Rhein-Pfalz Kreis
Mutterstadt ist Fairtrade-Gemeinde: Mit Amsterdam, London und Dortmund in einer Liga
Seit Dienstag kann Mutterstadt einen klangvollen Titel führen: Fairtrade-Town. Zwei Jahre beschäftigte sich eine Steuerungsgruppe mit dem Thema – jetzt folgte die Auszeichnung. 120 Gäste waren bei der feierlichen Urkundenübergabe im Foyer des Rathauses dabei.
„Ab heute spielt Mutterstadt in der Champions League zusammen mit Amsterdam, London, Paris, Madrid und Dortmund. Denn diese Metropolen sind ebenfalls Fairtrade-Towns!“, rief am Dienstag der Ehrenbotschafter von Fairtrade, Manfred Holz, den Gästen im Rathaus zu. Mutterstadt gehört jetzt zu den 34 Städten und Gemeinden in Rheinland-Pfalz und zu den 636 in Deutschland, die die Anerkennungsurkunde erhalten haben und sich „Fairtrade-Town“ nennen dürfen. Denn der Ort hat alle Kriterien dafür bravourös erfüllt: So wurde etwa eine koordinierende Steuerungsgruppe gebildet und ein Ratsbeschluss wurde verabschiedet. Außerdem fanden sich genügend Geschäfte und Gastronomiebetriebe vor Ort, die faire Produkte anbieten.
Der Grundstein für fairen Handel in Mutterstadt wurde bereits vor 17 Jahren mit dem Weltladen gelegt. Zwei Jahre beschäftigten sich Mitglieder der Steuerungsgruppe mit dem Thema – für die Auszeichnung hat sich die Arbeit gelohnt. „Die Anforderungen sind hoch, aber erfüllbar. So einen Titel bekommt man nicht geschenkt“, würdigte Botschafter Holz die Anstrengungen der Beteiligten. Dazu gehörten nicht nur Mitglieder der Steuerungsgruppe, sondern alle, die aktiv zum Gelingen beigetragen haben.
Das Zertifikat ist zwei Jahre gültig
Die Gemeinde Mutterstadt setzt sich aktiv dafür ein, dass das Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen und soziale sowie umweltschonende Herstellungs- und Handlungsstrukturen wächst. „Mit der heutigen Anerkennung als Fairtrade-Gemeinde gehen wir auf dem Weg weiter, als Kommune Verantwortung für die Lebensbedingungen der Menschen, gerade auch der nachfolgenden Generationen, zu zeigen“, erklärte Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) in seiner Ansprache.
Längst ist die faire Produktpalette nicht mehr auf Kaffee beschränkt: Tee, Blumen, Schokolade oder Kakao gehören ebenso dazu wie Kleidung oder Gewürze. 2018 wuchs Fairtrade in Deutschland um 22 Prozent und das Land ist seit Jahren der weltweit dynamischste Fairtrade-Markt, heißt es von offizieller Seite.
„Schon allein die Schokolade ist es wert, die faire Variante zu kaufen. Sie schmeckt super“, sagte Egon Deimling und lachte. Bislang kauft der sympathische Mann aus Mutterstadt allerdings wenig Fairtrade-Produkte, ist aber überzeugt, dass er in Zukunft mehr darauf schauen wird. Marianne Ottinger achtet meistens auf Fairtrade-Produkte und kauft bewusst ein. „Es muss etwas geschehen, jeder Schritt ist wichtig“, erklärte die Mutterstadterin. Sie überlegt sogar, sich bei diesem Thema zu engagieren.
Mutterstadt hat nun das offizielle, zwei Jahre gültige Siegel, eine Fairtrade-Gemeinde zu sein. „Man bleibt nur in der Champions League, wenn man seine Spiele gewinnt“, erläuterte Landrat Clemens Körner (CDU) und wünschte der Gemeinde schon heute Erfolg für eine erneute Auszeichnung als Fairtrade-Town in zwei Jahren.