Rhein-Pfalz Kreis Paraderollen auf Pfälzisch

Maxdorf. „Du spinnst!“ Klare Worte von Bürgermeister Werner Baumann (CDU). Und auch seine vier Ratsmitglieder schlagen die Hände überm Kopf zusammen ob der verrückten Idee des Kreis-Kulturreferenten Paul Platz. Der will nämlich höchstpersönlich ein Theaterstück für das 200-jährige Bestehen der Ortsgemeinde schreiben. Gut, eine bessere Idee hat sonst niemand. So schlecht ist es ja nicht, auf der Bühne mit Maxdorfs Pfunden zu wuchern und den Leuten in den Nachbargemeinden Fußgönheim und Lambsheim endlich mal zu zeigen, wer der wahre Mittelpunkt des Rhein-Pfalz-Kreises und überhaupt von allem ist. So wird eingelenkt, und die Kommunalpolitiker fangen mit dem an, was sie am besten können: reden und ihre Parteipolitik vertreten. „Ich will im Gesicht sehen, was der Rote denkt“, ruft Ingrid Lupatsch aus dem Zuschauerraum Rainer Kißler zu, während CDUler Paul Poje von Tradition und klassischem Theater spricht. „Ich muss dir ansehen, was du darüber denkst. Schüttel den Kopf, schlag die Hände überm Kopf zusammen.“ Kißler lächelt noch etwas zurückhaltend. Ganz so wertetreu und konträr scheint es in einer Ratssitzung normalerweise nicht zuzugehen. Gut, in der Regel finden die auch nicht in der Kneipe statt. Also noch mal spielen. Aber zurück in die Realität: Zum 200. Geburtstag der Ortsgemeinde hat die Otterstadter Mundartdichterin Ingrid Lupatsch für die Ortsgemeinde das Stück „Der ganz normale Jubiläumswahnsinn – Zwäähunnert Johr Maxdorf“ geschrieben. Seit August proben die 31 Darsteller für die Aufführungen Ende Oktober, an diesem Abend zum ersten Mal in der Spielstätte, dem Carl-Bosch-Haus. „Das sind alles Laien“, sagt Souffleuse Birgit Poje, die aushilfsweise die Rolle der Beigeordneten übernimmt. „Ich? Laie?“ Bürgermeister Werner Baumann lacht. Er spielt sich selbst. Von Laie kann da ja keine Rede sein. Das Ohnsorg-Theater, sagt er im Brustton der Überzeugung, werde zukünftig nach Maxdorf verlegt. Die Rollenverteilung ist einer der Clous des Mundart-Theaters. Ein Teil der Darsteller mimt sich selbst: Bürgermeister, Ratsmitglieder, Beigeordnete, Kulturreferent und Pfarrer Raimund Röther. „Der ist eine Rakete“, sagt Ingrid Lupatsch. Die restlichen Darsteller, die Beigeordnete Sylvia Reis, Werner Baumann und Paul Platz zusammengetrommelt haben, sind Vereinsmitglieder, oder eben ganz normale Maxdorfer. Lupatsch hat bewusst Realität und Fiktion miteinander verwoben und zudem ein Stück im Stück geschaffen. Denn Teil der Aufführung ist die Generalprobe historischer Szenen, eben jenes Stück, das Paul Platz angeblich für das Jubiläum schreiben will. „Die historische Handlung gibt nicht so viel her, deshalb gibt es zwei Stränge“, erklärt Lupatsch. So sind die Flößer von 1745, die Marktfrauen aus dem 19. Jahrhundert und der bayerische König, der in Maxdorf auftaucht, als es um die Namensgebung geht, nur Teil des Ganzen. „Der König war aber damals nicht da“, erzählt die Otterstadterin. „Die Freiheit habe ich mir genommen.“ Dabei hat sie für die Geschichte ordentlich recherchiert, hat sogar mit Bürgern aus den Nachbarorten gesprochen, um ein Gefühl für die Maxdorfer und die kleinen Neckereien zu bekommen. Schließlich soll alles Hand und Fuß haben. Gesprochen wird natürlich – bis auf einige Ausnahmen – pfälzisch. „Satire und Überspitzen funktioniert im Dialekt einfach besser“, sagt Lupatsch. „Ich schaue dem Volk aufs Maul.“ Und wie fasst es die neunjährige Leandra in ihrem Prolog so schön zusammen: „Uff Pälzisch nur, versteht man die echte Maxdorfer Kultur.“ Doch vorerst geht es noch um andere Dinge. Die Bühne im Carl-Bosch-Haus stellt Lupatsch vor eine Herausforderung. Ihre Planung geht nicht auf. Die Umbauarbeiten können nicht hinterm Vorhang laufen, der hängt nämlich zu weit hinten. „Ich hatte noch keine Bühne mit dieser Dimension“, sagt sie. „Wir brauchen dringend das Albert-Funk-Haus“, murmelt FDPler Konrad Reichert da in den Zuschauerreihen vor sich hin. So schnell geht eben der Wechsel von Politiker-Rolle zu Politiker-Dasein. In seiner Rolle ist davon nämlich keine Rede, in der bleibt er klischeehaft liberal und spricht sich für die „geheime Kommandosach’“, sprich das Theaterstück, aus. Ganz geheim ist die „Kommandosach’“ nur leider doch nicht. Wirtin Heike Kißler hat schließlich alles mitbekommen und kann – Dorftratsch muss schließlich sein – am nächsten Tag die Klappe nicht halten, als Marianne Kiefer, Neu-Sekretärin des Bürgermeisters, und die frisch gebackene RHEINPFALZ-Redakteurin Angelika Leipold sie über die Pläne ausquetschen. Da verweben sich wieder Realität und Fiktion. Leipold schlüpft nur im Stück in die Redakteursrolle, bleibt im wahren Leben aber ihrem Schreibtischposten in der Ortsgemeinde treu. Wer da am Ende jetzt sich selbst mimt oder eben doch nur eine Rolle spielt, so ganz klar wird es dem Betrachter auf Anhieb nicht. Aber genau darum geht es ja: Manchmal ist das Leben auch nur eine Satire. Und da nimmt man besten sich selbst aufs Korn. Termin „Der ganz normale Jubiläumswahnsinn – Zwäähunnert Johr Maxdorf“ feiert am Samstag, 22. Oktober, um 19 Uhr im Carl-Bosch-Haus, Hüttenmüllerstraße 31, in Maxdorf Premiere. Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 23. Oktober, 17 Uhr, Samstag, 29. Oktober, 19 Uhr, sowie Sonntag, 30. Oktober, 17 Uhr. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 10 Euro zuzüglich 50 Cent Vorverkaufsgebühr. An der Abendkasse zahlen Gäste 12 Euro. Karten gibt es in Maxdorf bei Getränke Kares, Siemensstraße 21, Lotto-Shop Monika Niebel, Hauptstraße 65, und Schreibwaren Schneider, Hauptstraße 92.