Rhein-Pfalz Kreis
Radler sehen Gefahren bei Verkehrssituation im Mutterstadter Gewerbegebiet
Das Mutterstadter Gewerbegebiet An der Fohlenweide ist bei Einkaufenden beliebt, der Verkehr entsprechend stark, die Anbindung gut – aber nur für Autofahrer. Für Fußgänger und Radfahrer gestaltet sich der Zugang laut Lokaler Agenda dagegen gefährlich. Sie regt Verbesserungen an.
Da steht er nun und kommt nicht weiter: Hermann Humm wartet seit einigen Minuten auf dem Feldweg, der von der Gaststätte Rheinperle entlang der L 524 verläuft, auf eine Gelegenheit, auf die andere Seite der Kreuzung zu gelangen – Blickrichtung Getränkezentrum Schulz. Mit seinem Fahrrad steht er angespannt da, bereit, jederzeit loszurennen. Doch er muss sich weiter in Geduld üben, denn es rauscht ein Wagen nach dem anderen vorbei – bis zu 70 Stundenkilometer sind erlaubt. Von links auf dem Weg nach Schifferstadt, von rechts Richtung Limburgerhof, dazu zwei Links-Abbieger-Spuren plus die Rechtsabbieger. Wer wie Humm auf diesem Weg ins Gewerbegebiet möchte, muss vor allem eins sein: vorsichtig und flink.
„Es kommt durchschnittlich alle drei bis vier Sekunden ein Auto“, sagt Humm. Das hat eine Verkehrszählung der Lokalen Agenda im Juni ergeben, die er maßgeblich mit organisiert und ausgewertet hat. In 30 Schichten haben 14 Helfer an sechs Tagen während der Ladenöffnungszeiten an drei Schwerpunkten erfasst, wie viele Autos, Fahrräder und Fußgänger die jeweilige Stelle passieren – und woher sie kommen sowie in welche Richtung sie unterwegs sind. Humm und seine Mitstreiter sind gründlich. Das Ergebnis: Nur 2,8 Prozent der Verkehrsteilnehmer trauen sich mit dem Fahrrad ins Gewerbegebiet, obwohl dieses sowohl für Mutterstadter als auch für Limburgerhofer und Schifferstadter eigentlich gut erreichbar ist.
Autoverkehr aus sechs Richtungen
Die schwierigste und damit gefährlichste Herausforderung besteht darin, die L 524 beim Getränkezentrum zu überqueren. „Man muss den Verkehr aus sechs Bewegungsrichtungen im Blick haben. Hier über die Straße zu wollen, ist wie eine Mutprobe“, hebt Humm hervor. Eine Querungshilfe in Form eines Fahrbahnteilers, eines Zebrastreifens oder gar einer Ampel gibt es nicht. „Und das, obwohl auf beiden Seiten der Kreuzung eine Bushaltestelle für Schulkinder aus dem Gewerbegebiet ist. Das ist eine Katastrophe“, findet er. Um die Situation zu entschärfen – nicht zuletzt für Kinder und nicht ganz so flinke Mitmenschen –, hält die Lokale Agenda eine Drückampel und ein Tempo-50-Limit für sinnvoll. „Eine solche Entschärfung käme auch den Autofahrern zugute“, ergänzt Humm und erinnert an einige Unfälle.
Ebenfalls knifflig gestaltet sich die Lage im Osten, besonders an der Einmündung von der Waldstraße ins Gewerbegebiet beim Autohaus Oster. Auch hier kommt der Verkehr aus sechs Richtungen – Durchfahrer von Mutterstadt nach Limburgerhof und umgekehrt, Links- und Rechtsabbieger ins und aus dem Gewerbegebiet. Autos, Busse, Lkw – es ist abermals Schnelligkeit gefragt. Rollatornutzer, Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kindern im Schlepptau haben es schwer. Es sei denn, es findet sich eine rücksichtsvolle Wagenführerin wie jene, die eigens anhält, um Humms Agenda-Kollegin Sabine Frank über die Fahrbahn zu winken.
Querungshilfe unterschiedlich beurteilt
Die Gemeinde beziehungsweise ihr Gremium für Verkehrsfragen hat den Handlungsbedarf an dieser Stelle erkannt. Ein Provisorium auf der geriffelten Fläche vor der Kreuzung soll Fußgängern und Radfahrern helfen, auf die andere Straßenseite zu gelangen. Von dieser Idee hält die Lokale Agenda jedoch wenig: „Denn dafür würde ein Stück Grünstreifen geopfert. Zudem wäre jeweils ein Fahrbahnteiler auf beiden Seiten der Kreuzung nötig statt nur auf einer. Dafür könnte die Linksabbiegerspur aus Limburgerhof kommend wegfallen“, erklärt Werner Stubenrauch von der Agenda. Außerdem sollten auf beiden Seiten der Straße Im Vorderkehr die schmalen Gehwege verbreitert werden. Anstelle der Grünstreifen sollte der nötige Platz von der ohnehin sehr breiten Fahrbahn abgeknapst werden.
Moment mal, mögen Ortskundige nun einwenden. Es gibt doch beim Sportpark einige Hundert Meter weiter schon eine Querungshilfe? Stimmt, aber die weist aus Agenda-Sicht ebenfalls Verbesserungsbedarf auf. Sie führt nämlich auf den großen Parkplatz des Real-Marktes, „und zwar direkt auf die Autofahrbahn“, macht Agenda-Mann Walter Bengel bewusst. Abhilfe könnten ein Bürgersteig als Sicherheitspuffer sowie ein Warnschild für Autofahrer schaffen. Und die Rampe sei ziemlich eng – zumal für Eltern und Großeltern, die ihre Schützlinge in einem Kinderanhänger hinten am Fahrrad durch die Gegend befördern. Zudem sei es sehr unwahrscheinlich, dass Mutterstadter diesen Umweg in Kauf nehmen, um dann zum Beispiel auf dem Weg zum DM-Markt oder zum Fahrradgeschäft Koch auch noch den kompletten Parkplatz überqueren zu müssen.
Thema im Gremium für Verkehrsfragen
„Unser Ziel ist vor allem, das Fahrradfahren zu fördern. Dazu möchten wir den Weg ins und aus dem Gewerbegebiet sicherer und damit attraktiver machen“, erklärt Josef Rödl für die Lokale Agenda. Gelinge das, würden sich wohl mehr Leute zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die Fohlenweide trauen.
Das Thema und die Vorschläge der Agenda sind Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) zufolge sehr komplex, zumal es sich bei einer der Straßen um eine Landesstraße handle und damit auch noch der Landesbetrieb Mobilität ein Wörtchen mitzureden habe. „Deshalb werden wir die Thematik aufbereiten und im Gremium für Verkehrsfragen in einer eigenen Sitzung ausführlich behandeln“, kündigt er auf RHEINPFALZ-Nachfrage an.