Rhein-Pfalz-Kreis
Ortsranderholungen fallen aus: Ferien ohne Erholung?
Für Hans-Dieter Schneider (SPD) stellt sich die Frage im Grunde nicht, wie und ob die Gemeinden im Rhein-Pfalz-Kreis eine Kinderbetreuung im Sommer unter Corona-Bedingungen auf die Beine stellen sollen. „Die Ortsranderholung in den Sommerferien sind ja kreisweit, so auch in Mutterstadt, abgesagt“, schreibt der Bürgermeister als Antwort auf eine RHEINPFALZ-Anfrage. Die Entscheidung sei Ende April in Absprache mit den Gemeinden getroffen und über die Kreisverwaltung kommuniziert worden. Doch das sehen längst nicht alle Bürgermeister und Gemeindeverwaltungen so.
„Wir versuchen im Moment; auf Ebene der Verbandsgemeinde eine einheitliche Lösung zu finden“, sagt Altrips Ortsbürgermeister Volker Mansky (parteilos). Er fände es schade, ohnehin schon gebeutelte Kinder und Eltern mit einer verfrühten Absage schocken zu müssen. Wenn schon ein großes Programm mit vielen Kindern nicht geht - vielleicht gibt es Alternativen, abgespeckte Versionen einer normalen Ortsranderholung? „Wir sind bestrebt, Ideen zu entwickeln. Genaueres kann ich leider zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, meint Mansky.
Das Ferienangebot ist wichtig und wird gut angenommen
Plätze in der Ortsranderholung sind ein begehrtes Gut. Mit dem Beginn der Anmeldung stehen die Eltern Schlange vor den Büros. Oder füllen online die entsprechenden Formulare aus. Deutlich mehr als 200 Kinder sind 2019 bei den Ortsranderholungen der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim dabei gewesen. In Mutterstadt waren es mehr als 120 Kinder, denen die legendären Dampfnudeln der Arbeiterwohlfahrt geschmeckt haben. In Maxdorf hatten gut 220 Kinder im vergangenen Sommer ihren Spaß. Das zeigt: Das Angebot ist wichtig. Und nun: Droht den Familien im Kreis ein Sommer ohne Erholung? Wie es mit Reisen in Pandemie-Zeiten ausschaut, ist noch ziemlich unklar. Und die Urlaubskonten mancher Eltern dürften nach den ersten Krisen-Wochen bereits ziemlich geplündert sein. Und jetzt soll nicht mal vor Ort etwas ferienmäßiges stattfinden?
Zumindest rät die Kreisverwaltung dazu. Sie will zwar nicht in die bewährten Konzepte der Gemeinden als Träger der Programme eingreifen, wie aus einer Mail an die hauptamtlichen Bürgermeister hervorgeht. Sie schlägt jedoch vor, mit einem abgestimmten Schreiben die generelle Absage für die kommenden Sommerferien publik zu machen. Schließlich sei es für die Eltern wichtig, frühzeitig Bescheid zu wissen, um sich besser auf diese Situation vorbereiten zu können.
Rotationsprinzip als Ersatz?
„Im Zelt kuschelig zusammensitzen, das wird nicht gehen“, sagt Werner Baumann (CDU). Das sieht Maxdorfs Ortsbürgermeister schon ein und versteht damit die Empfehlung des Kreises auch als Anweisung: Keine Ortsranderholung in diesem Jahr. Zumindest keine, wie sie unter normalen Umständen und ohne Corona stattfinden würde. Am Donnerstagabend wird Baumann (CDU) diese Entscheidung dem Ortsgemeinderat bei der ersten Sitzung unter Pandemie-Bedingungen verkünden. Aber irgendetwas muss für die Kinder doch trotzdem gehen?
