Rhein-Pfalz Kreis Popcorn, Pool und ein Plätzchen am See
. „Die Bücherei ist ein wichtiger Ort in meinem Leben“, sagt Kees. Darum hat sie diese auch als Ausgangspunkt für unseren Spaziergang gewählt. Sie leitet die Bibliothek nicht nur seit über 25 Jahren, sie hat sie auch mit aufgebaut. Und es ist ihr Traumberuf. Mit gerade einmal 26 Jahren – nach dem Studium zur Bibliothekarin in Köln und ersten Berufserfahrungen in einer Frankfurter Universitätsbibliothek – bekam sie die Stelle in Schifferstadt. Damals sollte die erste kommunale Bücherei in Schifferstadt entstehen. „Das war Bürgermeister Josef Solds Projekt“, erinnert sich die heute 53-Jährige. Sie ist dafür nach Schifferstadt gezogen. „Es war für mich immer klar, dass ich dorthin gehe, wohin mich der Beruf bringt, denn damals waren die Stellen für Bibliothekare rar“, erzählt sie. Und so einen Job wie Schifferstadt habe sie sich auch immer vorgestellt. „Eine Stelle, bei der man noch alles macht: Medien beschaffen, die Arbeit mit den Kindergärten, die Schularbeit und der Kontakt mit Nutzern.“ In Schifferstadt war es sogar noch ein bisschen mehr. Mitten in der Bauplanung hat sie ihre Arbeit begonnen, sie suchte sogar die Möbel für die Bücherei heraus, räumte die ersten Regale ein und organisierte obendrauf auch noch die Eröffnungsveranstaltung. „Es war sehr spannend.“ Und das sollte auch in den kommenden Jahren so bleiben: Von Jahr zu Jahr stieg die Zahl der Nutzer, Mitte der Neunzigerjahre wurden die Ausleihen von der Klappkarten-Verbuchung auf die elektronische Erfassung umgestellt: „Wir waren eine der ersten Bibliotheken im Kreis.“ Dann kamen die neuen Medien: CD, DVD und vor einigen Jahren die Onleihe, das Ausleihen von elektronischen Büchern. „Dass die Entwicklung so rasant ist, hätte ich nie für möglich gehalten“, sagt Kees. Als sie studierte, hatte sie noch nie etwas mit einem Computer zu tun. „Ich musste mir alles selbst beibringen.“ Die Arbeit am Computer ist heute nicht mehr wegzudenken, genauso wie die Leseförderung, die Arbeit mit Kindergärten und Schulen. „Der Leseknick kommt heute schon eher: Früher kam er mit 14, 15 Jahren, heute mit zwölf“, weiß sie. Die Kinder wachsen heute multimedial auf. Eine Herausforderung für eine Bibliothek. Herausforderungen musste sich Martina Kees schon von klein auf stellen. Geboren in Herxheim bei Landau, im Haus der Oma, wuchs sie „in der tiefsten Schnee-Eifel“ auf. Die Familie, der Vater war Lehrer, zog mehrmals um. „Meine vier Grundschuljahre verbrachte ich in drei Schulen, das war heftig, jedes Mal ein Neuanfang“, erinnert sich Kees. Doch sie war seit jeher kontaktfreudig, hatte keine Probleme, auf Menschen zuzugehen, erzählt sie. Ihre Gymnasialzeit verbrachte sie dann in einem Ort bei Saarburg, „eine schöne Zeit“. Das Elternhaus war in der Nähe des Walds, „mit meinen Freunden waren wir fast immer draußen“, erinnert sie sich. Darum konnte sie sich auch nie vorstellen, in einer Großstadt sesshaft zu werden. „Schifferstadt ist von der Größe genau richtig“, sagt Kees. Man bekomme hier fast alles, könne vieles mit dem Rad erreichen und es biete einiges zum Ausgehen – Gastronomie, Kultur und seit Anfang des Jahres wieder ein Kino – das Rex-Kino-Center in der Zeppelinstraße. Darüber ist Marina Kees besonders froh, sagt sie. Als sie Ende der Achtzigerjahre hierher zog, ist sie öfter mit ihrem neuen Freundeskreis – darunter auch ihr heutiger Mann – ins Rex-Kino gegangen. Es ist unsere nächste