Rhein-Pfalz Kreis
Querschnittsgelähmt: Welle der Hilfsbereitschaft für Bobenheim-Roxheimer Familie
Patrick Minrath bricht in den Herbstferien mit Freunden zu einer sportlichen Radtour in den spanischen Bergen auf. Er stürzt, kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus, liegt wochenlang im künstlichen Koma, wird operiert, überlebt. Doch das Rückenmark ist geschädigt, er ist vom siebten Wirbel abwärts gelähmt. Ein schwerer Schlag für den passionierten Hobbysportler und seine Frau Petra sowie die beiden Kinder, acht und elf Jahre alt.
„Ich habe immer viel selbst gemacht, habe ungern Hilfe angenommen“, erzählt Patrick Minrath am Telefon. Noch bis 25. März absolviert er in Oggersheim eine Rehabilitation. Nach dem Unfall wollte er zunächst von Spenden nichts wissen, aber dann hat er mit anderen viel darüber geredet. „Die Leute wollen uns doch nur helfen“, sagt Minrath heute. „Das würde mir doch genauso gehen, und dann würde ich mich auch freuen, wenn der andere die Hilfe annimmt.“
Freunde organisieren ein Benefizturnier
Also legten sich Mandy und Markus Ott sowie Frederik Birk ins Zeug. Die drei sind Trainer und Betreuer im Sportclub (SC) Bobenheim-Roxheim und gute Freunde der Familie Minrath. „Daheim im Treppenhaus muss ein teurer Lifter eingebaut werden“, sagt Mandy Ott, „den wollten wir gern wenigstens zum Teil finanzieren.“ Die Idee: ein Hallenfußballturnier für F- und E-Jugendmannschaften unter dem Dach des SC, bei dem ein bisschen was rumkommen sollte. Nicht durch Startgelder, sondern durch den Verkauf gespendeter Kuchen.
Am 8. Februar fand das Benefizturnier in der Bobenheim-Roxheimer Schulsporthalle statt. „Mit 20 Mannschaften und circa 1000 Besuchern“, berichtet Mandy Ott. Das hatte niemand für möglich gehalten. Der Verkauf von Kuchen und anderem Essen lief bei so viel Andrang gut. Unter anderem habe die Firma Fahrrad Görtz den ganzen Tag auf eigene Kosten Pommes frittiert und verkauft. „Ich bin noch ganz geschockt“, sagt Ott. Positiv geschockt natürlich.
Treppenlifter schon fast finanziert
Dem guten Beispiel folgten weitere Vereine. Der Erlös der beiden närrischen Wiegeaktionen der Roxheimer Altrhoischnooke und Heuchelheimer Strunzer zum Beispiel geht an die Familie Minrath, die Bernd-Jung-Stiftung gab Geld sowie viele Einzelpersonen. Und am kommenden Sonntag wollten der SC und die Stiftung von Christel und Manfred Gräf einen Abend mit Gedichten und Musik veranstalten, der am Dienstag allerdings wegen der Infektionsgefahr durch das Coronavirus abgesagt wurde. Altbürgermeister Gräf und seine Frau hat der Sportclub ins Boot geholt, weil er selbst keine Spendenquittungen ausstellen darf. Das gewährleistet nun die gemeinnützige Stiftung des Ehepaars.
Wie viel Geld schon zusammengekommen ist, kann Mandy Ott nicht sagen, denn der Spendentopf werde ganz bewusst vom SC-Schatzmeister und nicht von den drei Initiatoren der Aktion verwaltet. „Ich habe mir aber sagen lassen, dass das Ziel, einen Treppenlifter bezahlen zu können, zum Großteil schon erreicht ist.“ Ende März, Anfang April werde ein Kassensturz gemacht und die Spende übergeben.
„Das tut gut“, sagt Patrick Minrath
Patrick Minrath ist überwältigt vom Ausmaß der Hilfsbereitschaft: „Das tut gut“, sagt er. Der Bobenheim-Roxheimer ist fest entschlossen, „den Kopf nicht in den Sand zu stecken“, wie er sagt. „Es wird weitergehen, und ich werde irgendwann auch wieder etwas Sportliches machen.“ Am Hauseingang sei bereits eine Rampe für den Rollstuhl angebracht worden, und wenn das Bad umgestaltet und der Lifter eingebaut sei, dann sei das Nötigste daheim gemacht. Zwei- bis dreimal die Woche werde er wohl noch in Behandlung müssen. Worüber er sehr, sehr froh ist: Sein Arbeitgeber habe ihm zugesagt, dass er trotz der Behinderung wieder auf seiner Stelle in der beruflichen Bildung als Anleiter für Holztechnik arbeiten könne.