt zur Winebank ist mit Mitgliedskarte (die für alle Winebanks gilt) rund um die Uhr möglich. Vor Ort warten saubere Gläser und Mineralwasser. Neben der Verkostung eigener Weine können auch einzelne Flaschen erworben werden. „Wir werden hier Top-Weine einlagern“, sagt König.