Rhein-Pfalz Kreis „Onleihe“ nicht überall ein Renner

LUDWIGSHAFEN. Das Angebot hat seinen Reiz: Zu Hause am Computer rund um die Uhr in den Beständen der Bücherei stöbern, Bücher oder Hörbücher gleich ausleihen und herunterladen und sofort auf dem E-Book-Reader oder dem Smartphone lesen. Das geht auch bei Tageszeitungen oder Zeitschriften. Die „Onleihe“, wie das Angebot heißt, stößt auf unterschiedliche Resonanz. Während sie in Mutterstadt und Schifferstadt gut nachgefragt wird, wird die Onleihe in kleineren Büchereien wie Altrip, Waldsee oder Neuhofen zögerlich angenommen.
Ein E-Book ist der in digitalisierter Form vorliegende Inhalt eines Buches. Der Text kann mithilfe eines E-Book-Readers gelesen werden. Das ist ein kleiner, flacher Bildschirm, der etwa die Größe eines Buches hat – auf unserem Foto auf der linken Seite zu sehen. Das Ausleihen von E-Books ist in den Büchereien in Schifferstadt, Mutterstadt und Waldsee sowie in der Römerberger Mediathek möglich. Die vier Einrichtungen gehören zu den 47 Bibliotheken in Rheinland-Pfalz, die Mitglied im Verbund „Onleihe Rheinland-Pfalz“ sind. Über die Internetseiten der Büchereien kann man ganz einfach zu der Onleihe-Internetseite gelangen. Sozusagen Gründungsmitglied im Onleihe-Verbund ist die Stadtbücherei Schifferstadt. Seit Oktober 2010 können hier bereits Medien digital ausgeliehen werden. Die Nachfrage ist gut, „die Tendenz ist weiter steigend“, sagt Leiterin Martina Kees. Ihre Zahlen belegen das: 2011 haben 234 Nutzer 3670 Medien digital ausgeliehen. 2014 waren es 9124 „Onleihen“ von 309 Nutzern. Das ist zwar noch immer ein geringer Prozentsatz, bei insgesamt knapp 100.000 Ausleihen und 2015 aktiven Nutzern im vergangenen Jahr. Aber der Anteil nimmt zu. „Belletristik wird am stärksten nachgefragt“, kann Kees außerdem vermelden. Bei Kindern und Jugendlichen sei noch Nachholbedarf bei der digitalen Ausleihe. Seit aber die Bücher auch auf Smartphones und Tablets gelesen werden können, steige auch die Zahl der jungen Nutzer. Mit mehr als 500 digitalen Medien ist die Gemeindebibliothek Mutterstadt seit Anfang Oktober 2014 bei der Onleihe-Rheinland Pfalz als Neueinsteiger mit dabei. „Im Anfangsmonat hatten wir 231 Entleihungen und 40 Nutzer zu verzeichnen. Mittlerweile sind es 350 bis mehr als 400 Entleihungen und über 60 Nutzer pro Monat in der Onleihe“, berichtet Büchereileiterin Birgit Bauer. Obwohl die Zahlen im Vergleich zu den „klassischen“ Ausleihen eher gering klingen, habe sich der Einstieg in die Onleihe gelohnt. „Kunden, die seit einigen Jahren der Bücherei fern geblieben waren, konnten wir als Neukunden durch das E-Book-Angebot reaktivieren“, hat Bauer beobachtet. Und Leser, die sich nur für die Onleihe interessieren, wurden Neukunden. Diese „stillen Nutzer“ nehmen das neue Angebot laut deren Aussage gerne während der Schließungszeit und rund um die Uhr wahr, sagt die Leiterin der Gemeindebibliothek. Es seien vor allem berufstätige Erwachsene, die nach den E-Books fragen. Zur Einführung der Onleihe „haben wir kräftig die Werbetrommel gerührt“, ergänzt Birgit Bauer. Fragen zur technischen Nutzung der E-Books gebe es wenige. „Onleiher“ kennen sich meist mit dem E-Book-Reader, PC, Tablet oder Smartphone aus. Kunden mit Sehschwäche, die gerne Großdruckbücher bei uns ausgeliehen haben, freuen sich jetzt über das aktuelle und große Angebot im Netz. Schließlich kann jeder angebotene Buchtitel der Onleihe auch als Großdruck gelesen werden. Das Angebot, die Bücher von zu Hause aus herunterzuladen, wird in Waldsee, Altrip oder Römerberg dagegen eher schleppend angenommen, berichten die Leiterinnen dieser Einrichtungen. Genaue Zahlen hat Altrips Büchereileiterin Magdalena Posmayer zwar nicht. Aber sie und ihre Kolleginnen sehen, dass es bei den kleineren Büchereien mit dem „Onleihe“-Nutzen noch etwas hapert. Auch von Neuhofen werde dies berichtet. An mangelnder Werbung könne es nicht liegen, sagt Isabell Mayer, Leiterin der Waldseer Bücherei. Es wurden Flyer verteilt, in Römerberg gab es Informationsnachmittage. „Die wurden gar nicht angenommen“, sagt Corinna Seel, Leiterin der Römerberger Mediathek. Nutzer können sich in Römerberg zum E-Book den Reader ausleihen. Das gibt es in Waldsee zwar nicht, aber Isabell Mayer überlegt, sich mit dem PC-Treff kurzzuschließen. Zurückhaltung kann Mayer schon verstehen: „Ich habe auch lieber ein Buch in der Hand als einen E-Book-Reader. Aber ich bin Neuem gegenüber aufgeschlossen. Und in Zukunft werden digitale Medien eine große Rolle spielen.“ Problematisch empfinden die Leser die kurze Leihfrist von 14 Tagen für ein elektronisches Buch. Es kann nicht verlängert und nicht vor Ende der Leihfrist zurückgegeben werden. Das Ende erfolgt automatisch: Nach 14 Tagen lässt sich der Text nicht mehr öffnen.