Waldsee
Polizisten berichten vor Gericht vom Fund einer mutmaßlichen „Drogenhöhle“
Es wurden zwei Polizisten als Zeugen vernommen, die das Haus durchsucht und einen der Brüder festgenommen hatten. Zudem trugen die Verteidiger, Roman Schweitzer für den Älteren und Andreas Flory für den Jüngeren, vor, was ihre Mandanten zur Sache zu sagen hatten. Die Stellungnahmen seien abschließend, so die Anwälte.
Die beiden Brüder hatten bereits in Römerberg eine Weile zusammen gewohnt, konnten aber die Miete dort nicht mehr bezahlen. Sie suchten nach einer Alternative und fanden die Wohnung im Ortskern von Waldsee. Der Jüngere war bereits seit mehr als einem Jahr wegen einer Rückenerkrankung arbeitsunfähig gewesen und lebte von Krankengeld und der Abfindung, die er im Zuge eines Aufhebungsvertrags von seinem Arbeitgeber erhalten hatte. Er war spiel- und suchtmittelabhängig. Zudem hatte er einen Schuldenberg von rund 70.000 Euro angehäuft. In der Stellungnahme gab sein Verteidiger an, dass er ein Darlehen von 50.000 Euro von seinen Großeltern bekommen hatte, das seine Mutter verwaltete, die ihm so die drängendsten Gläubiger vom Halse halten wollte. Aber er konnte bald die vereinbarten Rückzahlungsbedingungen gegenüber den Großeltern nicht mehr einhalten, was zum Familienzwist führte.
Cannabiszucht soll Familienfrieden herstellen
So kam er auf die Idee, mit dem Anbau und Verkauf von Cannabis seine Schulden zu begleichen und den Frieden in der Familie wieder herzustellen. In der Stellungnahme des älteren Bruders hieß es, dass der Jüngere mit ihm über seine Pläne gesprochen habe, und dieser einverstanden war, ihm zu helfen. Selbst habe er kein Interesse an Cannabis oder anderen Betäubungsmitteln, er habe nur dem Bruder helfen wollen. Der ältere Bruder hatte eine Halle gemietet, wo er an seinem Oldtimer herumbastelte. Dort pflanzten sie die ersten Setzlinge, bis sie die großzügige Wohnung in Waldsee fanden und dort im Keller und in einem weiteren Zimmer professionell die Pflanzen anbauten.
Zum 1. Februar 2023 hatten sie den Mietvertrag abgeschlossen. Der ältere Bruder hatte ein Zimmer der Fünf-Zimmer-Wohnung, das er aber nur selten genutzt habe. Meist habe er in der Halle bei seinem Oldtimer geschlafen.
Ein Tresor ohne Schlüssel
Die Polizisten von der Polizeiinspektion Schifferstadt beziehungsweise des Kriminaldauerdienstes Ludwigshafen gaben als Zeugen an, wie die Sache im März herauskam: Dem Hauseigentümer fiel auf, dass Wasser aus dem Keller austrat, er fürchtete einen Wasserrohrbruch und ging hinein. Dort fand er die Plantagen. Er informierte die Polizei, die unverzüglich anrückte. Die Beamten fanden nicht nur die Cannabis-Plantagen, sondern ein großes Sortiment von Betäubungsmitteln aller Art: Amphetamine, Ecstasy, MDMA, Kokain und anderes. Auf die Frage von Verteidiger Flory, ob man von einer „Drogenhöhle“ reden könne, meinte der Zeuge: „So könnte man es nennen.“
Beide Brüder gaben in ihren Stellungnahmen an, dass die Wohnung auch von vielen anderen genutzt wurde, um Rauschmittel zu konsumieren, „Party zu machen“. Einen Überblick hätten sie nicht gehabt. Von der Amphetaminpaste auf dem Balkon hätten sie keine Ahnung gehabt, die habe dort wohl jemand gelagert. Den Tresor hätte ihnen jemand zur Aufbewahrung gegeben, einen Schlüssel hätten sie nicht gehabt. Der Hauseigentümer, so ein Polizist, habe gesagt, die beiden hätten noch keine Miete gezahlt, aber davon gesprochen, dass sie bald alles bezahlen könnten.