Rhein-Pfalz Kreis
Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde Maxdorf: Für eine gemeinsame Identität
Besser besucht als erwartet ist der Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde Maxdorf in der Mensa des Lise-Meitner-Gymnasiums gewesen. Bürgermeister Paul Poje freute sich über das Interesse der Bürger. Josef Fuchs erhielt den Ehrenbrief und besonderer Gast war Michael Naue, ein politischer Gefangener der DDR, der von seiner Inhaftierung und ihren Folgen erzählte.
Ehrenamtliches Engagement der Bürger und das Vereinsleben prägten auch 2019 die Verbandsgemeinde, sagte Maxdorfs Verbandsbürgermeister Paul Poje (CDU) bei seinem Neujahrsempfang. Es begann im Frühjahr mit der Fasnacht, bei der Birkenheider Kraniche und Maxdorfer Floßbachschwalben ausverkaufte Häuser bespielten. Oster- und Kunsthandwerkermarkt seien Erfolge geworden, die traditionellen Kerwen in den Orten seien dort ein beliebter „Ausnahmezustand“. Die Orgelwanderung zu drei Kirchen und Orgeln sei ein Beispiel für gelebte Ökumene, das Treffen mit Jugendlichen aus der Partnergemeinde Longvic in Maxdorf stehe für Völker verbindenden Austausch. Das Netzwerk Hilfe sei ursprünglich 2015 entstanden, um den damals vermehrt ankommenden Flüchtlingen zu helfen, heute engagiere sich das Netzwerk darüber hinaus für alle Hilfsbedürftigen in Maxdorf. Der 2019 neu gewählte Seniorenbeirat habe elf Mitglieder, die die Interessen von mehr als 4000 Senioren in der Verbandsgemeinde vertreten. 323 Einsätze hatte die Freiwillige Feuerwehr 2019. Die Kameraden seien jeden Tag, rund um die Uhr, einsatzbereit – wie sie unlängst an Silvester und Neujahr wieder bewiesen haben.
Anfangs wenig Begeisterung für Verbandsgemeinde
Das vergangene Jahr war von einigen Jubiläen geprägt: Der Fahr- und Reitverein Fußgönheim feierte sein 90-jähriges Bestehen, ebenso der Cäcilienverein. Und natürlich war da noch die Namensgebung der Ortsgemeinde Maxdorf vor 200 Jahren, die mit 20 Veranstaltungen gefeiert wurde. Auch die Verbandsgemeinde hatte ein Jubiläum: Sie entstand vor 50 Jahren mit der Verwaltungsreform, bei der Kreise und Gemeinden neu geordnet wurden. Wenn das auch nicht bei allen Betroffenen gleich auf Begeisterung stieß, in der Verbandsgemeinde Maxdorf seien Synergie-Effekte in der Verwaltung deutlich spürbar, sagte Poje. Es entstehe auch eine neue, gemeinsame Identität. Dafür steht auch das neue Logo der Verbandsgemeinde, das Poje zeigte und erläuterte.
Eine der Herausforderungen der Zukunft sind laut Poje die nötigen Kindergartenplätze. Große Projekte gibt es auch in der Infrastruktur: Straßen und Kanäle müssen beispielsweise ausgebaut oder saniert werden. Der Ausbau der Kläranlage, die Maxdorf im Zweckverband mit Lambsheim betreibt, werde Energie sparen, üble Gerüche vermeiden und das Ganze werde ohne Gebührenerhöhungen für die Bürger geschehen, versicherte der Bürgermeister.
DDR-Zeitzeuge spricht über totalitäre Systeme
Josef Fuchs wurde mit dem Ehrenbrief der Verbandsgemeinde für sein besonderes Engagement in Kommunalpolitik und Vereinsleben geehrt. Der 82-Jährige habe seit vielen Jahren den ASV Birkenheide mit geprägt, war in Orts- und Verbandsgemeinderat aktiv, singt im Volkschor und ist bei den Kranichen im Elferrat. Mit Sportler-Ehrenbriefen wurden zahlreiche Schützen, Fußballer und Leichtathleten für ihren Erfolg geehrt.
Gastredner Michael Naue wurde 1966 in Ost-Berlin geboren und kam auf Pojes Wunsch nun nach Maxdorf. Er hatte ihn bei einer Berlin-Exkursion kennengelernt. Schon früh war Naue unangepasst, flog mit 14 Jahren von der Schule und musste Gleisbauer werden. „Weil ich frei sein wollte, wollte ich fliehen“, sagte er. Dreimal hat er es versucht, wurde angeschossen und verhaftet. Im Gefängnis Naumburg und später in Hohenschönhausen wurde er misshandelt. Ziel sei gewesen, die Menschen körperlich und geistig zu brechen, erst dann sollten sie in den Westen „verkauft“ werden. Laut Naue hat Westdeutschland 68.000 politische Gefangene freigekauft, er war 1984 einer von ihnen. Seine Peiniger seien heute noch frei, lebten gut von ihren Pensionen. Naue engagierte sich für die Einrichtung von Gedenkstätten in den früheren Gefängnissen. Angesichts sinkender Wahlbeteiligungen und zunehmenden rechten Strömungen der Gesellschaft sei es wichtig, über totalitäre Systeme zu informieren.