Bobenheim-Roxheim
Neuer Pächter für Silberseekiosk ausgesucht
Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte es sicher gut gemeint mit seinem Vorhaben, aus den 19 Bewerbern, die nach der Kündigung der bisherigen Kioskbetreiber probeweise den Badestrand mit Gastrobereich und Liegewiese am Silbersee bewirtschaften wollen, im Vorfeld eine Auswahl zu treffen. Am Donnerstagabend musste er sich dann aber doch rechtfertigen und erklären, ob und welche Vorgaben die Verwaltung den Kandidaten zu Beginn des Bewerbungsprozesses gemacht hat.
Da ging es zum einen um die Frage, ob „Events“ zugelassen werden und was genau den eigentlich darunter zu verstehen sei. Zum anderen, ob der Betrieb ganzjährig oder nur im Sommer erlaubt sein soll und was mit Blick auf die sensible Flora und Fauna – das Silberseeareal ist schließlich gleich ein mehrfaches Schutzgebiet – den Bewerbern vorgegeben wurde. „Da gab es definitiv Irritationen. Ich will Klarheit schaffen, was am Silbersee passieren soll“, sagte Müller. „Es wird dort definitiv kein Event wie den Auftritt der Toten Hosen oder ähnlicher Größe geben.“
CDU: Ausschreibung war „stümperhaft“
Es brauche aber eine Eventfirma, die sich sowohl mit dem gastronomischen Aspekt der Pacht als auch mit der Steuerung von Menschenmassen am Badestrand und auf dem Parkplatz auskenne, bekräftigte der Bürgermeister erneut seine Kriterien für die Auswahl der Favoriten. „Sie müssen mehr können als nur Bier zapfen und Bratwurst braten.“ Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie kritisch die Situation am Silbersee werden kann, wenn plötzlich 1000 bis 2000 Menschen pro Tag auf das Areal strömen.
Kritik für die Art und Weise, wie Müller und seine Verwaltung das Thema angegangen sind, gab es vor allem von der CDU. „Es existieren keine festen Grundsätze für die Vergabe, und Sie agieren nach Gutdünken“, sagte etwa Michael Voll. Die Ausschreibung sei „stümperhaft“ gewesen und habe viele wichtige Punkte, etwa die Themen Müllentsorgung und Schutz der Landschaft, nicht angesprochen, monierte der Christdemokrat. „Wir müssen jetzt entscheiden, ohne die genauen Inhalte zu kennen“, stellte Voll fest.
Er ärgerte sich auch darüber, dass von den vielen lokalen Bewerbern keiner aus Bobenheim-Roxheim in die engere Auswahl kam. Voll führte auch an, dass sich der BUND im Rhein-Pfalz-Kreis mit einer E-Mail an die Verwaltung gewendet und die Unklarheit der Ausschreibung kritisiert habe. Die Naturschützer seien ebenfalls der Meinung, dass noch viele Aspekte mit den Bewerbern zu klären seien, bevor man eine Entscheidung treffen könne. „Aber Zeit für ein faires Verfahren haben wir wohl nicht mehr“, sagte Voll.
FWG: Kein Ballermann am Silbersee
Auch Frank Sommer von den Grünen mahnte, „dass das Verfahren gehinkt habe“. Die fehlenden Vorgaben zum Naturschutz bemängele seine Fraktion stark. „Wir wollen einen freien Badestrand ohne Eintritt, aber mit Naturschutz und suchen dafür einen Partner mit Erfahrung“, fasste er die wichtigsten Kriterien seiner Partei zusammen.
Dem schloss sich auch Manfred Schärf (FWG) an und plädierte für die Erhaltung der „Ursprünglichkeit und Natürlichkeit“ des Seeareals, die auf all Fälle gewahrt werden müsse – egal, welcher Bewerber den Zuschlag bekomme. Und Hans-Georg Löcher (FWG) meinte: „Wir können uns mit vielen Arten von Events anfreunden, aber wir wollen keinen Ballermann am Silbersee.“
Auf den Vorschlag der SPD-geführten Verwaltung, die zur Sitzung das Bewerberfeld auf zwei Kandidaten – das Unternehmen Bauer Reisegastronomie (Strandbar 443 in Worms) als Wunsch- und das Team „Ocean Breeze“ von Ralph Meister aus Beindersheim zusammen mit Eventtechniker Andy Reeg als Ersatzkandidat – verkleinert hatte, konnten sich Vertreter von CDU, FWG und Grüne dennoch verständigen. „Die Firma Bauer ist ein geeigneter Partner“, befand etwa Frank Sommer (Grüne). Auch Christian Reber (CDU) lobte das „schlüssige Konzept“.
Meister: Wahl zwischen Pest und Cholera
Gerechnet hatten aber wohl sowohl Bürgermeister als auch Ratsmitglieder nicht mit dem, was dann geschah. Beide Kandidatenteams waren am Donnerstagabend ebenfalls in die Jahnhalle gekommen und hatten sich die Debatte aus dem Zuschauerraum angehört. Auf Wunsch der Ratsmitglieder, die die Präsentationen der Bewerber nicht in der Ausschusssitzung Anfang des Monats gesehen hatten, stellten sich beide kurz vor. Als sich nach René Bauer auch Ralph Meister von seinem Stuhl erhob, ließ er die Ratsmitglieder sprachlos zurück: „Die Ratsmitglieder haben heute viele Bedenken geäußert und müssen hier heute meiner Meinung nach zwischen Pest und Cholera wählen. Diese Entscheidung wollen wir Ihnen nicht zumuten, also ziehen Andy Reeg und ich unsere Bewerbung zurück.“
Das nahmen die Ratsmitglieder und der Bürgermeister verblüfft zur Kenntnis. Der Rest war dann nur noch eine Formsache. Mit der Rückendeckung aus der SPD-Fraktion bei nur einer Enthaltung und einer Gegenstimme votierten die Ratsmitglieder dafür, in die Vertragsverhandlungen mit der Wormser Firma Bauer Reisegastronomie zu gehen. Das soll auf Wunsch aller im Rat nun möglichst schnell passieren, damit es pünktlich zum 1. Mai am Silbersee wieder losgehen kann.