Rhein-Pfalz Kreis Nachruf: Karl Freidel gestorben

Karl Freidel war Chronist des Fußgönheimer Ortsgeschehens.
Karl Freidel war Chronist des Fußgönheimer Ortsgeschehens. Foto: Lenz

Karl Freidel ist am Samstag im Alter von 81 Jahren gestorben. Er hat sich für sein Heimatdorf Fußgönheim eingesetzt. Ohne ihn wäre wohl das Schloss im Ort verfallen. Er hat das Heimatmuseum mit ins Leben gerufen und das Deutsche Kartoffelmuseum mitgegründet. Für die RHEINPFALZ berichtete er mehr als sechs Jahrzehnte als freier Mitarbeiter über seinen Heimatort.

Im Alter von 30 Jahren gab Karl Freidel den Impuls, den Heimat- und Kulturkreis Fußgönheim zu gründen. Er hatte als junger Mann erkannt, dass etwas unternommen werden musste, um das Schloss zu retten.

Das Schloss wurde in den Jahren 1728 bis 1731 für das Adelsgeschlecht Hallberg erbaut. 1815 wurde es versteigert und wechselte mehrfach den Besitzer. Das Gebäude wurde als Laden, Scheune und Lager genutzt. Der Zahn der Zeit nagte an dem Gemäuer. 1968 gründete Karl Freidel mit historisch interessierten Menschen den Heimat- und Kulturkreis Fußgönheim. Das Ziel war klar: Das Schloss sollte gerettet werden. Mit großer Beharrlichkeit setzte sich Freidel dafür ein. 1972 wurde schließlich das Schloss von der katholischen Kirchengemeinde Fußgönheim erworben und mit großem Aufwand restauriert. Im ehemals weltlichen Mittelteil wurde ein großer Kirchenraum eingerichtet und mit Barockinventar ausgestattet – die heutige katholische Kirche St. Jakobus. Die historische Schlosskirche ist zur Seitenkapelle geworden. Der ehemalige Schlossgarten wurde wiederhergestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Vorsitzender des Heimat- und Kulturkreises (HKK) beeinflusste Karl Freidel von 1978 bis 2013 diese Entwicklung maßgeblich.

Die Mitglieder des HKK beteiligten sich an der Renovierung des Schlosses und richteten im Gebäude auch ein vielbeachtetes Heimatmuseum ein. Freidel und seine Mitstreiter sorgten auch dafür, dass der Erbauer des Schlosses und seine Frau nachträglich in der Gruft ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Rettung des Schlosses war eine Lebensaufgabe und doch setzte sich Freidel auch noch für die Schaffung des „Deutschen Kartoffelmuseums“ in Fußgönheim ein, das 1996 in die renovierte ehemalige Synagoge des Ortes zog – ein weiterer Kraftakt, den Freidel mit dem Kartoffelmuseumsverein stemmte.

Für sein Engagement wurde Karl Freidel 1999 mit der Landesehrennadel ausgezeichnet. Der damalige Landrat Ernst Bartholomé (CDU) würdigte Freidels Engagement: Er habe das Ortsbild Fußgönheims mitgeprägt und für seine „Projekte geduldig dicke Bretter gebohrt“.

Ab 1958 schrieb Freidel unter dem Kürzel „fll“ für die RHEINPFALZ. Er war Chronist des Ortsgeschehens. Für die Redaktion war er ein wertvoller Hinweisgeber. Bisweilen half auch seine Frau Brigitte im „journalistischen Familienbetrieb“ mit. Stolz waren die beiden auf ihren Sohn Thomas, der Franziskanermönch wurde und sich als Seelsorger in Assisi um Pilger kümmert. Fast genau ein Jahr nach dem Tod seiner geliebten Frau ist Karl Freidel nun gestorben.

Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten. Ohne ihn würde Fußgönheim heute anders aussehen. Karl Freidel ist durch sein Wirken selbst ein Stück Ortsgeschichte geworden. Am Donnerstag wird er um 14 Uhr auf dem Friedhof in Fußgönheim beerdigt.

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