Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Praxisbesuch in Corona-Zeiten: Schutz der Patienten steht an erster Stelle

Petra Fouquet-Ollmann und David Ollmann sind ein eingespieltes Team.
Petra Fouquet-Ollmann und David Ollmann sind ein eingespieltes Team.

Vorsorgeuntersuchungen können nicht ewig auf die lange Bank geschoben werden. Und Erkrankungen warten nicht, bis Corona irgendwann vorbei ist. Aus Angst vor Ansteckung deshalb nicht zum Arzt gehen? Manch einer ist verunsichert. Drei Arztpraxen im Kreis zeigen, dass mit strengen Hygieneregeln – weit über die Vorschriften hinaus – ein Besuch bei ihnen ohne Bedenken möglich ist.

Melina sitzt entspannt neben ihrem Vater Michael Claus im Wartezimmer des HNO-Zentrums Rhein-Neckar in Limburgerhof. Die Achtjährige aus Waldsee hat keine Schmerzen. Der heutige Besuch beim Ohrenarzt ist lediglich ein Kontrolltermin. Trotz stark gestiegener Infektionszahlen hat Michael Claus den Routinebesuch nicht abgesagt. Angst, sich hier anzustecken, hat er nicht. „Die Abläufe in der Praxis sind gut organisiert“, berichtet der 41-Jährige. Auch Termine bei anderen Ärzten wird er weiter wahrnehmen.

Seit im Frühjahr die erste Corona-Welle übers Land schwappte, hat die überörtliche Gemeinschaftspraxis für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde mit drei Standorten – einer davon in Limburgerhof – aufgerüstet. Desinfektionsspender am Eingang, Wegmarkierungen, reduzierte Patientenanzahl und dadurch verkürzte Wartezeiten oder Randtermine für Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen – für Felix Schröter und sein Team steht die Sicherheit der Patienten, aber auch die der Praxismitarbeiter, an erster Stelle. „Wir wollen, dass die Patienten geschützt sind, denn dann sind wir es auch“, erklärt der Standortleiter.

Im Frühjahr weniger Notfälle

Der promovierte Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde hofft, dass Patienten in den nächsten Tagen und Wochen nicht aus Unsicherheit Termine absagen. Im Frühjahr war dies der Fall. Viele Termine wurden kurzfristig storniert, selbst die Zahl der Notfälle ging deutlich zurück. Seit gut einer Woche sind jetzt wieder vermehrt Patientenanfragen bezüglich der Sicherheit in den Behandlungsräumen und im Wartebereich zu verzeichnen.

Schröter versteht diese Sorgen, kann aber beruhigen. „Wir tun alles dafür, dass bei uns kein Patient Angst vor einer Ansteckung haben muss“, betont er. Zusätzlich zu den geltenden strengen Hygieneauflagen werden er und sein Team regelmäßig auf Covid-19 getestet. Außerdem wurde vor den Praxisräumen ein zusätzlicher Wartebereich geschaffen. „Ich hoffe sehr, dass die Infektionszahlen nicht weiter rasant steigen und wir irgendwann wieder zur Normalität zurückfinden“, sagt der Hals-Nasen-Ohrenarzt.

Obwohl Simone Kraußer mit Vorerkrankungen belastet ist, hat sie ihren Besuch beim Zahnarzt ebenfalls nicht verschoben. „Die hohen Infektionszahlen bereiten mir schon Sorgen, doch einen Termin beim Arzt würde ich deshalb nicht absagen“, erklärt die gebürtige Berlinerin, die seit 13 Jahren in Limburgerhof wohnt. Auch in der Praxis der beiden promovierten Zahnärzte Ulrike und Volker Umstätter in Limburgerhof erkundigen sich die Patienten am Telefon derzeit wieder häufiger nach den Risiken einer möglichen Ansteckung in den Praxisräumen.

