Dannstadt-Schauernheim
Neues Pumpwerk wird teurer als geplant
Das Pumpwerk ist nötig, um das im erweiterten Gewerbegebiet anfallende Schmutzwasser entsorgen zu können. Das Gebäude reicht sechs Meter tief in die Erde. „Die Tiefbauarbeiten und der Keller sind bereits fertig“, informierte Sebastian König vom Ingenieurbüro ipr Consult nun den Verbandsgemeinderat Dannstadt-Schauernheim. Der Anschluss an die bestehende Kanalisation auf der Westseite in 5,50 Metern Tiefe sei ebenfalls schon hergestellt.
Den etwa 300 Meter langen Kanal, in dem das Abwasser vom Gewerbegebiet zum Pumpwerk fließen soll, auf der Ostseite in sechs Metern Tiefe an den Neubau anzuschließen, habe sich indes als überraschend schwierig erwiesen. Denn für die erforderlichen Arbeiten müsse die Baustelle trocken sein. Da das Grundwasser in diesem Gelände bis einen Meter unter die Erdoberfläche reicht, sollte es eigentlich rund um den geplanten Anschluss bis auf sechs Meter abgesenkt werden.
Genau das hätten das beauftragte Bauunternehmen und eine eigens nachträglich beauftragte Spezialfirma seit Oktober 2020 versucht. Doch tiefer als vier Meter hätten sie das Grundwasser nicht bekommen. „Im Februar 2021 mussten wir schließlich einsehen, dass es unmöglich ist“, berichtete König.
Deshalb müssen die Beteiligten nun auf die aufwendigere und daher wesentlich teurere Methode zurückgreifen, die sie eigentlich vermeiden wollten: rund um die Anschlussstelle wasserdichte Spundwände in die Erde rammen und so das Grundwasser von der Baustelle fernhalten. Sind die Anschlussarbeiten erledigt, werden die Spundwände wieder entfernt. Die Mehrkosten für diese Methode betragen rund 257.000 Euro. Zudem müssen der Abwasserkanal zwischen Pumpwerk und Gewerbegebiet höher verlegt werden als geplant und an der Erschließungsstraße ein kleines Hebewerk errichtet werden. Mit der Planung für diese beiden Vorhaben hat der Verbandsgemeinderat ipr Consult für rund 26.000 Euro betraut.
Zweifel am Sinn des Pumpwerks
Uwe Schölles (SPD) bezeichnete das Vorgehen der Beteiligten als einleuchtend. Allerdings, fand er, hätte ihnen bekannt sein können, dass der Grundwasserpegel dort hoch ist. „Wir sind nicht blauäugig an dieses Projekt herangegangen. Es gab vorher umfangreiche Bodenuntersuchungen“, hob Bürgermeister Stefan Veth (CDU) hervor. Diese Probebohrungen hätten jedoch nahegelegt, dass sich das Grundwasser mit der zunächst angedachten Methode ausreichend absenken lässt. Die schwierigen geologischen Verhältnisse – es gibt dort mehrere unterschiedliche Bodenschichten – hätten sich am Ende aber als unbeherrschbar erwiesen. „Manchmal kann man die Natur eben nicht so kontrollieren, wie man glaubt“, sagte er.
Ralf Klein (Grüne) hinterfragte den Sinn, ein solches Pumpwerk in einem derart schwierigen Gelände zu bauen. Nun stiegen die Kosten erneut – diesmal um eine Viertelmillion plus X. Denn wie teuer das Hebewerk werde, stehe noch nicht fest. Das erinnere ihn an Stuttgart 21. Diesen Vergleich wies Veth empört zurück. Die Mehrkosten bewegten sich auf einem für ein 2,8-Millionen-Euro-Projekt üblichen Niveau und seien weit von den Stuttgarter Milliardenbeträgen entfernt.