Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Opengames-TV liefert Spieletechnik für Fernsehshows

Bernd Schläfke und Elke Wunderle haben auch für die „Hexen“-Ausstellung im Historischen Museum in Speyer ein Exponat entwickelt
Bernd Schläfke und Elke Wunderle haben auch für die »Hexen«-Ausstellung im Historischen Museum in Speyer ein Exponat entwickelt – mit Scheiterhaufen-Aufnahmen aus der Grillhütte in Bobenheim-Roxheim.

Wenn bei „1, 2 oder 3“ der Buzzer piept und das Licht die richtige Antwort zeigt, dann kommt die Technik dafür aus Bobenheim-Roxheim. Opengames-TV heißt die Firma, mit der Bernd Schläfke und Elke Wunderle nicht nur bei Spieleshows im Fernsehen für Effekte sorgen. Sogar im Kongo nutzt man ihre Dienste.

Eigentlich wollte Bernd Schläfke Architekt werden. Schon als Kind habe er gerne Sachen gebaut. „Dreidimensionalität hat mich immer interessiert“, sagt der 56-Jährige. Sein Glück: Abstraktes Vorstellungsvermögen war – anders als das Abitur, das er nicht hatte – eine der Zugangsvoraussetzungen für den Studiengang Technikinformatik. Und so ergatterte Schläfke nach der Bauzeichnerlehre Mitte der 1980er-Jahre einen der begehrten Plätze in einem privaten Institut in Frankfurt. Nach einigen Industriejobs machte er sich schließlich 1988 selbstständig. In einer Zeit, in der das Internet noch in den Kinderschuhen und in den meisten Haushalten noch ein Wählscheibentelefon fest in der Wandbuchse steckte. Die Speicherkapazität eines Computers lag damals im zwei- bis dreistelligen Megabyte-Bereich, während heute jedes Smartphone locker auf mehrere Gigabyte kommt.

Beim „Glückstelefon“ den „Teletaps“ gesteuert

Das Angebot des ZDF für ein Telespiel im Nachmittagsprogramm war deshalb mehr als abenteuerlich. Mit telefonischen Kommandos sollte ein Kandidat eine Figur, den „Teletaps“, durch das virtuelle Sendezentrum führen und Fragen zum aktuellen Programm beantworten. Der Gewinn: ein Tastentelefon. „Die Idee war so absurd, dass ich unbedingt in dieses Projekt wollte“, erinnert sich der gebürtige Neustadter. Im Januar 1989 lief die erste Folge des „Glückstelefon“, 750 sollten es am Ende werden. Etwa 15 Minuten dauerte es allein, bis das Spiel geladen war. „Heute wäre das ein Mausklick.“

Schläfke wusste: Für diese Technik werden sich auch andere Sendungen interessieren. Und nicht nur Fernsehanstalten sind heute Kunden des kleinen Unternehmens aus Bobenheim-Roxheim. Konzerne wie Volkswagen, Audi und Thyssenkrupp nutzen die Dienste von Opengames-TV zum Beispiel für LED-Infowände bei Messen sowie aufwendige Präsentationen bei Bilanzkonferenzen und um Reden des Vorstands in Szene zu setzen. Für die „Hexen“-Ausstellung des Historischen Museums der Pfalz in Speyer haben Schläfke und Co-Geschäftsführerin Wunderle ein interaktives Exponat entwickelt, inklusive Scheiterhaufen-Filmaufnahmen aus der Grillhütte in Bobenheim-Roxheim. Und für die Zentralbanken von Armenien, Saudi-Arabien und dem Kongo hat Schläfke eine App entwickelt, in der neue Geldscheine vorgestellt werden – und mithilfe derer man bestimmte Sicherheitsmerkmale sogar auf dem Handydisplay fühlen kann.

Hauptgeschäft TV-Shows und Veranstaltungen

Entsprechend weit fasst Schläfke auch seine Berufsbeschreibung: „Ich bewege Grafiken.“ Wunderle, in der Region bekannt als „die schwärzeste weiße Stimme aus dem Rhein-Neckar-Dreieck“, ist als Sängerin für den kreativen Part zuständig – und als gelernte Speditionskauffrau „Finanzministerin“ der Firma. Hauptgeschäft des Duos sind jedoch Fernsehshows und Veranstaltungen wie das Finale des Wettbewerbs „Dolles Dorf“, den der Hessische Rundfunk ausrichtet, der Hessentag und die Verleihung des Welt-Kinder-Fernsehpreises „Prix Jeunesse“ in München. Für den Kinderkanal Kika hat Opengames-TV unter anderem für die Sendungen „Trau Dich“ und „Dreamteam“ Spieletechnik entwickelt.

Am aufwendigsten sei jedoch die Rateshow „1, 2 oder 3“, wo das Team aus Bobenheim-Roxheim seit rund 30 Jahren unter anderem dafür sorgt, dass im passenden Moment die Lösung eingeblendet, die Musik eingespielt und der Scheinwerfer fokussiert wird. Allein für das Drücken des Buzzers, wenn ein Team die richtige Antwort weiß, muss Schläfke im Vorfeld eine komplexe Logik programmieren, damit in Sekundenschnelle die übrigen Buzzer gesperrt werden, eine Tonspur startet und das Lichtpult für eine bestimmte Stimmung sorgt. Ausruhen kann er sich in seinem Regieraum aber nicht. „Ich hänge an den Lippen des Moderators, beobachte die Kandidaten, zähle die Punkte mit und muss die Spielregeln umsetzen“, sagt er. Dazu kommen über Kopfhörer Anweisungen von Regie, Bildmischer und Moderator. „Ein akustisches Durcheinander.“

Aktuell keine Produktionstermine

Ein Rechner ist allein dafür da, permanent zu überprüfen, ob der Server funktioniert. Zeit ist im Studio Geld. „Zehn Minuten Stillstand wären schon eine Katastrophe“, sagt Schläfke. Im gesamten Team gebe es nur drei Leute, für die der Sender eine Ausfallversicherung abgeschlossen hat: Moderator Elton, den Regisseur und Bernd Schläfke. „Ich habe versucht, Kollegen als Ersatz einzuarbeiten. Sie haben alle mit der Begründung abgelehnt, das sei zu kompliziert“, erzählt er.

Die Show wird normalerweise in drei Staffeln pro Jahr produziert. Doch wie viele andere Projekte der Firma Opengames-TV liegen auch diese Aufnahmen aktuell wegen der Corona-Pandemie auf Eis. Ob ein geplanter Dreh im September stattfinden kann, ist noch unsicher. „Eigentlich machen wir unseren halben Jahresumsatz im Juni.“ Stattdessen nun: Kurzarbeit. Schläfke nutzt die Zeit unter anderem dazu, Büro und Lager aufzuräumen. Und weil es ihn schon lange stört, wie aufwendig es ist, den Kontakt zu suchen, wenn man schnell jemanden von unterwegs aus anrufen will, hat er kurzerhand eine kleine App programmiert.

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