Anlaufstelle auf unserem Spaziergang. „Ich bin keine intensive Kinogängerin, wenn ich aber dann mal gehe, dann genieße ich es mit allem, was dazugehört: also einer großen Tüte Popcorn“, gesteht sie. So manche Portion hat sie später dann auch mit ihrem Sohn im Kino verdrückt. Sie erinnert sich noch an die Neuverfilmung von „Räuber Hotzenplotz“, die sie beide damals besuchten. „Das Bild war total verzerrt, mein Sohn und ich dachten, das muss so sein, das ist die neue Technik, dabei war nur das Vorführgerät nicht richtig eingestellt“, erzählt sie und muss herzlich lachen. Es ist das Urige, was sie an dem Kino so mag, die alten Plüschsessel, die Bar im Vorführraum. „Ich hoffe, dass das Kino angenommen wird.“ Ausspannen kann Martina Kees aber vor allem in der Natur. Seit vielen Jahren fährt sie mit der Familie an den Ammersee in Bayern. Wandern, Baden, aber auch der Besuch von kulturellen Veranstaltungen sei dort möglich. „Aber wir entspannen da hauptsächlich“, gibt sie zu. Um für zwei, drei Stunden mal schnell „Grün zu tanken“, radelt oder wandert sie mit ihrer Familie am liebsten durch den Schifferstadter Wald in Richtung Dudenhofener Weiher. „Es ist eine tolle Strecke durch den Wald, ein Stück entlang eines Bachs, ideal auch für Kinder“, sagt sie. Doch heute dorthin zu laufen, ist zu weit. Wir nehmen das Auto und parken auf dem Parkplatz vor der Grillhütte. Den Trubel dort meidet sie lieber. Ihr Ziel ist der kleine Weiher ganz in der Nähe. Wir laufen auf kleinen Waldpfaden, und Kees erinnert sich an die Wanderungen mit dem Vater und ihren zwei Geschwistern, inklusive Lagerfeuer. Abenteuer erleben, auf Bäumen und Felsen klettern –„das war meine Welt als Kind“, erzählt sie. Liebesromane standen darum bei ihr zu dieser Zeit nicht auf der Bücherliste, vielmehr Abenteuerromane oder Krimis. „Ich hatte als Teenager eine intensive Karl-May-Phase“, sagt sie und muss schmunzeln. Der Vater ihrer Freundin hat die Bücher gesammelt und ihr tütenweise ausgeliehen – eine Bücherei gab’s damals nicht in ihrem Heimatort. „Ich habe die Winnetou-Romane verschlungen.“ Einen Silbersee gibt es in Schifferstadt nicht, mindestens genauso idyllisch ist aber der kleine Weiher im Wald. Martina Kees hat nicht zu viel versprochen: Wir setzen uns auf eine kleine Holzbank, die Sonne blitzt durch die Bäume, es surrt und summt und an der Uferböschung tragen Brombeersträucher schwere Früchte. „Herrlich, oder?“, sagt Kees, streckt die Beine aus und tankt Grün. Noch einen drauf setze die Natur im Winter, wenn der kleine Weiher zugefroren ist: ein Bild wie aus einem Buch. Doch allzu oft passiert das bei dem warmen Klima in der Pfalz nicht. Die schwüle Hitze macht Martina Kees, die von Natur aus sehr hellhäutig ist, vor allem im Sommer zu schaffen. Darum habe sich die Familie auch vor einiger Zeit einen Pool angeschafft, samt Hollywood-Schaukel davor. Diesen „Lieblingsplatz“ möchte sie mir noch zeigen. An heißen Tagen erfrischt sie sich auch schon mal in der Mittagspause darin. Abends genießt sie dann ihren Feierabend oder die Wochenenden auf ihrer Hollywood-Schaukel mit einem Buch. Von Karl May sind die nicht mehr. „Krimis mag ich aber immer noch“, sagt sie. Nur so blutrünstig sollten sie nicht sein. Der trockene Humor und Sprachwitz der englischen Krimis liegen ihr da schon eher. „Wenn es aber sehr stressig in der Bibliothek war, dann darf es auch mal eine Schnulze sein.“ Auch Bücher sind für sie ein Ort der Entspannung.