Lambsheim
Nach den Vibro-Trucks: Wie es mit Geothermie weitergeht
Die Haushaltslage ist in so manchem Dorf in der Vorderpfalz angespannt. Auch wenn es in diesem Jahr in Lambsheim noch gut aussieht, spätestens ab dem kommenden Jahr muss sich die Gemeinde etwas einfallen lassen. Da muss es geradezu verlockend wirken, wenn Vertreter des Geothermieprojekts im Oberrheingraben in der Ortsgemeinde vorstellig werden und mit einer möglichen finanziellen Beteiligung locken. Doch das ist Zukunftsmusik.
In der Woche der jüngsten Gemeinderatssitzung Ende Februar waren die Vibro-Trucks – das sind Seismik-Spezialfahrzeuge mit Vibratoren – gerade unterwegs. Am vergangenen Freitag dann verkündete das Unternehmen Vulcan Energy, die Messungen, die sogenannte 2D-Seismik, in der Vorderpfalz seien abgeschlossen. Die Gemarkungen von Lambsheim und Heßheim liegen auf dem nördlichsten Zipfel der rund 70 Kilometer langen Tour der Rüttelfahrzeuge, die sich vom Rhein aus bis nach Bad Dürkheim, Ruppertsberg und Richtung Süden bis Mutterstadt erstreckt hat.
Vertreter von BASF und Vulcan Energy kommunizierten im Lambsheimer Rat öffentlich, warum dieses Projekt für sie so wichtig ist – und was für die Gemeinde dabei rausspringt. Erstgenanntes ist bereits mehrfach berichtet worden: Vulcan Energy will die unterirdische Erdwärme nutzen, um oberirdisch die BASF und Haushalte in der näheren Umgebung mit der Wärme zu versorgen. Parallel hofft das Unternehmen, aus dem nach oben beförderten Wasser Lithium extrahieren zu können, das für diverse Industrien wertvoll für die Herstellung von Batterien ist.
Vulcan: Möglichst nah an BASF bleiben
Die Ratsmitglieder hatten die Gelegenheit, die Fragen loszuwerden, die ihnen rund um das Projekt auf dem Herzen lagen. Dabei ging es auch um die Frage der Entschädigung, wenn aufgrund des Einsatzes der Rüttelfahrzeuge Schäden an Häusern entstünden. Vulcan-Vertreter Thomas Franzen informierte, da man sich im Bergrecht bewege, stehe die ausführende Firma bei Schäden in der Pflicht nachzuweisen, dass sie nicht Verursacherin ist. Ein womöglich betroffener Hauseigentümer müsse demnach also nicht nachweisen, dass der Schaden nicht schon vorher da war. Kleinere Schäden bezahle die Firma selbst, bei größeren greife eine Versicherung.
Nach der gerade abgeschlossenen 2D-Seismik erfolgt eine erste Auswertung der ausgemessenen Bereiche. „Nun werden die gewonnenen Daten prozessiert und interpretiert, wofür ein Zeitraum von etwa drei bis fünf Monaten vorgesehen ist“, teilt das Unternehmen auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Daraus werde dann abgeleitet, wo die für den kommenden Winter geplante 3D-Seismik zum Einsatz kommt.
Für alle untersuchten Gebiete wird das entscheidend sein. Denn man plane, wie Vulcan-Energy-Projektleiter Thomas Franzen den Lambsheimer Gemeinderatsmitgliedern mitteilte, mit fünf Bohrplätzen. Von diesen aus müssten Leitungen über Tage zur BASF gebaut werden, damit das Chemieunternehmen zur Verbesserung der eigenen Klimabilanz von der Geothermie profitiert. „Wir wollen möglichst nah an der BASF bleiben“, teilte Franzen auf eine Nachfrage aus dem Rat mit. Der Chemieriese soll zuerst von der Erdwärme profitieren, die etwas kühlere Restwärme soll danach Haushalten in der Umgebung als Fernwärme zugeführt werden.
Erkundungsbohrungen nicht vor 2028
Nur wenn einer dieser Bohrplätze auf Lambsheimer Gemarkung läge, würde die Gemeinde von der anfangs erwähnten Beteiligung finanziell profitieren – abgesehen von der Versorgung durch Fernwärme. Auf RHEINPFALZ-Anfrage nennt Vulcan mehrere Faktoren, von denen ein Ort profitieren würde. Man plane zunächst eine „gerechte Verteilung der Gewerbesteuer“ für die Kommunen mit Bohrplätzen. Bedeckt hält sich das Unternehmen noch bei der Frage nach der Höhe der Beteiligung. Es teilt lediglich mit: „Die Verteilung der Gewerbesteuer richtet sich dabei nach den Anteilen der Investitionssummen, die in den einzelnen Gemeinden getätigt werden.“
Vulcan hält es zudem für vorstellbar, durch Kauf oder Pacht gemeindeeigener Grundstücke Geld in die Haushaltskassen zu bringen. „Auch wird das Bohr- und Betriebsteam die lokale Wirtschaft durch direkte Einkäufe, Miete und weitere Ausgaben beleben“, ist sich das Unternehmen sicher.
Bis es so weit ist, wird allerdings noch einige Energie ungenutzt in der Erde bleiben. Selbst wenn die 3D-Seismik im kommenden Jahr abgeschlossen wird, rechnet Vulcan Energy mit ersten Erkundungsbohrungen in der Vorderpfalz nicht vor dem Jahr 2028.