Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Sommertour: Saugrohr frisst sich in neuem Kieswerk in die Tiefe

Die Sommertour-Teilnehmer auf dem Sandturm des neuen Kieswerks.
Die Sommertour-Teilnehmer auf dem Sandturm des neuen Kieswerks.

Sand und Kies sind unersetzbare Rohstoffe für unsere Bauindustrie. Erst kürzlich nahm das Kieswerk in der Gemarkung Bonnau östlich der B9 in Höhe von Bobenheim-Roxheim den Betrieb auf. 18 Leser der RHEINPFALZ blickten bei einer Sommertour schon vor der offiziellen Eröffnung hinter die Kulissen. Sie machten einen „Sensationsfund“.

Gold war es nicht, was da vor den Augen der RHEINPFALZ-Leser aus dem Einstiegsloch des neuen Kieswerks gesaugt wurde. Auch wenn die Frage danach von den Teilnehmern mehrfach gestellt wurde. Die Ausbeute wäre zu gering, meinte der Technische Leiter, Gunter Schmidt. Eine Röhre, aus der normalerweise das sogenannte Überkorn herauspurzelt, Kiesbrocken, die vor Ort nicht zu verwerten sind, spukte vor den Gästen zuerst zwei Knochen und dann ein längliches Teil aus. Rainer Hagenauer pickte es vom Berg und Christoph Bernd, ökologischer Begleiter und Diversitätsmanager im Auftrag von Omlor, der den Rundgang begleitete, wusste sofort: Da ist etwas Besonderes ans Tageslicht befördert worden. „Ein Flusspferdzahn aus der Eiszeit“, so sein spontaner Tipp. Sofort dokumentierte er das Fundstück und sicherte es. Es wird laut Bernd zum Pfalzmuseum nach Bad Dürkheim zur näheren Begutachtung geschickt.

2500 Tonnen täglich

Dabei gab es auch so einiges zum Staunen für die Sommertour-Teilnehmer. Angelockt wurden nicht wenige, weil sie beim Radfahren, Spazierengehen, Vorbeifahren gesehen hatten, dass sich östlich der Bundesstraße etwas bewegt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Aktuell werden rund 2500 Tonnen Sand und Kies täglich gefördert, gewaschen, gesiebt und computergesteuert im Sandturm auf verschiedene Berge mit unterschiedlicher Körnung geleitet. Von null bis zwei Millimeter sprechen die Fachleute von Sand, alles darüber ist Kies. Wolfgang Blim, der mit seiner Frau Hannelore gekommen ist, hatte sich schon vor einiger Zeit vorgenommen, das Werk zu besichtigen, wenn es die Gelegenheit dazu gebe. Ihn hätten auch andere Sommertouren interessiert. Aber er hat taktisch gewartet, bis diese ausgeschrieben war – und das Ehepaar hatte Glück. Die Blims waren beeindruckt darüber, dass die große Anlage gerade einmal mit drei Mitarbeiten vor Ort betrieben wird.

„Die erste Idee für das Werk reicht rund 20 Jahre zurück“, sagte Geschäftsführer Christoph Kopper. Mit Beharrlichkeit habe die Willersinn Minerals GmbH sie vorangetrieben, um 2020 die Genehmigung für den Abbau zu bekommen. Dann wurde das rund 81 Hektar große Gelände an die Alois Omlor GmbH verkauft, die bereits das Kieswerk westlich der B9 betreibt. Aber nur noch drei, vier Jahre, dann sei dieses fertig. „Der Plan war, zwei Jahre nach der Genehmigung mit dem Betrieb des neuen Werks zu beginnen. Das hat fast geklappt“, freut sich Kopper. Angesichts der benötigten Infrastruktur sei dies keine Selbstverständlichkeit.

Schiffsbeladung geplant

Noch ist die Anlage im Aufbau. In der kommenden Woche ziehen die Mitarbeiter aus den Containern in ein Betriebsgebäude, eine Werkstatt wird gerade gebaut und im kommenden Jahr soll ein Förderband bis zum Rhein errichtet werden, um in Höhe der Natorampe am Rheinufer 1 Schiffe beladen zu können. Diese Ladestraße soll vollständig mit Sonnenkollektoren verkleidet werden, so dass das Werk an Sonnentagen energieautark laufen könne, so Schmidt.

Für die Saugpumpe ist der Betrieb ein Abnutzungsgefecht. 1000 Betriebsstunden hält das innere Laufrad, rund doppelt so lange die äußeren Teile. Auch die Rohrleitung zum Werk werde von innen vom Kies geschliffen, berichtet Schmidt. Zwölf Zentimeter dick ist deren Hülle. Brocken bis zu 100 Millimeter passen durch das Saugrohr. Von Überkorn spricht man aber bereits ab 20 Millimeter. Bis zu 20 Meter tief wird der See einst sein.

Rund 1500 Tonnen Sand und Kies verlassen täglich derzeit den Betrieb, das sind rund 60 Lkw-Ladungen. Der größte Teil des Materials gehe in Fertigbeton herstellende Betriebe. Bis Landstuhl, ins Badische und Hessische werde geliefert, sagt Schmidt.

Kopper warnt davor, die Seefläche illegal zu aufzusuchen: „Das ist gefährlich.“ Und als ob die Worte unterstrichen werden sollen, bricht ein großerer Teil der angrenzenden Sandwand in sich zusammen und stürzt ins Wasser.

Nicht nur tote Tiere finden Beachtung. Ein Baumstamm, der beim Saugen aufgeschwemmt wurde, ist gesichert worden. „Aus diesem werden wir eine Eidechsenburg bauen“, sagt Bernd. Ziel sei es, Sand und Kies im Einklang mit der Natur zu fördern, versichert Kopper. Natürlich sei ein solcher Betrieb landschaftsprägend, ergänzt der Freilandforscher Bernd, aber oft seien die Argumente gegen den Sandabbau zu eindimensional. „Solche neue Landschaften ziehen auch Tiere an.“ Der Flussregenpfeifer brauche solche Flächen. Auch auf die Uferschwalbe, die sich an einer Sandwand angesiedelt habe, sei geachtet worden.

Silvia Skierlo sagt schon zur Hälfte des Rundgangs, dass sich ihr „kritischer“ Blick auf die Anlage etwas verändert habe. Thomas Wiese aus Bobenheim-Roxcheim ist fasziniert von der Technik. Rund 10 Millionen Euro wurden laut Kopper investiert. In zwei Wochen wird der Betrieb dann offiziell eröffnet.

Objekt der Begierde: Sand, nach Körnung gesiebt.
Objekt der Begierde: Sand, nach Körnung gesiebt.
Ein Flusspferdzahn? Das wird untersucht.
Ein Flusspferdzahn? Das wird untersucht.
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