„Es ist nun unsere Aufgabe, eine Art Notbetreuung zu schaffen“, sagt Baumann. Gemeinsam mit dem Jugendpfleger Alexander Kohl arbeitet er deshalb gerade an einem Konzept, sagt aber auch: „Wir fahren auf Sicht.“ Denn niemand wisse, was bis zum Sommer erlaubt sei. Wie könnte ein Catering funktionieren? Haben die Schwimmbäder geöffnet? Das alles ist noch unklar. Baumanns Gedankenspiele gehen in Richtung einer Teilzeitbetreuung in kleineren Gruppen, die sich tageweise an verschiedenen Stationen aufhalten. Der Ortsbürgermeister beschreibt es als Rotationsprinzip und dezentrales Vorgehen – mal auf dem Sportplatz etwa, mal bei einem Ausflug, mal bei einem Mal- oder Bastelkurs. „Allerdings müssen wir hier egoistisch sein“, sagt Baumann, „solch ein Angebot wird nur für Maxdorfer Kinder realistisch umzusetzen sein.“ Die Maxdorfer Ferienbetreuung ist sonst immer auch ein Angebot für Kinder aus Birkenheide, Fußgönheim und Lambsheim.
„Zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat der Hauptausschuss der Stadt beschlossen, die Ortsranderholung inklusive dem Mitmachzirkus abzusagen. Geplant war die vom Jugendtreff organisierte Kinder- und Jugendbetreuung für die ersten drei Wochen der Sommerferien.“ So lautet die Absage aus dem Schifferstadter Rathaus. Der Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) tut es zwar leid. Aber was nicht geht, geht halt nicht. Und so werden „die bereits gezahlten Beiträge für Ortsranderholung und Mitmachzirkus zurückerstattet.“ Punkt. Das war’s.
Ziel: Familien entlasten
In der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim haben die Verantwortlichen erst am Dienstag zu dem Thema getagt. Die Schifferstadter Absage habe doch sehr endgültig geklungen. „Wir wollten uns vorher zumindest Gedanken machen, ob es nicht möglich ist, zumindest irgendeine Form von Ferienbetreuung anzubieten“, sagt Pressesprecherin Ute Günther. Man habe noch kein fertiges Konzept, aber es herrsche Einigkeit darüber, eines zu erarbeiten. Das soll Familien zumindest etwas entlasten, wenn schon das normale Programm mit Aufenthalten am Lingenfelder Baggersee und im Pfälzerwald ausfallen muss. „Wir werden die Eltern auf jeden Fall noch anschreiben.“
In Limburgerhof hält es die Verwaltung ähnlich. Derzeit sei man im Beratungsprozess – und abhängig von den Kriterien, die Bund und Länder in den kommenden Wochen festlegen, wolle man eine Betreuungsform erarbeiten, die Kinder und Eltern gerecht wird, heißt es aus dem Rathaus.
In Mutterstadt richtet die Arbeiterwohlfahrt die Ortsranderholung aus. Und Hans-Dieter Schneider stellt in Aussicht, dass zumindest für die Herbstferien eine Betreuung weiterhin denkbar sei. „Sofern die dann geltende Rechtsverordnung dies zulässt“, sagt der Bürgermeister. Für den Sommer bleibt er verhalten. Zwar denke auch seine Gemeinde über alternative Betreuungsmöglichkeiten nach. Ob aber etwas möglich sein wird, hängt auch für ihn von den anstehenden Entscheidungen von Bund und Ländern ab, sagt Schneider. Und: „Unabhängig davon müssen wir auch das notwendige Betreuungspersonal zur Verfügung haben, da ja Urlaubsanmeldungen einzuhalten sind und auch ein Teil des möglichen Betreuungspersonals Risikogruppen angehört“, sagt er. Das alles werde in den nächsten Tagen geprüft. Derweil werden nach und nach zunächst einmal die Schulen wieder geöffnet. Noch ist schließlich nicht Ferienzeit. Manch einer wird denken: „Zum Glück.“ Denn die Sommeraussichten sind nicht allzu rosig.