Rhein-Pfalz Kreis Neues Zuhause für 150 Menschen

Dannstadt-Schauernheim. Eineinhalb Jahre ist es her, dass hier Ackerfläche war, wohin das Auge reichte. Heute ragt an derselben Stelle das Pflegezentrum nebst Restaurant empor, daneben stehen um die große Plaza die drei Anlagen für betreutes Wohnen. Einer mangelt es noch am Dach, das sie in den nächsten Tagen aufgesetzt bekommt. Außerdem vermissen Kenner des Großprojekts die drei Seniorenbungalows. Ein großer Erdhaufen deutet jedoch an, dass die Bauarbeiten dafür bald beginnen. Der Fortschritt ist beachtlich. „Wir liegen sehr gut im Zeitplan und genau im Kostenrahmen“, erklärt Investor Volker Kempf, Geschäftsführer der Kempf Wohnbau GmbH, zufrieden. „Jetzt können wir mehr vorweisen als nur vage Vorstellungen, was einmal sein könnte“, sagt er nicht ohne Stolz. 20.000 Tonnen Erde sind hierfür seit dem Spatenstich vor 18 Monaten bewegt, 45.000 Kubikmeter Gebäude geschaffen, 10.000 Quadratmeter Wohnfläche errichtet worden. „Das ist genug Platz, um 150 Menschen ein neues Zuhause zu bieten und circa 70 einen Arbeitsplatz“, sagen Kempf und Manfred Hofmann, Geschäftsführer der Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH (WBG). Sie wird das Seniorenzentrum betreiben, und zwar mit einem modernen Konzept, das den verschiedenen Bedürfnissen der Senioren gerecht werden soll. Das bedeutet je nach Bedarf buchbare Unterstützung im betreuten Wohnen – Putzen, Einkaufen, Reinigung. Der Clou im Pflegeheim: Die bis zu 65 Senioren leben in sechs Wohngruppen zusammen. Jeder der bis zu elf Bewohner hat sein eigenes Zimmer, gekocht und gegessen wird gemeinsam in einer großen Küche. Wie das aussehen soll, zeigt die Musterwohngruppe im ersten Obergeschoss, die bereits komplett eingerichtet ist – einschließlich Möbel, Tapeten, Küchengeschirr. Und die sich die Baustellenbesucher am Wochenende ausgiebig anschauen können – die geladenen Gäste am Freitag, alle anderen am Samstag beim Tag der offenen Tür. Die Bewohner sollen außerdem dazu ermutigt werden, in dem kleinen Supermarkt im Erdgeschoss Artikel für den täglichen Bedarf einzukaufen. „Etwa die Zutaten für das Essen“, erläutert Ulrich Heberger, der die insgesamt fünf Häuser des Seniorenzentrums als Geschäftsführer für die WBG leiten wird. Die einzelnen Zimmer sind behindertengerecht. Das reicht von den Betten, die für intensive Pflege geeignet sind, bis zum geräumigen Bad samt WC. Dazu gibt es eine ausgeklügelte Lichtsteuerung, die in den Wohngruppen den jeweiligen Sonnenstand beziehungsweise einen Tag-Nacht-Zyklus simuliert. „Morgens beginnen wir mit sanftem blauem Licht, später kommt rotes dazu“, erläutert Heberger. Das trage viel zum Wohlfühlen der Bewohner bei, nicht zuletzt derjenigen, die sich überwiegend drinnen aufhalten. Darüber hinaus ist die Beleuchtung so eingestellt, dass die Menschen keine Schatten werfen. „So vermeiden wir, dass zum Beispiel Demenzkranke vor ihrem eigenen Schatten erschrecken und sich verfolgt fühlen“, sagt er. Die Gäste, die in kleinen Gruppen durch die Wohngruppe gelotst werden, lauschen den Ausführungen aufmerksam. Sofort wandert der Blick gen Boden. Tatsächlich kein Schatten. Die Augenbrauen heben sich anerkennend. Daneben gibt es 20 Wohneinheiten für behinderte Menschen und ihre Eltern, damit diese – wenn die Eltern oder die Kinder pflegebedürftig werden – weiter zusammenleben können. Und auch hier wartet wieder die größere Gemeinschaft der Mitbewohner, in die sie eingebunden werden. Im Dachgeschoss sind ein Veranstaltungs- und ein Therapieraum vorgesehen. Hier wuseln zurzeit noch die Bauarbeiter herum und hantieren geschäftig mit allerlei Werkzeug. Die Dachterrasse gibt allerdings schon jetzt einen wunderbaren Blick auf die Haardt frei. Ein Großteil der Wohnungen im Seniorenzentrum ist schon verkauft – im Gegenwert von insgesamt rund 18 Millionen Euro. „Der Bedarf war da. Einige Leute haben ihre Häuser verkauft, die ihnen zu groß waren, nachdem die Kinder aus dem Haus waren“, berichtet Kempf. Die meisten Käufer stammen demnach aus Schauernheim und dem benachbarten Ortsteil Dannstadt, aber auch aus Rödersheim-Gronau. „Das sind 90 Prozent unserer Kunden“, sagt er. Auch die Pflege- und Service-Appartements sind ihm zufolge schon gut verkauft, nur einige wenige seien noch frei. „Das Seniorenzentrum war die größte Herausforderung in der Firmengeschichte“, gesteht Manfred Hofmann. „Wir waren zwar keine Anfänger, aber in Schauernheim wollten wir nicht nur ein Pflegeheim, sondern ein komplettes Seniorenzentrum bauen.“ Mächtig stolz ist Bürgermeister Stefan Veth (CDU). „Es ist ein tolles Konzept, das überzeugt“, sagt er. Und erinnert an die diversen Schwierigkeiten auf dem Weg dahin. Dank gebühre vor allem seinen Mitarbeitern, denen es gelungen sei, bei der privaten Erschließung alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Ortsbürgermeister Bernd Fey (CDU) spricht von einem Tag des Stolzes und der Freude. Die Grundlage dafür habe der Ortsgemeinderat im Herbst 2006 geschaffen, als er 10.000 Quadratmeter als Sonderfläche auswies. „Das war eine weise Entscheidung und eine pragmatische Antwort auf die demografische Entwicklung“, erklärt er. Was seit dem Spatenstich im November 2013 geschaffen wurde, bezeichnet er als eindrucksvoll und bewundernswert.