VG Rheinauen
RHEINPFALZ-Mitarbeiterin berichtet von Erfahrungen mit Videokonferenz-Ratssitzungen
Zum Ablauf: Die Teilnehmer der Sitzung loggen sich nach und nach ein. Bild für Bild ploppt deren Konterfei geordnet am Bildschirm auf. Überschaubar im Ortsgemeinderat, ein verwirrendes Mosaik im Verbandsgemeinderat. Eine Liste am Rand zeigt, wer noch zuhört, aber nicht sichtbar ist. Auch Zuhörer können sich da zuschalten – ohne Bild. Das Rätsel wer sich hinter „Wisent“ und „Hund“ verbirgt, wurde trotz digitalem Vermummungsverbot übrigens nicht geklärt.
Theoretisch würde jetzt jedes Bild an seinem Platz bleiben, wenn sich jemand zu Wort melden möchte, hebt er die Hand oder schreibt es in den allgemeinen Chat. Wenn er an der Reihe ist, schaltet er das Mikro an. Theoretisch, wohlgemerkt.
Praktisch muss die suboptimale Internetverbindung berücksichtigt werden, die zu skurrilen Szenen führt: Ständig fliegt jemand aus der Konferenz. Ärgerlich für den Betreffenden, der nichts mehr mitbekommt, schwindelerregend für den Beobachter, denn dann verschwindet das Bild und die verbleibenden arrangieren sich neu. Das ist ein bisschen wie dieses Spiel mit der Murmel, die unter einem von drei Bechern liegt. Die Becher werden blitzschnell verschoben und man muss raten, wo jetzt die Murmel liegt. Übertragen könnte das Spiel heißen: „Finde den Fassott“. Mal ist der Bürgermeister rechts außen – zack – dann wieder in der Mitte – zack – plötzlich ganz links. Räumlich, nicht politisch selbstverständlich.
Unklarheit bei Abstimmung
Statt ganz rauszufliegen, gibt es auch die Möglichkeit, dass ein Bild einfriert. Das wiederum kann bedeuten, dass zwar der Betreffende selbst weg ist, die anderen das aber erst mal gar nicht realisieren, wenn jemand auf dem Schreibtischstuhl einfriert. Blöd nur, wenn das gerade beim Abstimmen passiert, wie jüngst in Waldsee, und das Ratsmitglied mit erhobener Hand scheinbar für Ja und Nein stimmt und sich auch noch der Stimme enthält. Ortsbürgermeisterin Claudia Klein musste vor der Abstimmung ständig ihre Schäfchen zählen.
Nächste Tücke ist das Mikro. Oft fangen Ratsmitglieder an zu reden, ohne das Mikro anzuschalten. Sieht lustig aus. Oder sie vergessen, es auszuschalten und man hört Flüche über nicht funktionierende Technik, während die Ortsbürgermeisterin versucht, den Haushalt zu erklären. Aufrüttelnd ist auch die unterschiedliche Lautstärke der einzelnen Redner. Hat man gerade die Lautsprecher voll aufgedreht, um ein leises Stimmchen aus dem Rauschen zu filtern, dröhnt einem der nächste die Ohren voll.
Per Nachrichtendienst mit Kollegen ausgetauscht
Wenn gerade mal alles funktioniert und man Zeit hat, die Bildchen anzuschauen, stellt man fest, dass einige Sitzungsteilnehmer plötzlich nach unten blicken und bläulich angestrahlt werden. Da die dann oft einer Fraktion angehören, liegt nahe, dass hier gerade intrafraktionelle Besprechungen über Whatsapp stattfinden.
Doch trotz aller Tücken: In Zeiten von Corona ist eine Videokonferenz eine echt prima Sache. Und dass sie dennoch so gut funktioniert, liegt auch an der frisch ernannten Digitalisierungsbeaufragten der Verbandsgemeinde Rheinauen, Ramona Eustachi, die als Stimme aus dem Off mit Regieanweisungen Erste Hilfe bei Problemen leistet.