Rhein-Pfalz Kreis Realität auf dem Gehaltszettel
Man kann es mathematisch so darstellen: Frauen arbeiten bis zum Equal Pay Day, dem Gleichbezahltag am 18. März eines jeden Jahres, kostenlos. Männer erhalten bereits ab Jahresbeginn Gehalt. Gründe dafür sind, dass Frauen schlechter bezahlte Berufe wählen, Familienpausen machen und seltener in höhere Positionen aufsteigen. Doch selbst für gleichwertige Jobs erhalten sie statistisch weniger Geld als männliche Kollegen. Die Politik will gegensteuern: Anfang 2018 wurde das Entgelttransparenzgesetz eingeführt. Auf dieser Basis können Arbeitnehmer vom Vorgesetzten verlangen, den Verdienst von Kollegen zu erfahren, die gleiche Tätigkeiten verrichten. Doch der Anspruch auf Auskunft gilt nur in Unternehmen ab 200 Beschäftigten. Günter Hoetzl, für die Region zuständiger Bevollmächtigter der IG Metall, berichtet: „In der betrieblichen Realität spielt das gar keine Rolle. Nach unserer Erfahrung ist die ungleiche Bezahlung in kleineren Betrieben größer und wird vom Gesetz nicht berührt.“ Der Frankenthaler Gewerkschafter rät, den Betriebsrat „anzuzapfen“. Das sei effektiv und anonym. Der Betriebsrat habe Einblick in die Lohn- und Gehaltsliste. Gerade in kleinen Unternehmen solle ab fünf Mitarbeitern ein Betriebsrat gewählt werden. Erfahrungsgemäß hielten sich Frauen mit Forderungen jedoch zurück. „Sie kümmern sich oft um Familie oder andere. Da steht die Mobilität mehr im Vordergrund als die Frage der Bezahlung“, so der Gewerkschafter. Am liebsten wäre ihm Offenheit wie in Skandinavien: „Da stehen die Gehälter fast am Schwarzen Brett – das erspart Diskussionen und Misstrauen.“ Für Claudia Sturm ist gleiche Bezahlung in Zeiten des Fachkräftemangels überlebenswichtig. Mit ihrem Bruder leitet sie den Harthausener Stuckateur- und Malerbetrieb C+U Sturm. Sie sagt: „Offenheit und Work-Life-Balance sind das Wichtigste, damit wir überhaupt Personal bekommen. Ich versuche, die Konditionen für die Frauen so zu gestalten, wie sie es brauchen.“ Dennoch seien unter den über 100 Beschäftigten bei C+U nur fünf Frauen. „Im Malerbereich sind wir eine Männerdomäne.“ Ihr Vorschlag: „Während der Schulzeit Berufe kennenlernen, auch männliche.“ Die Handwerkskammer biete Feriencamps an, um die Mint-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik „sichtbarer“ zu machen. Einen solchen Ansatz verfolgt die Mädchenschule Edith-Stein-Gymnasium Speyer: „In Kooperationen mit technischen Unis und auf unserer Berufswahlmesse treffen die Schülerinnen Frauen aus MINT-Berufen“, sagt Lehrer Dominik Weitzel. „Viele wählen naturwissenschaftliche Leistungskurse. Vielleicht gehen sie unverkrampfter daran als auf gemischten Schulen.“