Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Nachwuchssuche: Polizei sucht dringend junge Leute

Bei der Demonstration der Ausrüstung von Nicholas Minikus schauen die Jugendlichen ganz genau hin.
Bei der Demonstration der Ausrüstung von Nicholas Minikus schauen die Jugendlichen ganz genau hin.

Diesmal jagt die Polizei keine Übeltäter – sondern nach künftigen Kollegen. Auch die Inspektion Schifferstadt hat interessierte junge Leute eingeladen, um Nachwuchs zu gewinnen. Die Vielseitigkeit des Berufs könnte locken.

„Es fehlt uns an Nachwuchs. Sehr“, verdeutlicht Polizeihauptkommissarin Jessica Deutsch. Sie ist bei der Polizeiinspektion (PI) Schifferstadt zuständig für Jugendsachen und zugleich Einstellungsberaterin. Diese Aufgabe teilt sie sich mit den Polizeioberkommissaren Marcus Matthias und Nicholas Minikus. Die drei haben zu einem Informationsabend eingeladen. Knapp 20 Jugendliche sind gekommen. Teils seien sie über Soziale Medien auf die Veranstaltung aufmerksam geworden, mehrere auch über Freunde und Verwandte, die schon im Polizeidienst arbeiten. Zudem verteilt die Polizei Rheinland-Pfalz Broschüren. Und auf jedem Polizeiwagen sind ein Hinweis, wie etwa „Komm ins Team!“, und ein QR-Code, der zur Internetadresse der Polizei führt.

Das Hauptargument für ihren Beruf, das alle drei Polizisten übereinstimmend nennen, ist die Vielseitigkeit. Jessica Deutsch nimmt hierfür ein Werbeplakat, auf dem acht Männer und Frauen aus dem Polizeidienst abgebildet sind und lässt die jungen Leute deren Dienst erraten. Nicht bei allen Abgebildeten erschließt sich das auf den ersten Blick, wie etwa bei der Frau mit Hund, die natürlich zur Hundestaffel gehört. Und der junge Mann, der Helm und Beinschützer trägt, wird auch korrekt der Bereitschaftspolizei zugeordnet.

Wer ist der unrasierte Typ?

Aber wer ist der unrasierte Typ mit T-Shirt und Jeans? Der hat einen Laptop unterm Arm und gehört zur IT-Truppe, den Digitalspezialisten der Polizei, die zum Beispiel mit Datenklau und anderen Straftaten im Bereich Internet und Computer zu tun haben. Die Frau mit dem leuchtend weißen Hemd? Wasserschutzpolizei. Die Kriminalpolizistin trägt Zivil. Und der Mann im schwarzen Anzug mit Fliege ist nicht der nächste James Bond, sondern Musiker in einem der Musikkorps der Polizei. Auch ein Mann aus der Abteilung Verwaltung und Planung ist abgebildet sowie eine Frau der Schutzpolizei. Und es gebe auch noch weitere Spezialisten, die nicht abgebildet sind, etwa Hubschrauber-Piloten oder bei der Spurensicherung.

Am Beginn der Polizeikarriere stehe das Bachelor-Studium Polizeidienst an der Hochschule der Polizei im Hunsrück nahe beim Flugplatz Hahn. Das Studium könne man nicht nur mit Abitur erreichen, sondern auch mit einem Meisterbrief, einer abgeschlossenen Berufsausbildung mit zwei Jahren Berufserfahrung, oder mit mittlerer Reife und dann einem Abschluss an einer Höheren Berufsfachschule, etwa in Ludwigshafen. „Dieser Weg hat sogar einige Vorteile“, sagt Nicholas Minikus, „denn dann seid ihr schon genau auf das Studium vorbereitet und habt auch Praktika gemacht.“ Freilich sind auf dem Weg zum Polizeiberuf noch ein paar Hürden zu nehmen. Noten und Abschlüsse alleine reichen nicht. Die Körpergröße muss mindestens 162 Zentimeter betragen. Wer knapp darunter liegt, aber den Fitnesstest gut besteht, kann trotzdem genommen werden. „Der Fitnesstest ist zu schaffen. Es geht hier nicht um Leistungssport“, sagt Marcus Matthias.

Garantiert einen Arbeitsplatz

Auch die geistige Leistungsfähigkeit wird getestet. Aber auch da kann man sich vorbereiten. Und es wird ein psychologisches Profil erstellt. Dass sich die künftigen Polizisten zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und nicht vorbestraft sein dürfen, versteht sich von selbst. Die Ansprüche an die Bewerber sind begründet: „Wir wollen Leute, die wirklich für den Dienst geeignet und motiviert sind“, erläutert Matthias. Zudem lasse sich der Staat die Ausbildung viel kosten. Dafür aber gebe es eine krisensicheren Beruf und garantiert einen Arbeitsplatz.

Die Einstellungsberater haben verschiedene Ausrüstungsgegenstände mitgebracht. Dazu gehören passiver Schutz, wie etwa die ballistische Weste mit dem zugehörigen Helm. „Mit der ganzen Ausrüstung trägt man da etwa 30 Kilo. Da muss man schon fit sein“, sagt Minikus. Am Gürtel der Streifenpolizisten finden sich ein Teleskopschlagstock, Pfefferspray, der Taser genannte Elektroschocker und, wenn gar nichts anderes mehr hilft, auch die Schusswaffe. „Im Training wird vermittelt, immer das Mittel einzusetzen, welches das Gegenüber am wenigsten schädigt. Zugleich müssen wir aber uns selbst und andere schützen können“, erklärt Matthias.

Bei den Interessenten fand die Veranstaltung Anklang. „Ich finde gut, dass es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt“, sagt der 18-jährige Nisse. Er habe sich noch nicht endgültig für diesen Beruf entschieden und werde die Entscheidung nach seinem Schulabschluss treffen. Jonathan ist erst 14 Jahre alt, weiß aber schon, dass er Polizist werden will. „Ich finde es gut, die Welt sicherer zu machen“, sagt er. Freunde seines Vaters seien Polizisten und haben ihn auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Selina (21) macht gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr. „Ich habe mich sogar schon beworben“, sagt sie. Polizistin zu werden, sei seit der Grundschule ihr Traum. Welchen der verschiedenen Dienste sie dann anstrebt, sei aber noch nicht sicher.

Im Netz

www.polizei.rlp.de/karriere

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