Rhein-Pfalz Kreis Nie gezweifelt
«Fussgönheim.» Immer wieder klingelt das Telefon. Rudolf Renner verhandelt Gemüse-Preise nach, koordiniert Aufträge und Mitarbeiter. Der 52-jährige Landwirt ist ein gefragter Mann an diesem Vormittag in Fußgönheim. Aber eigentlich geht es jeden Tag so. Im Winter, wenn Wurzelpetersilie und Pastinaken auf dem Plan stehen, beginnt der Tag „um halb sieben, sieben, manchmal auch um halb acht“, sagt Renner. Fünf Uhr ist es im Sommer, eine Stunde vor Arbeitsbeginn steht Renner auf. „Der Tag könnte manchmal schon mehr Stunden haben“, sagt Renner und lacht. Denn neben seinem Job ist da noch sein Hobby, das ebenfalls Einsatz und Zeit verlangt. Seit 35 Jahren ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr. „En kloore Haufe“, sagt er über seine Kameraden, „die Kameradschaft stimmt.“ Nicht mal 3000 Einwohner hat Fußgönheim. Aber 40 Leute engagieren sich in der Feuerwehr. „Das ist schon eine hohe Schlagzahl“, sagt Renner, „das findet man kaum woanders. Da tut sich auch Maxdorf schwer, mitzuhalten.“ Kleine Spötteleien für die Nachbarn gehören dazu. Denn wenn es im Einsatz drauf ankommt, ist man füreinander da und hilft sich gegenseitig. „In letzter Zeit habe ich mich ein wenig zurückgezogen“, sagt Renner, „in den ersten 20, 25 Jahren bin ich noch zu jedem Einsatz gerannt.“ Seine Laufbahn bei der Feuerwehr begann mit der Grundausbildung. Es folgten Sprechfunker-, Atemschutz-, Maschinisten- und Truppführer-Lehrgänge. Auch den Ersatzdienst für die Bundeswehrzeit leistete Renner bei der Feuerwehr in Fußgönheim. Inzwischen überlässt er das Feld aber auch gerne mal den Jüngeren. Trotzdem: „Es hat „noch nie in Frage gestanden, die Feuerwehr zu unterstützen.“ Genau hier kann Renner Job, Hobby und Ehrenamt verbinden. Seit mehr als 25 Jahren stellt er der Feuerwehr seine Fahrzeuge zur Verfügung, etwa um zum Jahresbeginn die Tannenbäume in der Verbandsgemeinde zu sammeln. Bei Festen stellt er regelmäßig seine Kühlräume bereit. Dann lagern dort neben Gemüse auch Bier, Wein und Wasser. Renner ist Gründungsmitglied des Fußgönheimer Feuerwehr-Fördervereins. Für sein Engagement bekam er jüngst die Auszeichnung „Partner der Feuerwehr“ vom Deutschen Feuerwehrverband und der Verbandsgemeinde Maxdorf verliehen. „Eine schöne Wertschätzung“, sagt Renner nur. Die Plakette hängt direkt neben dem Eingang zum Büro. Wieder klingelt Renners Telefon. Der Anrufer lässt ihn schmunzeln. Am anderen Ende ist Gerd Kirsch. Ausgerechnet Kirsch – es sieht aus wie abgesprochen, ist es aber nicht. Kirsch ist seit rund 20 Jahren Renners Werkstattleiter. Und er genießt viele Freiheiten seines Chefs, denn beide sind Feuerwehrkameraden. Kirsch, der mit 63 Jahren nun die Altersgrenze für den aktiven Dienst erreicht hat, war für jeden Einsatz freigestellt. Fast immer brachte er das erste Löschfahrzeug an die Einsatzstelle. Der Deutsche Feuerwehrverband möchte die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern, Feuerwehren und Kommunen fördern. Renner sei dafür ein Vorbild. Seine Werkstatt etwa steht für die Feuerwehr immer offen. Wenn es etwas zum Schweißen gibt, ist Kirsch Ansprechpartner. „Es gibt so viele Kleinigkeiten zu tun, da denkt man gar nicht dran“, sagt Renner. Zwischen ihm und seinem Werkstattchef herrscht großes Vertrauen – typisch Feuerwehr. Die Stimme der Landwirtschaft vertritt Renner auch für die FWG im Fußgönheimer Ortsgemeinderat. „Man braucht ab und zu ein paar Querdenker im Rat“, sagt er. Seinen Betrieb führt der Gärtnermeister in zweiter Generation. Er hat ihn zu einem modernen Unternehmen gemacht, sagt Renner, der 35 Festangestellte und etwa 180 Saisonarbeiter beschäftigt: „Eine riesige Verantwortung.“ 2007 hat die Firma neue Produktionsräume bezogen. Etwa 3,5 Hektar ist das Werksgelände groß, insgesamt bewirtschaft Renner rund 300 Hektar. Und irgendwo auf dieser Fläche findet sich über das Jahr verteilt immer ein Plätzchen für eine Übung der Feuerwehr. Seit drei Jahren lässt er die Kameraden im Sommer an der Anbauplattform an der großen Kühlhalle die Absturzsicherung trainieren. „Irgendeine Möglichkeit brauchen sie ja zum Üben“, sagt Renner nur, „ich versuche zu tun, was möglich ist.“ Auch, wenn der Tag nur 24 Stunden hat.