DUDENHOFEN
Pferd trifft Technik
Lilli Wendel reitet, seit sie ein kleines Mädchen ist. Ihre Mutter hat die heute 28-Jährige dazu animiert. Mit elf Jahren hat sie ihr erstes eigenes Pferd bekommen. „Chero“ ist mittlerweile mit 19 Jahren ein Senior. Den Aufbau des Aktivstalls Dudenhofen hat er unmittelbar miterlebt. 3000 Quadratmeter Platz gibt es dort für ihn und die anderen Pferde.
Zu verdanken haben Chero und seine Kumpels den Auslauf im modernen Ambiente Wendels Vater Andreas Kreimeyer. „Er wollte immer einen Fury“, verrät Wendel und lacht. Der schwarze Filmhengst mit der weißen Blesse auf der Stirn hat ab Mitte der 1950er-Jahre Generationen von Kindern fasziniert.
„Damiro“ – heute zehn Jahre alt – wurde Kreimeyers Star. Und: Er ist mit 1,80 Meter Stockmaß der Größte im Hof. „Die beiden lieben sich“, kann Wendel uneingeschränkt versichern. Reiten möchte ihr Papa den Hannoveraner bis heute nicht. „Kuscheln und spielen reicht“, sagt seine Tochter.
Grundstück 2014 gekauft
Zum Hobby Pferd ist Kreimeyer erst nach dem Ruhestand gekommen: „Als bekannt wurde, dass hier in Dudenhofen ein Pferdegebiet entstehen soll, haben wir 2014 ein Grundstück gekauft“, berichtet Wendel. Ein alter Tabakschuppen, der noch auf dem Areal stand, konnte nicht erhalten werden, obwohl die Familie das gerne gesehen hätte. „Er war zu baufällig“, sagt Wendel.
Der Betrieb, der von ihr als Geschäftsführerin geleitet wird, heißt nicht einfach so Aktivstall. „Das ist eine besondere Art der Haltungsform“, klärt Wendel auf und erweitert den Horizont des Pferdewissens: „Ein Pferd hat bestimmte Grundbedürfnisse. Es ist ein Flucht-, Herden- und Lauftier – und ein Dauerfresser. Wir versuchen, diesen Bedürfnissen so nah als möglich zu kommen.“
Die sozialen Kontakte spielen dabei eine große Rolle. „Die Pferde kratzen und schrubben sich gegenseitig, passen aufeinander auf“, merkt Wendel an. Eine Besonderheit ist der Punkt Fressen. „Wir haben eine automatisierte Fütterung“, erläutert die Geschäftsführerin dazu. Das heißt: Jedes der 14 Pferde, die von ihren Besitzern im Aktivstall untergestellt sind, hat ein Halsband erhalten. Auf diesem sind mit Hilfe eines Computers Daten zum Fressverhalten gespeichert worden, vor allem die Menge, die die Tiere pro Tag zu sich nehmen dürfen.
„Ein Pferd hat generell einen kleinen Magen. Durch die Aufnahme von mehreren kleinen Portionen pro Tag soll gewährleistet werden, dass das so bleibt“, macht Wendel deutlich. Drei Stationen sind auf dem Gelände verteilt. „Die Tiere laufen mehrere Kilometer pro Tag, um ihr Fressen abzuholen“, sagt die werdende Mutter. An einem Standort gibt’s Wasser, an einem zweiten Heu, an einem dritten Kraftfutter.
„Ein großes Pferd frisst gut 400 Kilo Heu pro Monat. Beim Kraftfutter kommen wir je nach Größe auf ein bis drei Kilo“, rechnet Wendel vor. Die Pferde müssen sich ihre Rationen selbstständig abholen. Überlisten lässt sich die Technik nicht. Das Essen rauscht nur automatisch in eine Wanne, wenn gerade Fressenszeit des Tiers ist.
Bereich für Rentner-Pferde
Beschaulich haben es die Pferde im Aktivstall. Unterschiedliche Böden machen die Bewegung für sie abwechslungsreich. Unter einem Teil ist eine Drainage angebracht, so dass Wasser bei Starkregenereignissen gut abfließen kann. Rentner-Pferde können sich in einen separaten Bereich zurückziehen, es gibt eine Liegehalle mit weichem Untergrund, eine 800 Quadratmeter große Reithalle, einen Trail zum Galoppieren und rings um den Aktivstall schöne Wege zum Reiten.
Wendel liebt den Stall, die Gemeinschaft dort und die Pferde. „Da steht dieses 500-Kilo-Wesen vor einem, schenkt sein Vertrauen und gibt so viel Zuneigung und Liebe – das holt einen runter, selbst wenn es einem nicht gut geht“, beschreibt Wendel ihre Faszination für die sensiblen Tiere mit dem Feinsinn für alle Gemütslagen. Froh ist Wendel über eines: „Unsere Kranken- und Eingewöhnungsboxen stehen meistens leer.“