Zahnarzt auf Hausbesuch

„Wir sind gut aufgestellt und haben zu den vorgeschriebenen Hygieneregeln noch viele zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen, so dass unsere Patienten ohne Bedenken zu uns kommen können“, erläutert Volker Umstätter. Zum Beispiel muss jeder Patient vor der Behandlung seinen Mund mit einer desinfizierenden Lösung ausspülen, es gibt keine Zeitschriften oder Kinderspielzeug mehr im Wartebereich, die Terminvergabe wurde entzerrt und jedes Behandlungszimmer wird nach einer Untersuchung gründlich gereinigt und kräftig gelüftet. „Da wir als Zahnärzte sehr eng am Menschen arbeiten, tragen wir schon immer Mundschutz, Handschuhe und teilweise Schutzbrillen und können so das Ansteckungsrisiko minimieren“, erklärt Ulrike Umstätter. Für mobil sehr eingeschränkte Patienten bieten die beiden sympathischen Zahnärzte und ihr Team auch Hausbesuche an. Mit einer tragbaren Einheit kann sogar die eine oder andere kleinere Behandlung direkt vor Ort vorgenommen werden und dem Patienten bleibt der Weg in die Praxis erspart.

Erste Lieferengpässe

Sorgen allerdings bereitet dem Ehepaar, dass es derzeit wieder zu ersten Lieferengpässen bei den Handschuhen, aber auch bei den Einmalschutzkitteln und den Mund-Nasen-Masken kommt. „Noch ist unser Lager gut gefüllt. Darüber sind wir sehr froh“, berichtet Ulrike Umstätter. Und ihr Mann ergänzt lachend: „Sollte es wieder zu größeren Engpässen beim Mundschutz kommen, näht meine Frau halt wieder Masken, so wie im Frühjahr.“

Auch bei Petra Fouquet-Ollmann sind Schutzkittel, Handschuhe, Visiere und Mundschutze noch in ausreichender Menge vorhanden. Denn die promovierte Fachärztin für Allgemeinmedizin, die zusammen mit ihrem Sohn David eine hausärztliche Allgemeinpraxis in Mutterstadt betreibt, ist sich sicher: Corona wird uns die ganzen Wintermonate über noch fest im Nacken sitzen. Deshalb werde in ihrer Praxis akribisch auf Hygiene und Abstand geachtet. Es gibt an jeder Ecke Desinfektionsspender, Plexiglasscheiben auf dem Tresen oder Abstandsmarkierungen. Außerdem werden in den Untersuchungszimmern nach jeder Behandlung eines Patienten alle Dinge desinfiziert, mit denen dieser in Berührung gekommen ist. Auch regelmäßiges Lüften gehört dazu.

Ausgeklügelte Terminvergabe

Die Patientenströme werden durch eine ausgeklügelte Terminvergabe entsprechend gelenkt. „Patienten müssen sich in dieser Zeit immer vorher telefonisch anmelden, damit wir nicht überrollt werden“, erklärt die 61-Jährige. Dies sei ein zusätzlicher Schutz, auch wenn die Leitungen dadurch häufig überlastet wären. Denn schon beim Erstgespräch am Telefon werde durch das medizinische Fachpersonal entschieden, ob der Patient gegebenenfalls der Infektsprechstunde zugeordnet werden muss, die die Ärztin und ihr Sohn zu bestimmten Randzeiten anbieten. Und Patienten mit akuten Beschwerden können auf diese Weise für eine Behandlung ohne Zwischenstation im Wartezimmer eingeplant werden. Bei Menschen mit schweren Erkrankungen oder einigen älteren Personen macht David Ollmann Hausbesuche. Dieser Service ist nach wie vor gut gebucht.

„Im Frühjahr wurden in der Praxis leider mehrere Vorsorgetermine abgesagt, weil die Menschen einfach verunsichert waren. Dies ist jetzt zum Glück nicht der Fall“, berichtet die Ärztin. Sie und ihr Team stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt. Deshalb hat die Medizinerin einen großen Wunsch: „Mein Sohn, unsere Mitarbeiterinnen und ich möchten gerne weiterhin für unsere Patienten einsatzfähig bleiben. Deshalb halten wir uns alle sowohl in der Praxis als auch im Privatleben streng an die notwendigen Schutzmaßnahmen.“

Ulrike und Volker Umstätter verlieren auch in schwierigen Zeiten nicht ihren Humor.
Ulrike und Volker Umstätter verlieren auch in schwierigen Zeiten nicht ihren Humor.
Felix Schröter holt Patientin Isabel Lux im Wartebereich ab.
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