Rhein-Pfalz Kreis Nicht traurig sein
Dannstadt-Schauernheim. „Oh, du liebe Kerwe musst jetzt von uns geh’n“. Mit Trauermarsch, Predigt und Klageweibern hat sich Schauernheim am Dienstagabend von seiner Kerwe verabschiedet und sie stilvoll zu Grabe getragen. Damit lassen die Schauernheimer jedes Jahr die Tradition der Kerwebeerdigung aufleben, die man nur noch selten findet.
Nichts deutet auf den „traurigen“ Ausgang des Abends hin als auf dem voll besetzten Kerweplatz an der Grundschule der Shanty-Chor „Die Neckarmöwen“ musikalisches Küstenflair in die Pfalz transportiert. Aber dann kündigt Eugen Kuss von der Kerwegemeinschaft die Abschiedsreden der Kerwefrau Monika Seiberth-Hesch sowie der Kerweprinzessin Luisa I. Funk und ihres Hofmarschalls Yannick Sempert an. Sie blicken zurück auf eine tolle Kerwe, die neben Bewährtem wieder zahlreiche Neuerungen aufwies und trotz des zeitweise recht kühlen Wetters stets gut besucht war. Begonnen hatte alles mit dem traditionellen Kerweumzug zur Abholung der Kerweprinzessin und Ausgrabung der Kerwe. „Der Umzug war so groß wie nie“, sagte Ulrike Vogel von der Kerwegemeinschaft. Besonders gut kam die Ausgrabung der Kerwe am Bétheny-Platz an, mit der die Verbindung zwischen Alt- und Neu-Schauernheim gefestigt werden soll. Zur Freude der Besucher waren als Maskottchen einige als Eselchen verkleidete Kinder und Väter mit dabei, die bei der Kerwe-Ausgrabung halfen. „Das war eine spontane Idee der Kinder und sie haben sich sogar extra die Kostüme besorgt“, sagte Vogel, die sich über das Engagement freute. Auch die Vertreter des Jugendhauses bewiesen Tatkraft, indem sie während des Umzuges den Kerwebaum mitführten und ihn dann offiziell auf dem Kerweplatz aufrichteten. Durchhaltevermögen bewiesen die Schauernheimer Mütter, die erstmals mit Kindern und Bollerwagen mit dabei waren. Erfahren und souverän meisterte Ortsbürgermeister Bernd Fey (CDU) nicht nur den Fassbieranstich mit einem Schlag, sondern auch die musikalische Begleitung für die Lieder der Kindergartenkinder. Er erinnerte in seiner Rede an den in diesem Jahr verstorbenen Franz Gaisbauer, der über viele Jahre nicht nur als Kerweborsch, sondern in allen Belangen die Schauernheimer Kerwe maßgeblich geprägt habe und mit seinen Liedern den Menschen schöne Stunden bereitet habe. Höhepunkt des Sonntags war, neben dem traditionellen Kerwegottesdienst mit Pfarrer Thomas Niederberger, am Abend die Show „Schauremer Allerlei“. Ein großer Erfolg war auch der erstmals ausgerichtete Spielenachmittag am Montag. 70 Kinder nahmen teil. Lustig ging es am Abend beim Karaokesingen zu: „Ich hab noch nie mit so viel Spaß so vielen falschen Tönen gehabt“, sagte eine Kerwebesucherin. Am Dienstagabend war der Spaß dann vorbei. Ein blumengeschmückter Kerwesarg wurde, beweint von den Klageweibern, auf die Bühne getragen und nach der Trauerrede von Kerwepfarrerin Sylvia Calles zur Ruhe gebettet. Aber nur für ein Jahr, denn am ersten Septemberwochenende 2016 wird die Kerwe wiederauferstehen. (acl)