Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Palliativdienst: Gemeinsam auf dem letzten Weg

Natürlich sei Palliativarbeit nicht immer leicht, sagen die Sterbebegleiterinnen Ulrike Libori (links) und Palliatina-Geschäftsf
Natürlich sei Palliativarbeit nicht immer leicht, sagen die Sterbebegleiterinnen Ulrike Libori (links) und Palliatina-Geschäftsführerin Yvonne Jendryssek. Trotzdem brennen sie für ihre Aufgabe.

Menschen mit einer unheilbaren Krankheit zu helfen, daheim, in Pflegeheimen oder anderen Institution Schmerzen zu lindern, das ist das Ziel eines neuen Maxdorfer Palliativdienstes. Es geht um ein menschenwürdiges Leben bis zum Schluss.

„Es ist das größte Geschenk, dass Menschen auch in solch einer schwierigen Phase zu Hause bleiben können.“ Davon ist Yvonne Jendryssek, Geschäftsführerin des ambulanten Maxdorfer Palliativdiensts Palliatina, überzeugt. 25 Jahre lang hatte die 59-Jährige in einer onkologischen Schwerpunktpraxis gearbeitet, aber irgendwann stellte sich bei ihr das Gefühl ein, dass dabei immer etwas fehlte. „Dass ich etwas verpasse“, empfand sie und meint damit die damals fehlende Möglichkeit, die dort behandelten Menschen auch wirklich bis zum Ende begleiten zu können. So sei die Idee entstanden, ein eigenes Palliativnetz zu knüpfen, erzählt sie.

Im April 2021 ging Palliatina an den Start, mittlerweile gehören acht ausgebildete Palliativ-Fachkräfte und vier Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Palliative Care“ zum Team. Nötig seien aber nicht nur entsprechendes Personal und passende Räume, sondern auch die Vernetzung der verschiedenen Institutionen, also die Zusammenarbeit zwischen Fachärzten, Physiotherapeuten und Pflegediensten. „Das ist das A und O“, sagt Jendryssek. Ihr Zuständigkeitsbereich betreffe die Symptomlast und nicht die Pflege, daher sei ein Zusammenwirken so wichtig. Dazu gehörten auch die Angehörigen. „Ohne die geht es nicht“, sagt die Teamchefin.

Zwischen 28 und 97 Jahre alt

Im Versorgungsgebiet, das Ludwigshafen, Birkenheide, Maxdorf, Fußgönheim, Altrip, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee umfasst, sind die Betroffenen momentan zwischen 28 und 97 Jahre alt. Für sie und deren Angehörige sind die Helfer „rund um die Uhr“ erreichbar, stets seien eine Schwester oder ein Pfleger sowie ein Mediziner in Bereitschaft, sagt Jendryssek.

Den Wunsch der Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium leiden, bis zum Tod zu Hause bleiben zu können, zu erfüllen, sieht sie als ihren Auftrag an. „Wichtig ist, dass die Menschen uns rechtzeitig mit ins Boot nehmen“, hebt Jendryssek hervor. So könne eine Beziehung wachsen. Dabei gehe man mit den Patienten in individuellem Tempo und nicht auf der Überholspur. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie sind, und nicht, wo wir sie haben wollen“, unterstreicht sie.

Tränen sind erlaubt

Pflegedienstleiterin Ulrike Libori sieht das genauso. „Und wenn der Patient lieber auf der Couch liegen möchte, dann ist das eben so“, ergänzt die 53-Jährige. Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin wollte noch vor ihrem 50. Geburtstag ein selbst gestecktes Ziel erreichen und begann vor vier Jahren mit der 200 Stunden umfassenden Weiterbildung in Palliativ-Care. „Das wollte ich immer schon“, blickt sie zurück. Als sie dann Yvonne Jendryssek traf, war sie begeistert von deren Plänen, sich selbstständig zu machen. Sofort war für sie klar: „Da will ich mitgehen.“ Froh ist sie, auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen und sich die Zeit dafür nehmen zu können. Für Erstgespräche würden auch mal zwei Stunden benötigt, ist ihre Erfahrung. Es werde Wert darauf gelegt, dass der Patient eine Pflegekraft als Bezugsperson habe, auf die er sich verlassen und von der er sagen kann: „Das ist meine Schwester.“ Alle Mitarbeiter planen die Hausbesuche selbst.

Natürlich sei eine Sterbebegleitung nicht immer leicht, und man müsse aufpassen, nicht selbst dabei zugrunde zu gehen. Doch dürfe und müsse man es zulassen, auch mal traurig zu sein und zu weinen. Würde man sich keine Empfindungen zugestehen, „wäre man verkehrt in diesem Beruf“, sagt Jendryssek. Um besser mit den Situationen umgehen zu können, pflegt das Team von Palliatina einmal in der Woche ein Ritual, um sich von Verstorbenen zu verabschieden. Dabei werden deren Namen auf Kärtchen geschrieben, und es wird mit kleinen Geschichten ihrer gedacht.

„Abschied ist immer gut“, sind sich die beiden Sterbebegleiterinnen einig. Auch darin, dass die Dankbarkeit ihrer Kunden das Schönste ist. Dass sie immer wieder zu hören bekämen: „Ohne euch hätten wir das nicht geschafft.“ Das bringe die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben. „Das macht uns stark“, versichern beide und schöpfen daraus gemeinsam mit dem Team Kraft und Motivation für kommende Aufgaben.

Im Netz

www.palliatina.de

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